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Die Fans des FC Porto haben keine Furcht vor dem FC Basel

Der portugiesische Spitzenklub FC Porto operiert mit viel grösseren Zahlen als der FC Basel. Trotzdem gibt es gerade in Sachen Transferpolitik einige Parallelen zwischen den beiden Achtelfinal-Kontrahenten in der Champions League.

Dean Fuss
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Im Frühling 2004 (3:0 gegen Monaco) gewann der FC Porto zum zweiten Mal nach 1987 die Champions League.

Im Frühling 2004 (3:0 gegen Monaco) gewann der FC Porto zum zweiten Mal nach 1987 die Champions League.

KEYSTONE

Vor dem Achtelfinal-Gegner aus der Schweiz fürchtet man sich beim Anhang des je zweifachen Champions-League- und Europa-League-Siegers nicht. Der portugiesische Sportjournalist Tiago Carrasco sagt: «Die Fans fürchten sich vor den Spielen. Aber nicht etwa wegen der Stärke des FCB, sondern vielmehr, weil Porto derzeit schwach ist.»

In der aktuellen Saison vermochte Porto unter seinem neuen Trainer Julen Lopetegui noch nicht zu überzeugen und belegt hinter Erzfeind Benfica Lissabon den zweiten Platz. Nachdem der 27-fache portugiesische Meister und 16-fache Cupsieger im vergangenen Jahr ohne Titel geblieben ist, wird in diesem Jahr wieder mehr erwartet. «Alles andere wäre eine Katastrophe für den Klub», sagt Carrasco.

Grosse Namen

Schon so manch grosser Name des Weltfussballs ist im blau-weissen Trikot des FC Porto aufgelaufen. Deco, Falcao, Hulk, Pepe, Maniche, Paulo Ferreira, Ricardo Carvalho oder James Rodriguez haben im Lauf ihrer Karriere schon einmal für den traditionsreichen Klub aus der portugiesischen Hafenstadt gespielt.

Und trotzdem werden im Hinspiel der Champions-League-Achtelfinals am Mittwoch, wenn die Spieler des FC Porto um kurz vor 20.45 Uhr den Rasen des St. Jakob-Parks betreten keine ganz grossen Namen mit dabei sein. Die klingendsten werden diejenigen der kolumbianischen WM-Entdeckung Jackson Martinez, des portugiesischen Rechtsaussen Ricardo Quaresma und des algerischen Linksaussen Yacine Brahimi sein. Dass dem so ist, hat System: Seit dem Champions-League-Titel aus dem Jahr 2004 hat kaum mehr ein Spieler seinen Karriere-Höhepunkt in Porto erreicht. Die allermeisten aufstrebenden Spieler wurden während ihres Aufstiegs gewinnbringend verkauft.

Als klassischer Ausbildungsklub etabliert

«Nach dem 3:0-Finalsieg gegen die AS Monaco hat sich der FC Porto als klassischer Ausbildungsklub etabliert», sagt der portugiesische Sportjournalist Tiago Carrasco. Diese Entwicklung bestätigt ein Blick in die Transferbilanz des Klubs: Von 2004/05 bis 2014/15 erwirtschafteten die Blau-Weissen einen Transferüberschuss von 337,13 Millionen Euro. In den zehn Saisons vor dem Triumph in der Königsklasse waren es noch 38,84 Millionen gewesen – fast zehn Mal weniger.

Wie Porto gilt auch der FC Basel als Ausbildungsklub. Während Porto seine Spieler vornehmlich an Klubs aus der spanischen Primera Division und der englischen Premier League verkauft, ist für den FCB die Bundesliga der grösste Abnehmer. In Basel begann das grosse Geschäft mit Spielerverkäufen in der Winterpause der Saison 2003/04 so richtig zu laufen. Damals wechselten Marco Streller und Hakan Yakin für insgesamt 5,5 Millonen Euro gleichzeitig zum VfB Stuttgart. Seither realisierte der FCB einen Transferüberschuss von 57,34 Millionen Euro.

Gewinn mit James Rodriguez

Auch die Einkaufspolitik des FC Porto ähnelt derjenigen des FCB. Die Portugiesen verfolgen die Strategie von langfristigen Verpflichtungen junger Talente aus Südamerika. Immer mit dem Ziel vor Augen, diese besser zu machen und sie dann möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Der bisher grösste Coup ist dem FC Porto mit dem kolumbianischen WM-Shootingstar James Rodriguez gelungen, den man im Juli 2010 im Alter von 19 Jahren für 7,35 Millionen Euro verpflichtete und drei Jahre später für 45 Millionen Euro an die AS Monaco weiterverkaufte.

Dass dieses System so erfolgreich funktioniert, hat auch mit Jorge Mendes zu tun. Der exquisiten Kundenkartei des umstrittenen portugiesischen Spielerberaters gehören Namen wie Jose Mourinho, Cristiano Ronaldo, Falcao, James Rodriguez oder Angel di Maria an. Allein in der Transferphase im Sommer 2014 soll er kolportierte 40 Millionen Euro an Transferbeteiligungen verdient haben. Neben dem vermögenden Klub-Präsident Jorge Nuno Pinto da Costa, dessen ist man sich vor Ort sicher, mischt Jorge Mendes auch beim FC Porto mit. «Er hat seine Finger überall in Portugal im Spiel. Er ist wie ein Oktopus mit seinen Tentakeln», sagt Carrasco. Zusätzlich wird der Klub durch Industrielle aus der Umgebung von Porto finanziell unterstützt.

Fluch und Segen des grossen Titels

In der bald 33-jährigen Präsidentschaft Da Costas, der sich bereits mehrfach mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sah, hat die neue Strategie auch ein Opfer gefordert: den Teamgeist, durch den sich der Klub in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. «Früher sind die Spieler nach Porto gekommen, um zu bleiben. Sie haben sich mit dem Klub identifiziert», sagt Carrasco. Jeder Spieler wisse nun, dass er von einem Gastspiel in Portugals Norden massiv profitieren könne, aber kaum einer komme wegen des 1893 – und somit im selben Jahr wie der FCB – gegründeten Klubs an sich. Fluch und Segen des grossen Titels.

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