Spritzensport #2

Die Gretchenfrage im Kampf gegen Doping: Was ist positiv?

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Mit dem Monat März ging bei Antidoping Schweiz eine Ära zu Ende. Der Direktor Matthias Kamber trat ab und kann durchaus eine positive Bilanz ziehen. Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Bei Antidoping Schweiz ging am 31. März eine Ära zu Ende. Direktor Matthias Kamber bestritt den letzten offiziellen Arbeitstag – nach 30 Jahren im Epizentrum des Kampfs gegen Doping. Zum Abschied präsentierte der Berner abermals die Jahresbilanz der von Bund (2,7 Mio.) und Swiss Olympic (1,9 Mio.) finanzierten Stiftung. Alle Vorgaben erfüllt, aber zu wenig finanzielle Mittel lautet die Kürzest-Zusammenfassung seiner Ausführungen – nicht zum ersten Mal.

Doch neben nackten Zahlen – 15 positive Fälle bei 3416 Dopingproben im Jahr 2017 – interessierte im Themenkreis um entnommenen Urin, getrocknetem Blut und beschlagnahmten Medikamenten für einmal auch die Philosophie. «War Ihre Arbeit erfolgreich?», wollte ein welscher Journalist von Kamber wissen. Was ist eine positive Bilanz in einer Branche, in welcher das Wort «positiv» die Alarmglocken läuten lässt?

Fest steht, dass Kambers Truppe ihre Arbeit gewissenhaft verrichtet. Die Aushängeschilder des Schweizer Sports wiederholen gebetsmühlenartig, dass sie sich wünschten, ihre Gegner würden ähnlich oft kontrolliert wie sie.

Alleine 104 Tests gab es im letzten Jahr bei den Langläufern um Olympiasieger Cologna. Die Athleten stört dies offensichtlich nicht. In einer umfangreichen Befragung durch Antidoping Schweiz verlangen sie sogar zu einem höheren Prozentanteil als die Schweizer Bevölkerung eine harte Linie gegen Doping.

Doch wann ist die Arbeit nun erfolgreich? Bei möglichst vielen überführten Betrügern oder bei möglichst wenig Fällen? Für Kamber steht eine andere Bilanz im Vordergrund. Dank Prävention wie einer Medikamenten-App und einer Informations-Offensive im Nachwuchssport gibt es in der Schweiz immer weniger unbeabsichtigte Dopingfälle – wegen Unwissenheit oder falscher Anwendung von Medikamenten. Diese Zahlen freuen den scheidenden Direktor.

Überhaupt scheinen Schweizer Sportler übervorsichtig. 90 Anträge auf Ausnahmebewilligungen für den Einsatz von verbotenen Substanzen aus therapeutischen Gründen erhielt Antidoping Schweiz im letzten Jahr. Weniger als ein Drittel wären notwendig gewesen.

Neben dem Dauerthema Asthma – ein Drittel aller Anträge – wird eine Substanz zunehmend dominant. Ein Inhaltsstoff des ADHS-Medikaments Ritalin ist im Wettkampf verboten – zumindest für Elitesportler. 28 Prozent aller Anträge betreffen den Einsatz von Ritalin. Vor allem bei jungen Athleten. Tendenz markant steigend. Also aufgepasst auf eine verdächtige Kreuzung: der Zappelphilipp mit Atemnot!

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