NLA
Die Hockey-Geldmaschine SC Bern steht seit Monaten sportlich still

Der SCB ist in der Krise. Marc Lüthi weicht einer Antwort, ob Guy Boucher auch morgen in Lugano an der Bande stehen werde, immer wieder aus. Bis er sich nach dem siebten oder achten Anlauf des Fragestellers zu einem knurrigen «Ja» durchringt.

Klaus Zaugg
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Sorgenvolle Miene: Berns Headcoach Guy Boucher.keystone

Sorgenvolle Miene: Berns Headcoach Guy Boucher.keystone

KEYSTONE

Weil Marc Lüthi in den letzten vier Jahren zwei SCB-Meistertrainer (Larry Huras, Antti Törmänen) entlassen hat, die besseres Hockey spielen liessen als Guy Boucher, dreht sich in der SCB-Krise alles um die Trainerfrage.

Der ehemalige NHL-Coach Guy Boucher hat den SCB im Januar 2014 übernommen. Er schaffte die Wende nicht und versenkte den Titelverteidiger in die Abstiegsrunde. Einer guten letzten Qualifikation (2.) folgte letzte Saison ein klägliches Scheitern (0:4) im Halbfinale gegen Davos. Und jetzt ist der SCB an einem spielerischen Tiefpunkt angelangt. Die Hockey-Geldmaschine SCB (50 Millionen Umsatz, seit 15 Jahren schwarze Zahlen) steht seit dem Amtsantritt von Guy Boucher sportlich, spielerisch und taktisch still. Was einst Spiel war, ist nun eine endlose Kette von Zweikämpfen.

Der Kanadier hat inzwischen offiziell verkündet, Ende Saison aus persönlichen Gründen nach Kanada heimzukehren. Seither hat er beide Spiele verloren (2:5 Lausanne, 2:4 Kloten). Der SCB steht nun auf Rang neun.

Verletzungspech ist auch im Spiel. Torhüter Marco Bührer fällt mit einer Fussverletzung für unbestimmte Zeit aus. Der SCB ist in den nächsten Wochen auf Janick Schwendener angewiesen. Von den sechs Ausländern sind nur drei einsatzfähig. Sportchef Sven Leuenberger sagt, der SCB befinde sich im Umbruch und Guy Boucher verweist auf die vielen neuen Spieler, die in die Mannschaft integriert werden müssen.

Alles ist Kampf, Kampf, Kampf

Der SCB-Trainer ist wahrscheinlich der charismatischste Hockey-Schönredner des 21. Jahrhunderts. Perfekt gekleidet, frisch gebürstet und gekämmt steht er auch nach der Pleite in Kloten Red und Antwort. Ein brillanter Kommunikator, gegen den selbst Ex-Nationaltrainer Ralph Krueger ins Stottern geraten würde. Er lobt den Kampfgeist seiner Jungs, der Kampf um die Playoffs sei ein «dogfight», alles ist Kampf, Kampf, Kampf. Und er verwahrt sich in aller Form dagegen, dass ein Zusammenhang mit der Ankündigung seines Abgangs und den Niederlagen konstruiert wird.

Die Trainerfrage ist beim SCB längst ein Politikum geworden: Weder Marc Lüthi noch Sportchef Sven Leuenberger wollen sich eingestehen, dass sie sich bei der Trainerfrage verrannt haben und das NHL-Experiment schon ein Jahr zu lange dauert. Augen zu und durch, vielleicht reicht es ja trotzdem für die Playoffs und nächstes Jahr kommt eh ein neuer Trainer. Aber Lüthi kann rechnen: Wenn die Zuschauerzahlen weiter zurückgehen oder die Sponsoren reklamieren, dann ist die «Ära Boucher» zu Ende.