Der Kontrast könnte kaum grösser sein. Hier das grosse Wembley-Stadion, FA-Cup-Final mit Arsenal gegen Chelsea. Dort die Färöer-Inseln, Fussball-Provinz, WM-Qualifikation mit dem Nationalteam.

Granit Xhaka hat wieder einmal bewegende Tage hinter sich. Mit Arsenal London gewinnt er Ende Mai den FA-Cup. Es ist das Highlight einer Saison, die nicht immer einfach war. «Ich habe das Titelsammeln vermisst», sagt Xhaka lächelnd. Es ist sein erster seit er den FC Basel im Sommer 2012 verlassen hat. Und dazu gelingt ihm ausgerechnet gegen Chelsea einer seiner besten Auftritte im Trikot der Gunners. «Beeindruckend», lobt die englische Presse. Oder: «Endlich spielt er wie ein grosser Transfer».

Well done boys🏆

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Vor einem Jahr wagt Xhaka nach vier Jahren in der Bundesliga den Sprung nach England. Er wechselt von Mönchengladbach zu Arsenal. Im Rückblick findet er es «etwas überraschend», wie schnell er sich zurechtgefunden hat. «Als 19-Jähriger in Deutschland hatte ich jedenfalls mehr Mühe.»

«Ein besserer Spieler geworden»

Mittlerweile ist Xhaka 24 Jahre alt. Das Leben in London gefällt ihm. «Als ich ankam, musste er erst einmal leer schlucken. So viele Leute, so viele Touristen, so viele Attraktionen – das war ich mir nicht gewohnt», sagt er. Bevor er über die Faszination der Kunst zu reden beginnt. Und gleich schmunzelnd anfügt, dass er sich nicht gleich als Experte sähe. Etwas Kopfzerbrechen bereiten ihm allerdings die jüngsten Entwicklungen des Terrors. «Wenn Leute plötzlich und aus dem Nichts mit Bomben – oder nun sogar mit Messern – angegriffen werden, dann ist das schockierend und stimmt traurig.»

Mit einem Jahr Erfahrung in der Premier League sagt Xhaka: «Ich bin seither ein besserer Spieler geworden.» Und zählt auf, warum das so ist. Bessere Physis. Besseres Tempo. Den einfachen, direkten Fussball in England verinnerlicht. Und eines fügt er auch noch an: «Viele Trainer und Spieler wussten früher: Den Xhaka muss man provozieren, dann ist er abgelenkt. Ich habe mich auch in dieser Hinsicht gebessert.»

«Viele Trainer und Spieler wussten früher: Den Xhaka muss man provozieren, dann ist er abgelenkt.»

Granit Xhaka:

«Viele Trainer und Spieler wussten früher: Den Xhaka muss man provozieren, dann ist er abgelenkt.»

Dass Xhaka gleichwohl oft kritisiert wurde – auch wegen seiner ungenügenden Tacklings – kann er teilweise akzeptieren. Nämlich dann, wenn ihn Trainer Arsène Wenger dafür rügt. Weniger Verständnis hat er für die Voten ehemaliger Spieler am TV. «Das hat dann häufig mit meiner Vergangenheit zu tun. Ich werde teilweise vorverurteilt.»

Die negativen Schlagzeilen erreichten ihren Höhepunkt, als Xhaka am Tag nach einer roten Karte am Flughafen Rassismus gegenüber einer Flughafen-Angestellten vorgeworfen wurde. Xhaka wurde befragt – und dann sogleich wieder entlassen. Der Vorfall hat seiner Reputation in England gleichwohl geschadet. Die Leistungen zuletzt haben aber so etwas wie einen generellen Meinungsumschwung eingeleitet.

Bald Nati-Captain?

Xhaka ist froh, dass Trainer Wenger seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat. Denn der Franzose ist nach Lucien Favre der nächste bedeutende Förderer Xhakas.

Nicht nur im Klubfussball hat Xhaka einen beeindruckenden Aufstieg hinter sich. Auch im Nationalteam wird er immer wichtiger. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Xhaka bald einmal neuer Schweizer Captain wird.

Wird Xhaka Captain der Schweizer Nationalmannschaft?

Wird Xhaka Captain der Schweizer Nationalmannschaft?

Die Geburt als «Chef» auf dem Rasen ist nun zwei Jahre her. Damals, in der EM-Qualifikation auswärts gegen Litauen, wechselte Nationaltrainer Vladimir Petkovic den Captain Inler aus. Und Xhaka durfte endlich Regie führen.

Ein Jahr später folgte die hervorragende EM, als Xhaka über mehrere Spiel hintereinander zeigte, dass er das Team führen kann. Einziger Makel: Der verschossene Penalty im Achtelfinal gegen Polen. Das persönliche Erlebnis hat Xhaka verdaut. Noch nicht ganz jedoch die Niederlage im grossen Kontext. «Uns fehlten bis anhin stets ein paar Minuten zu einer herausragenden Leistung. Das wollen wir ändern.» Am liebsten schon an der WM in Russland.