Von einem «Alles-oder-nichts-Spiel» sprach Uli Forte. Sein oder Nichtsein, das war die Frage vor der Partie in Neuenburg. «Wir müssen die drei Punkte holen» war die klare Vorgabe des GC-Trainers. Neun Punkte betrug der Abstand auf den Barrageplatz und damit auf Xamax – neun Punkte beträgt er noch immer.

GC ging in Neuenburg zwar früh durch den von Forte-Vorgänger Tomislav Stipic noch ausgemusterten Julien Ngoy in Führung, aber Xamax glich durch Nuzzolo eine Viertelstunde vor Schluss hoch verdient aus.

GC-Trainer: "Es ist ein bitterer Punkt."

GC-Trainer: «Es ist ein bitterer Punkt»

1:1, das genügt in der momentanen Situation für GC nicht. Fünf Spiele stehen noch aus. Mindestens drei Siege müssten für GC noch her, um wenigstens punktemässig gleichzuziehen mit Xamax.

Vorgelebte Realitätsverweigerung

Letztmals aber bejubelten die Hoppers am 25. November 2018, also vor über fünf Monaten, einen Sieg. Überhaupt haben sie in 31 Runden erst fünfmal gewonnen. «Jetzt ist es vorbei. Ein trauriger Moment. Wie oft soll ich noch rumlügen? Wir haben jetzt sechsmal unentschieden gespielt. Wir können offenbar nicht gewinnen», sagte Marco Djuricin nach dem 1:1. Die Realität hatte ihn so hart getroffen, dass er sie nicht länger verleugnen konnte.

Genau das hätte sein Trainer aber von ihm verlangt. «Wir sind erst abgestiegen, wenn es rechnerisch feststeht. Und das ist noch nicht der Fall», sagte Forte. Trotzig. Wütend auch, als er von Djuricins Moment der Unverblümtheit erfährt. Der 26-Jährige Österreicher könne seinen Spind räumen und in die Ferien gehen, meinte Forte in der samstäglichen Enttäuschung.

Ehrlicher als erlaubt

Tags darauf ist für Berufsoptimist Forte alles vergessen. Zur «NZZ» sagt er: «Wir haben es im Plenum besprochen. Djuricin sagte der versammelten Mannschaft, er habe es nicht so gemeint. Er sei enttäuscht gewesen.»

Oder einfach für einen kurzen Moment ehrlicher, als er hätte sein dürfen. Das Berufsethos verlangt in solchen Situationen Realitätsverweigerung. Man kann nichts erreichen, wenn man nicht mehr daran glaubt. Bei GC aber ist der Glaube nicht nur bei Experten schwindend klein, sondern auch im Team. Darüber täuscht auch Djuricins Kreuzgang nicht hinweg.

Sieben Teams zittern vor Barrage

Die Angst vor dem Abstieg geistert in Zürich auch auf der anderen Seite der Schienen umher. Unter der Woche schied der FCZ im Cup-Halbfinal gegen den FC Basel aus. Man fühlte sich von Schiedsrichter Stephan Klossner betrogen, Trainer Ludovic Magnin soll ihn einen «Betrüger» geschimpft haben, wurde für drei Spiele gesperrt.

Überhaupt hat sein Team in der Rückrunde erst zwei Liga-Siege feiern können. Nur zwei Punkte Vorsprung betrug der Abstand auf den Barrageplatz vor der Partie gegen Sion. «Extrem nervös» war Präsident Ancillo Canepa deswegen.

Aber dem FCZ gelingt gegen Sion der Befreiungsschlag. Stephen Odey nickt zum Sieg ein. Und weil St. Gallen zeitgleich gegen den FCB 0:3 untergeht, rutschen die Ostschweizer auf den 8. Platz ab und spüren nun den Atem der Neuenburger im Nacken.

YB ist Meister, Basel bleibt Zweiter und GC steigt ab – aber sonst kann in dieser verrückten Liga noch so ziemlich alles passieren.