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Die Entstehung der goldenen Ritter: Die Vegas Golden Knights nehmen endlich Formen an

In der Nacht auf Donnerstag nimmt die 31. NHL-Mannschaft, die Vegas Golden Knights, endlich Formen an.

Marcel Kuchta
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Vegas Golden Knights – die Situation der Schweizer
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Yannick Weber Der Berner Verteidiger hat seinen Vertrag beim Playoff-Finalisten eben erst verlängert. Er wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nicht berücksichtigt von den Golden Knights. Bei Nashville sind gestandene NHL-Stürmer wie James Neal zu haben.
Mark Streit Die Golden Knights hätten theoretisch die Möglichkeit, Streit auszuwählen und dann exklusiv mit ihm bis zum 1. Juli, wenn der freie Spielermarkt eröffnet wird, über einen neuen Vertrag zu verhandeln. Das wird aber nicht passieren. Bei den Penguins gibt es zahlreiche, attraktive Alternativen – allen voran Goalie Marc-André Fleury.
Joel Vermin Der Vertrag des Berner Stürmers lief aus. Vermin hat bei Lausanne einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, der eine Ausstiegsklausel für die NHL enthält. Deshalb ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Vermin via Expansions-Draft in Las Vegas landet. Wenn, dann schon eher als Neuverpflichtung auf dem freien Spielermarkt im Juli.
Tanner Richard Gegensatz zu Vermin würden die primären Verhandlungsrechte mit Richard über einen neuen Vertrag bei den Golden Knights bleiben. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass der Stürmer, der in der Schweiz bereits einen Vertrag bei Servette unterschrieben hat (mit Ausstiegsklausel), bei den goldenen Rittern in die Kränze kommt.

Vegas Golden Knights – die Situation der Schweizer

Keystone

Nach fast einem Jahr Wartezeit ist es so weit: Die Vegas Golden Knights, am 22. Juni 2016 als 31. Franchise der NHL aus der Taufe gehoben, dürfen sich endlich die Angestellten aussuchen, welche letztlich für die Aussendarstellung des neuen Produkts verantwortlich sind: die Spieler. Welche Cracks ab der kommenden Saison in Las Vegas spielen werden, wird in der Nacht auf Donnerstag offiziell bekannt gegeben.

Die 30 bisherigen NHL-Teams durften – je nach Konstellation – zwischen neun und elf Spielern aus ihren existierenden Kadern vor dem Zugriff der goldenen Ritter schützen (plus diejenigen Spieler mit laufenden Neuling-Verträgen). Am vergangenen Sonntag mussten alle ihre Schutzlisten abgeben. Seither brüten die Verantwortlichen der Golden Knights über 30 Konstellationen und müssen sich entscheiden, welche Spieler sie von ihrer Konkurrenz auswählen – einen pro Mannschaft.

Vegas-Manager George McPhee gibt vor dem Expansions-Draft Auskunft zu seinen Plänen der Kaderzusammenstellung.

Vegas-Manager George McPhee gibt vor dem Expansions-Draft Auskunft zu seinen Plänen der Kaderzusammenstellung.

Keystone

Den letzten Entscheid wird General Manager George McPhee fällen. Der ehemalige GM der Washington Capitals wird sich zusammen mit seinen Anvertrauten und vor allem dem neuen Headcoach Gerard Gallant entscheiden müssen, ob er das Team von Anfang an möglichst kompetitiv zusammenstellt und eher ältere, erfahrene Spieler auswählt. Oder ob er eher auf die Karte Jugend setzt und versucht, eine Mannschaft aufzubauen, welche mittelfristig um den NHL-Titel mitspielen kann.

Zukunft oder Gegenwart?

Blickt man auf den Pool der wählbaren Spieler, so haben die Golden Knights durchaus die Möglichkeit, sich den einen oder anderen Top-Crack zu sichern. Pittsburgh-Goalie Marc-André Fleury ist zu haben, von Minnesota Top-Center Eric Staal oder von den Nashville Predators der torgefährliche Flügel James Neal. Die Verlockung ist gross, in einer auf Unterhaltung getrimmten Umgebung wie in Las Vegas den kurzfristigen Erfolg anzustreben.

Zumal sich die Golden Knights auch nicht mit der Salär-Obergrenze (75 Millionen Dollar pro Team) herumschlagen müssen und sich entsprechend auch überteuerte Spieler leisten können.
Im Vorfeld des Expansions-Drafts hat McPhee bereits mächtig gewirbelt. Es ist von sieben vorarrangierten Transfers die Rede.

In diesen Tauschgeschäften ging es den bestehenden Teams vor allem darum, den Vegas-GM mit einem Zückerchen davon abzuhalten, dass er einen bestimmten, ungeschützten Spieler auswählt. Ein Beispiel: Die Anaheim Ducks könnten ihr erstes Draft-Recht der in etwas mehr als einer Woche stattfindenden Talentziehung (mit dem Schweizer Nico Hischier als mögliche Nummer eins) offerieren, im Gegenzug würden die Golden Knights darauf verzichten, den talentierten finnischen Verteidiger Sami Vatanen zu stehlen.

Wenn die Führungscrew der neuen NHL-Franchise ihren Job also optimal gemacht hat, dann wird man am Donnerstag nicht nur mit einer einigermassen schlagkräftigen Mannschaft dastehen, die vielleicht im Kampf um die Vergabe der Playoff-Plätze mitreden kann, sondern wird auch noch eine ganze Menge zusätzlicher Draftrechte besitzen. Damit die goldenen Ritter auf eine goldene Zukunft hoffen können.

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