Ligaqualifikation
Die finale Eishockeyphase 2018 erinnert auf unheimliche Art an 2013

Kloten rechnet mit allem und hat sich in Langnau vor Ort informiert, wie ein Abstieg gemanagt wird. 2013 konnte sich der SC Bern mit dem Meistertitel krönen, während Kantonsrivale Langnau abstieg. 2018 ein ähnliches Bild: Während die ZSC Lions Meister werden könnte, könnten die Kloten Flyers absteigen.

Klaus Zaugg
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ZSC Lions/EHC Kloten

ZSC Lions/EHC Kloten

Keystone
... Enttäuschung bei Kloten.

... Enttäuschung bei Kloten.

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So viel Drama! So viele Parallelen! Wiederholt sich die Geschichte nach 1835 Tagen? Am 16. April 2013 feiert der grosse SC Bern in Bern oben nach einem 5:1 über Fribourg-Gottéron den Titel. Am gleichen Tag, praktisch zur selben Stunde steigt der kleine Kantonsrivale Langnau nach einer 2:3-Niederlage in Lausanne hinten ab. «Der Abstieg war schlimm genug. Aber dass der SCB auch noch den Titel feiern konnte, das hat uns schon sehr geärgert» erinnert sich Langnaus damaliger Gemeindepräsident Bernhard Antener. Als Freund von Peter Jakob, dem Vorsitzenden der SCL Tigers, hat er das Drama mit aller Intensität erlebt.

Heute Abend können die grossen ZSC Lions mit einem Sieg gegen Lugano Meister werden. Luftlinie gut vier Kilometer oder eine Fusswegstunde im Osten spielt der kleine Kantonsrivale gegen die Rapperswil-Jona Lakers. Im Falle einer Niederlage steigt Kloten ab. Antener, jetzt nicht mehr Gemeindepräsident, aber bald als Beirat in der Führung der SCL Tigers ist mit Präsident Peter Jakob nicht ganz einig, was besser wäre. Klotens Abstieg oder Klotens Ligaerhalt.

«Kloten müsste sich erst einmal in der NLB eine Zeit lang vom Abstieg erholen.»

Einerseits wäre der EHC Kloten nächste Saison in der National League wohl nur noch ein Operetten-Gegner. Aber es gibt auch eine andere Sicht der Dinge: «Wenn die Lakers aufsteigen, dann hätten wir wohl in den nächsten Jahren Ruhe. Denn es gäbe keinen ernsthaften Aufstiegsanwärter mehr. Olten? Na ja, wohl nicht. Und Kloten müsste sich erst einmal in der NLB eine Zeit lang vom Abstieg erholen.»

Item, das Schicksal Klotens beschäftigt im Bernbiet stärker als der Titelkampf. Kein Wunder: die Parallelen zwischen dem Langnau von 2013 und dem Kloten von 2018 sind schon beängstigend. Nicht nur, weil damals im April 2013 das Wetter auch so ungewöhnlich warm war wie heute. Langnaus Captain Simon Moser hatte schon vor der Zeit bei Lokalrivale SCB unterschrieben – so wie Klotens Captain Denis Hollenstein seine Zukunft längst bei den ZSC Lions mit einem Fünfjahresvertrag geregelt hat.

Sieben Ausländer, drei Trainer

Langnaus Präsident Jakob hatte im Herbst 2012 offiziell aus Kostengründen auf einen vierten Ausländer verzichtet und eine Entlassung von Trainer John Fust schien unmöglich. Am Ende der Saison hatten die Langnauer acht Ausländer-Lizenzen eingelöst und am Schluss stand mit Jakob Kölliker der dritte Trainer an der Bande. Klotens Präsident Hans-Ulrich Lehmann hatte im Herbst 2017 offiziell aus Kostengründen auf einen vierten Ausländer verzichtet und eine Entlassung des Trainers schien unmöglich. Inzwischen haben die Klotener sieben Ausländer-Lizenzen eingelöst und mit André Rötheli steht bereits der dritte Trainer an der Bande.

Auch zum Final von 2013 gibt es durchaus Parallelen. Zwar ist nur noch ein einziger Spieler aus diesem Final mit dabei: Luganos Nationalverteidiger Philippe Fuhrer organisierte damals die SCB-Abwehr. Aber Hans Kossmann war auch 2013 schon mit von der Partie. Damals noch als Bandengeneral bei Gottéron. Die Niederlage schmerzte zwar – aber er war nur Aussenseiter und in dieser letzten Partie in Bern chancenlos.

Im Playoff-Final 2018 ist das Heimteam nicht haushoher Favorit. Die Chancen stehen gegen Lugano 50:50. Ein Titel der ZSC Lions wäre zweifelsfrei mehr wert als jener der Berner von 2013. Der «Tages-Anzeiger» verlangt für eine Inserate-Seite in der Meisterbeilage (so es denn eine gibt) sage und schreibe 39 000 Franken. In der SCB-Meisterbeilage von 2013 war eine Seite in der Beilage der «Berner Zeitung» für weniger als 20 000 «Schtutz» zu haben. Was aber nicht heisst, dass den Zürchern der ZSC lieber und teurer ist als der SCB den Bernern.

Das Ende der Parallelen

Sollte es heute kommen wie damals im April 2013, dann können wir zumindest ausschliessen, dass die Fortsetzung gleich sein wird. Meister SCB verpasste anschliessend im Frühjahr 2014 als Meister die Playoffs. Dieses Missgeschick wird weder den ZSC Lions noch Lugano widerfahren. Die SCL Tigers standen nach dem Abstieg vor der «Stunde null». Kein Trainer, kein Sportchef, keine Spieler unter Vertrag. Zwei Jahre später standen sie wieder in der NLA.

Diese rasche Rückkehr hat in Kloten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Klotens neuer Geschäftsführer Pascal Signer ist kürzlich zusammen mit seinem Vorgänger Matthias Berner nach Langnau gereist. Um sich bei Peter Jakob vor Ort erklären zu lassen, wie man einen Abstieg erfolgreich managt.