Ski
Die Gesamtweltcupsiegerin stattet St. Moritz einen Besuch ab

Lara Gut bereitet sich am Ort ihres grössten Erfolgs auf die neue Saison vor. Das Ziel heisst Titelverteidigung.

Martin Probst
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Lara Gut in St. Moritz, wo im Februar 2017 die Ski-WM stattfinden wird.

Lara Gut in St. Moritz, wo im Februar 2017 die Ski-WM stattfinden wird.

Keystone

Lara Gut ist zum ersten Mal in St. Moritz. Wie bitte? «Ja», lacht sie. Zum ersten Mal im Sommer. Im Winter ist ihre Geschichte eng mit dem Ort in den Bündner Bergen verbunden. Hier stand sie erstmals auf dem Podest. Hier gewann sie ihr erstes Weltcuprennen. Hier erhielt sie im vergangenen März die grosse Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup. Und hier findet im nächsten Februar die Ski-WM statt.

Nun also zum ersten Mal im Sommer. Wir treffen die 25-Jährige im Zielraum der Skirennen. Wenig bis gar nichts erinnert an den Winter. Lara Gut trägt ein T-Shirt, geniesst die Sonne. Auf den Gipfeln der Berge liegt zwar noch etwas Schnee, doch die Rennpiste ist grün. Schön ist es. Auch im Sommer.

Lara Gut präsentiert sich in St. Moritz mit bester Laune.

Lara Gut präsentiert sich in St. Moritz mit bester Laune.

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Die Athletinnen und Athleten von Swiss Ski sind die WM-Strecke zu Fuss abgewandert. Vom Ziel bis zum Start. Beat Feuz scherzt: «Ich dachte, wir kommen gar nicht mehr beim Zielsprung an. Im Winter ist man da quasi im Ziel. Bergauf geht es ewig.»
Abstand vom Rummel

Fast ewig weit weg ist für Lara Gut auch ihr bisher grösster Triumph. Der Sieg im Gesamtweltcup. Obwohl erst drei Monate vergangen sind. Nur: «Ich schaue nicht gerne zurück», erklärt die Tessinerin. «Ich habe meinen Blick bereits nach vorne gerichtet, auf die neue Saison.» Sie steckt mitten in der intensiven Vorbereitungszeit.

Lara Gut posiert mit ihrer Val d'Isère Siegeskuh Valdy.

Lara Gut posiert mit ihrer Val d'Isère Siegeskuh Valdy.

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Trotzdem wollen wir natürlich wissen, wie es ist, Gesamtsiegerin zu sein. «Ganz ehrlich, ich bin noch immer in der Phase, es überhaupt zu realisieren», sagt sie. Vielleicht, weil sie zuletzt bewusst Abstand suchte. Zeit zum Atmen brauchte, wie sie sagt. Dafür ist sie im März direkt aus St. Moritz in die Ferien geflogen. «Dies war die beste Entscheidung.» Weil sie damit dem Rummel entgehen konnte, der auf Gesamtsiegerinnen zukommt. Zwar haben sie Anna Fenninger und Tina Maze vorgewarnt. Doch die Realität ist nochmals anders. «Ich werde überall erkannt. Damit muss ich jetzt erst einmal lernen, umzugehen.»

Enorm viele Anfragen hat Lara Gut erhalten. Obwohl ihr Alexandre Ahr hilft. Der Romand, der auch die Tennisspielerin Timea Bacsinszky betreut, hat die Pressearbeit für Gut übernommen, hat Termine vereinbart und abgesagt, während Gut in den USA weilte, unter anderem Bacsinszky an einem Turnier besuchte. Diese sagte im Platzinterview in Miami dem Publikum: «Ich habe einen Glücksbringer. Ihr solltet sie kennen! Sie hat Lindsey Vonn geschlagen, sorry! Sie ist die Nummer 1 im Ski: Lara Gut.»

Lara Gut mit ihren beiden Kristallkugeln für Super G und Gesamtweltcup vom vergangenen Winter.

Lara Gut mit ihren beiden Kristallkugeln für Super G und Gesamtweltcup vom vergangenen Winter.

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Kehrt Maze zurück?

Ja. Lara Gut hat die Amerikanerin im Gesamtweltcup besiegt. Das weiss jetzt auch das US-Publikum, dank Bacsinszky. Doch im nächsten Winter will Lindsey Vonn Revanche. Das weiss auch Lara Gut. Und die Konkurrenz wird nicht kleiner. Anna Fenninger, die geheiratet hat und jetzt Veith heisst, kehrt nach einer Verletzung zurück. Tina Mazes Sabbatjahr ist vorbei, ihre Zukunft immer noch ungewiss. Oder nicht?

«Ich habe gehört, dass sie zumindest ein Rennen fahren will», sagt Gut. Damit sie sich verabschieden kann. «Aber wer weiss», sagt Gut und es tönt schon fast wie eine Vorhersage: «Vielleicht hat sie dann so viel Spass, dass sie gleich die Saison fertig fährt.»

Kehrt Tina Maze in den Weltcupzirkus zurück?

Kehrt Tina Maze in den Weltcupzirkus zurück?

Keystone

Doch eigentlich sind Lara Gut solche Spekulationen egal. Sie konzentriert sich sowieso am liebsten auf sich. Auf das, was sie beeinflussen kann: ihre Leistung. Und die soll natürlich wieder stark sein. Dafür trainiert sie hart, ganz nach ihrem Motto: Man kann immer besser werden. Jeden Tag.

Nur Prognosen hört man von Lara Gut nicht. Noch nie. «Wie es an der Heim-WM sein wird? Dass weiss ich erst im Februar 2017, wenn es so weit ist.» Diese Antwort ist typisch für Lara Gut. Sie schützt sich und hat damit Erfolg. Bereits in der vergangenen Saison wollte sie sich nicht auf Spekulationen einlassen, ob sie den Gesamtweltcup gewinnen werde, und hörte erst auf, dies zu sagen, als sie die grosse Kristallkugel in der Hand hatte. Diesem Prinzip bleibt sie treu. Sage nur, was du weisst.

Denn neu wird die Situation für Lara Gut sowieso. Erstmals beginnt der Winter für sie als Gejagte, als Titelverteidigerin. «Ich bin mir bewusst, dass ich damit einem exklusiven Kreis angehöre», sagt die 25-Jährige. Mehr nicht. Weil die Antwort auf die offenen Fragen sowieso erst im Oktober beim Saisonstart in Sölden folgen und es bis dahin noch ein weiter Weg ist.
Nur so viel: Lara Gut ist fit, hat keine Beschwerden, trainiert hart und ist voll im Fahrplan. Das wiederum tönt wie eine Drohung. Obwohl sie es selbst so nie sagen würde.