Super League
Die Hoppers spielen mit Herz, der Berner Sinkflug geht weiter

Die Grasshoppers wirbeln eine Stunde und bezwingen die Berner daheim mit 3:2. Damit schiesst sich auch der Interimstrainer Harald Gämperle definitiv ins Abseits.

Ruedi Kuhn
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Des einen Freud ist des anderen Leid: Die Grasshopper Munas Dabbur und Caio feiern ihr drittes Tor am späten Sonntagnachmittag im Letzigrund.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Die Grasshopper Munas Dabbur und Caio feiern ihr drittes Tor am späten Sonntagnachmittag im Letzigrund.

Keystone

Sollten Sie in den nächsten Tagen von YB-Sportchef Fredy Bickel ein Angebot für den Job der freien Trainerstelle bekommen, dann überlegen Sie sich die Sache zweimal. Melden sollten sich wirklich nur mental starke Leute, die zudem über eine grosse Leidensfähigkeit verfügen. Die Berner sind momentan nämlich völlig von der Rolle.

Natürlich machte das Team gegen die Grasshoppers dank einer Leistungssteigerung in der letzten Viertelstunde aus einem 0:3 ein 2:3. Natürlich zwang Milan Vilotic Torhüter Joël Mall mit einem Schuss aus acht Metern kurz vor Schluss zu einer Glanzparade. Aber selbst ein 3:3 hätte YB nicht viel weitergebracht. Eine Ehrenmeldung wäre es allerdings gewesen.

Gämperles Frust

Der Frust war YBs Interimstrainer Harald Gämperle während der Pressekonferenz nach der Partie jedenfalls in aller Deutlichkeit ins Gesicht geschrieben. Verständlich: Die Leistung seines Teams in der ersten Halbzeit glich einer Bankrotterklärung. «Wir kamen überhaupt nicht auf Touren und haben GC vor der Pause gleich zwei Tore geschenkt», brachte Gämperle die Sache auf den Punkt. «Wer so viele Ballverluste hat, der darf sich nicht beklagen, wenn er am Ende mit leeren Händen da steht.»

Mit leeren Händen steht jetzt aller Voraussicht nach auch Gämperle da. YBs Nothelfer brachte es in sieben Spielen auf drei Siege und vier Niederlagen. Dieses Bewerbungsschreiben reicht bei Weitem nicht, um das Amt des Cheftrainers übernehmen zu können. Diesbezüglich, so hört man jedenfalls, soll Murat Yakin in der Poleposition stehen.

GC von Beginn an hellwach

Im Gegensatz zu den Young Boys wirkte GC von Beginn an hellwach: Yoric Ravet fasste sich nach einer Viertelstunde ein Herz und hämmerte den Ball in die Maschen. Das 1:0 war der Auftakt zu einer Gala der grossen Sorte: Jetzt spielte nur noch eine Mannschaft: GC!

Der zweite Treffer für die Zürcher fiel allerdings nur dank gütiger Mithilfe der Berner. Milan Gajic verlor den Ball nahe der Mittellinie an Marko Basic. Shani Tarashaj profitierte und traf zum 2:0. Und als Caio zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einem herrlichen Schuss aus 17 Metern das Tor des Tages erzielte, schien die Sache geritzt.

Zürcher Erfolg nicht mehr abwendbar

GC führte 3:0. YB musste nach knapp einer Stunde das Schlimmste befürchten. Dann aber bäumten sich die Berner auf. Vilotic mit einem Kopfball nach einem Corner von Miralem Sulejmani (68.) und Yuya Kubo mit einem Kopfball nach Vorlage von Florent Hadergjonaj (78.) sorgten dafür, dass es bis zum Schluss spannend blieb. Schliesslich brachte GC den knappen Vorsprung über die Zeit, schaffte den fünften Sieg im siebten Spiel und zementierte damit den zweiten Platz in der Super League.

Logisch, dass Pierluigi Tami nicht mit Komplimenten geizte. «Wir haben mit viel Herz und viel Einsatz eine 3:0-Führung geschafft», sagte der GC-Trainer. «Dass wir am Schluss vor lauter Spielfreude etwas den Kopf verloren haben, ist verständlich. Die zwei späten Gegentore müssen der Mannschaft aber eine Lehre sein.»