Weltcup Kitzbühel

Die Fahrt, die Träume erfüllt – Yule und Feuz fahren in Kitzbühel aufs Podest

Daniel Yule liess sich im Slalom von Kitzbühel auch von starkem Schneefall nicht aus dem Konzept bringen.

Daniel Yule liess sich im Slalom von Kitzbühel auch von starkem Schneefall nicht aus dem Konzept bringen.

Am Ski-Wochenende in Kitzbühel konnten die Schweizer Fahrer einen guten Eindruck hinterlassen. Am Samstag verpasste Beat Feuz mit Rang zwei den Abfahrtssieg nur knapp, Daniel Yule fuhr am Sonntag im Slalom auf den dritten Rang

Das könnte sie gewesen sein: Die Fahrt, die Träume erfüllt. Das denkt Beat Feuz.

Bestzeit, Jubel, Freudenschrei.

Es ist Samstag – und er irrt sich.

Das könnte sie gewesen sein: Die Fahrt, die Träume erfüllt. Das denkt Daniel Yule.

Bestzeit, Jubel, Freudenschrei.

Es ist Sonntag – und er hat recht.

Beat Feuz träumt vom Sieg in der Abfahrt in Kitzbühel. Eine Woche zuvor hat er in Wengen gewonnen. Er träumt vom Double. Als er nach seiner Fahrt in der Leaderbox ankommt, sagt Kjetil Jansrud zu Feuz: «Das nimmt dir keiner mehr.»

Thomas Dressen bricht das Versprechen. Er fährt mit Nummer 19 Bestzeit und gewinnt als erster Deutscher seit Sepp Ferstl, der 1978 und 1979 gewann. «Wollt ihr mich verarschen?» Es war das Erste, das Dressen denkt beim Blick auf die Resultattafel. Feuz bleibt Rang zwei, wie schon 2016.

Daniel Yule träumt vom ersten Podestplatz im Weltcup. «Nicht wieder Rang vier», denkt er, als er mit Bestzeit ins Ziel kommt und die Angst den anfänglichen Jubel über die super Fahrt verdrängt. Noch stehen drei Athleten am Start. «Dieses Mal muss es klappen», sagt er sich selbst.

Michael Matt tut ihm den Gefallen. Der Österreicher scheidet mit deutlicher Bestzeit aus. So fährt Yule hinter Sieger Henrik Kristoffersen und Marcel Hirscher auf Rang drei und erfüllt sich den Traum. «Henrik und Marcel fahren in einer anderen Welt», sagt er und verliert fast eine Sekunde auf Hirscher und 1,35 Sekunden auf Kristoffersen.

Tragödien relativieren Träume

Dressen fährt normalerweise nicht in einer anderen Welt. Aber im Weltcup hat sich der 24-Jährige etabliert und war Anfang Saison in Beaver als Dritter erstmals auf das Podest gefahren. In Kitzbühel nutzt er die verbesserten Wetterbedingungen bei seiner Fahrt. «Wer weiss, vielleicht hat ja von oben jemand zugeschaut und hat die Sonne ein bisschen mehr scheinen lassen bei mir», sagt er und denkt an seinen tödlich verunglückten Vater Dirk. Dieser war 2005 als Juniorentrainer in Sölden, als bei einem Helikopter ein Tragseil riss und ein gut 750 kg schwerer Betonblock auf eine Gondel stürzte. Dirk Dressen war eines von neun Todesopfern.

Beat Feuz verpasste den Abfahrtssieg in Kitzbühel nur sehr knapp.

Beat Feuz verpasste den Abfahrtssieg in Kitzbühel nur sehr knapp.

Solche Tragödien relativierten Träume. Beat Feuz war vor einem Jahr mit klarer Bestzeit in Kitzbühel gestürzt und blieb unverletzt. Drei Wochen später wurde er Weltmeister. «In Kitzbühel ist man jedes Mal froh, gesund im Ziel zu sein. Darum freue ich mich über Rang zwei. Zudem hatte nicht nur Thomas Dressen bessere Bedingungen als ich. Aber er hat sie als Einziger genutzt.»

Daniel Yule litt immer stärker darunter, dass er seine Chancen nicht nutzen konnte. Zweimal fehlten ihm nur Hundertstel zum Podest. «Für mein Selbstvertrauen ist es darum enorm wichtig, dass es jetzt geklappt hat.» Und natürlich in Kitzbühel: Hier hatte er 2012 sein erstes Weltcuprennen bestritten. Hier fuhr er 2014 erstmals in die Top Ten und durfte dank Rang sieben an den Olympischen Spielen in Sotschi teilnehmen. Nun folgte das nächste Highlight für Yule, dessen Eltern einst von Schottland ins Wallis kamen.

Einziger Garant für Podestplätze

Dank Yule, Aerni, Loïc Meillard, Ramon Zenhäusern, der gestern Rang sechs belegte, ist das einstige Sorgenteam mittlerweile am breitesten aufgestellt im Männerbereich von Swiss Ski. In der Abfahrt fehlen der Schweiz neben Feuz die konstanten Erfolgsbringer. Zwar schafft immer mal wieder einer ein gutes Resultat, wie Marc Gisin in Kitzbühel, der auf Rang fünf fuhr, sein Bestresultat egalisierte und sich das Ticket für die Olympischen Spiele in Südkorea sicherte. Doch ein Garant für Podestplätze ist einzig Beat Feuz.

Daniel Yule freut sich im Schneetreiben von Kitzbühel über Platz 3

Daniel Yule freut sich im Schneetreiben von Kitzbühel über Platz 3

Im Abfahrtsweltcup liegt er nur noch zehn Punkte hinter Aksel Lund Svindal. Der Traum von der Kristallkugel lebt. Didier Cuche hat als bisher letzter Schweizer 2011 die Disziplinenwertung in der Abfahrt gewonnen. Feuz fehlten 2012 sieben Punkte. Das war, bevor sich sein Knie entzündete und seine Karriere in Gefahr war. Seither fuhr er nach dem Motto: «Konstant starke Leistungen lässt mein Knie nicht mehr zu. Aber in den wichtigen Rennen kann ich zuschlagen.» Doch nun widerlegt er das gleich selbst. In diesem Winter war Feuz in sechs Abfahrten noch nie schlechter als auf Rang acht klassiert.

Daniel Yule liefert ebenfalls eine interessante Statistik. Mit Rang drei hat er im Slalom nun jeden Platz zwischen 3 und 17 mindestens einmal belegt. Die logische Fortsetzung wäre also Rang zwei. Vielleicht schon am Dienstag beim Nacht-Slalom in Schladming?
Schliesslich braucht Yule seit gestern einen neuen Traum.

Meistgesehen

Artboard 1