Eishockey

Die Favoriten auf dem Prüfstand: Wer schafft es in den Playoff-Final?

Biels Julian Schmutz (l.) gegen Berns Simon Moser.

Heute beginnen die beiden Halbfinal-Serien: Wer hat die besten Perspektiven? Die Duelle SC Bern - EHC Biel und EV Zug - HC Lausanne im Vergleich.

SC Bern (1.) - EHC Biel (4.)

Gewarnte Berner

Der SC Bern hat in der Viertelfinalserie gegen Servette zwei wichtige Lektionen gelernt. 1.) Unterschätze niemals einen Gegner. 2.) Höre nicht auf, Eishockey zu spielen, wenn du mal mit 2:0 führst. Der SCB war gegen Servette der klare Favorit, kam mit dieser Rolle gegen einen aufsässigen Kontrahenten aber überraschend schlecht zurecht.

Unterschwellig nahm man die angeschlagenen Genfer vermutlich etwas auf die leichte Schulter. Das reichte schon, um in Verlegenheit zu geraten. Vor allem dann, wenn man mal in Führung lag. Viermal vergeigten die Mutzen einen 2:0-Vorsprung, weil man die Entscheidung nicht entschlossen genug suchte.

Gegen den EHC Biel wird das der Mannschaft von Headcoach Kari Jalonen kein zweites Mal passieren. Gut für die Berner ist ausserdem, dass viele der designierten Leistungsträger über erhebliches Steigerungspotenzial verfügen.

Angefangen bei Goalie Leonardo Genoni bis hin zum ansonsten so zuverlässigen Andrew Ebbett. Wenn diese Spieler zurück zu alter Stärke finden, dann wird die Erfolgsmaschinerie der Berner auch von den unberechenbaren Bieler nicht zu stoppen sein. (ku)

Motivierte Bieler 

Gegen den EHC Biel auszuscheiden ist für den SC Bern eigentlich undenkbar. Drei von vier Partien hat der Qualifikationssieger diese Saison gegen die Bieler gewonnen. Und auch sonst gibt es statistisch keinen Grund zur Sorge für den grossen Favoriten: Der SCB hat in der Qualifikation 39 Tore weniger kassiert als Biel – und ist es nicht die Defensive, die in den Playoffs letztlich oft die Differenz macht?

Eben. Aber genau in dieser Sicherheit lauert der Untergang. Die Bieler sind auf einer ganz besonderen Mission. In diesem finnischen Duell zwischen Kari Jalonens «Betonhockey» von gestern und Antti Törmänens dynamischem Tempospiel von heute und morgen gibt es eine zusätzliche Komponente: Antti Törmänen war 2013 mit dem SCB Meister und ist bereits ein paar Monate später schmählich entlassen worden.

Antti Törmänen kann also SCB. Aber letztlich werden zwei Schweizer dieses Halbfinale entscheiden. Berns Leonardo Genoni und Biels Jonas Hiller. Auch wenn der statistische Unterschied zwischen den zwei besten Goalies der Viertelfinals minim ist: Jonas Hiller ist besser in Form. (kza)

Zugs Reto Suri (l.) im Zweikampf mit Lausannes Lukas Frick.

Zugs Reto Suri (l.) im Zweikampf mit Lausannes Lukas Frick.

EV Zug (2.) - HC Lausanne (3.)

Frische Zuger

Die Zuger Fans beschäftigte zuletzt vor allem eine Frage: Wird Stürmer Dennis Everberg, einer der prägenden Spieler im Team, rechtzeitig zum Start der Halbfinals fit? Aber die vielleicht wichtigste Erkenntnis in dieser Saison ist, dass Zug die Verantwortung auf verschiedene Schultern verteilen kann.

Schon früh fielen Schlüsselspieler verletzt aus, ohne dass die Leistungen darunter litten. Die Ausgeglichenheit ist eine grosse Zuger Waffe. Im Gegensatz zu Lausanne, das erst im siebten Spiel den Einzug in die Runde der letzten Vier schaffte, hatten die Zuger neun spielfreie Tage.

Sie werden mit mentaler und körperlicher Frische aufs Eis kommen. Dass der Rhythmus verloren ging, ist nicht zu erwarten. Trainer Dan Tangnes hat sein Team in den Trainings im Wettkampf-Modus gehalten. Den Zuger Special Teams dürfte gegen ein defensiv stabiles Lausanne eine entscheidende Rolle zukommen.

Über die Saison gesehen hatte der EVZ hier Vorteile. Und Goalie Tobias Stephan hat - anders als sein Gegenüber Sandro Zurkirchen - reichlich Playoff-Erfahrung. Er verfügt über die Reife, um seinem Team die nötige Sicherheit zu vermitteln. (sva)

Taktische Lausanner

Die neutralen Zahlen der Statistik sagen uns, warum Lausanne gegen den EV Zug ins Finale einzieht. Lausanne fegte die SCL Tigers im siebten Viertelfinalspiel gleich mit 8:1 vom Eis. Gegen diese Langnauer sind die Zuger diese Saison nie über ein 4:1 hinausgekommen und sie haben in der Qualifikation drei von vier Partien gegen Lausanne verloren.

Aber auch die nicht in den Statistiken aufscheinenden Faktoren sprechen für Lausanne. Nach dem ersten Sieg in einer Playoffserie in der höchsten Liga sind die Spieler nach dem Motto «Make the Welschland great again» auf einer Mission.

Und Torhüter Sandro Zurkirchen, statistisch nur minimal schwächer als Tobias Stephan, ist auf einer ganz persönlichen Mission: die Zuger haben ihn einst nach Ambri abgeschoben. Dass Topskorer Dustin Jeffrey zumindest fürs erste Spiel ausfällt, spielt keine Rolle.

Die Defensive ist wichtiger. Trainer Ville Peltonen hat seiner Mannschaft ein ganz unwelsches, rationales Systemhockey beigebracht. Die Gefahr, sich in diesem taktischen Spinnennetz zu verfangen, ist auch für die Zuger erheblich. (kza)

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