Brauchen wir die NHL-Profis eigentlich bei einer WM oder einem olympischen Turnier? Nein. Wenn die 700 besten Spieler, die NHL-Stars, fehlen, ist die Erde keine Kugel mehr. Dann wird sie flach wie ein Puck. Es gibt kein Unten und kein Oben und keine Hierarchie mehr.

Und siehe da: Alles, was war, verblasste. Beinahe auch das «Miracle on Ice». Der Triumph der US-College-Boys 1980 nach einem Sieg über die Sowjets. Aber nur beinahe. In der Verlängerung des Olympia-Finals gewinnt doch noch Russland – mit 4:3.

Wenn es je eine ehrenvolle Niederlage gegeben hat, dann diese. Wenn es je ein Hockey-Drama gegeben hat, dann dieser Final. Eine Mischung aus wagnerianischer Oper, Hitchcock und Ballett. Deutschland, nur besiegt von Russland, das auf einer «heiligen Mission» war. Nach all den Wirren und Demütigungen konnte nur dieses olympische Gold die Schmach lindern.

Eishockey ist der «heilige Sport» der Russen. Weil er ihrer Seele am meisten entspricht.
Die Russen waren weder überheblich, noch hatten sie die Deutschen unterschätzt. Es ist ganz einfach so, dass die Deutschen die grösste Leistung gezeigt haben, die je einem Aussenseiter im olympischen Turnier geglückt ist.

Sie haben noch mehr aus ihrem Talent gemacht als damals die Amerikaner. Nur der finale Triumph ist ihnen von den Hockeygöttern verwehrt worden. So sind sie Helden des Augenblicks geworden. Aber keine Legenden für die Ewigkeit wie die Fussballer, die 1954 im Berner Wankdorf Ungarn besiegten (3:2) und Weltmeister wurden.

Und doch ist es am Ende kein Wunder, das wir da atemlos geschaut haben. Eishockey bedeutet ja auch, dass die Namen auf dem Dress nur aufgenähte Buchstaben sind. Und genau so war es. Namen zählten in diesem Final nicht mehr. Vergangener Ruhm auch nicht. Alles, was zählte, war die Gegenwart.

Die Leidenschaft, die Kampfkraft, der Mut, die Zuversicht, die Disziplin, die Kaltblütigkeit der Stunde. Ein entscheidender Faktor in diesem Turnier war das «Momentum». Der emotionale «Kickstart», der eine Mannschaft in einem so kurzen, intensiven und ausgeglichenen Turnier in ungeahnte Höhen tragen kann.

Dieser «Kickstart» blieb den Schweizern verwehrt. Ja, sie hatten erst einmal ein Schockerlebnis, das sie, wie wir im Rückblick erkennen, nicht mehr überwinden konnten: Der Titan Leonardo Genoni wurde von den Kanadiern bereits im ersten Spiel mit vier frühen Toren gestürzt.

Harte Matratzen, harte Landung

Die Mutter aller Partien, das Spiel, das die grössten Auswirkungen auf den weiteren Turnierverlauf haben sollte, war ausgerechnet das Duell zwischen der Schweiz und Deutschland. Ein Sieg in dieser Partie zwischen den zwei aussichtsreichsten «Underdogs» musste zum «Momentum» führen, das eine Sensation möglich macht.

Die Deutschen triumphierten in der Verlängerung in einer Partie, die von den Schweizern dominiert worden war, und holten sich das finale «Momentum». Das ist die entscheidende Rolle, die wir in diesem Turnier gespielt haben.

Ein Sieg über Deutschland hätte vielleicht auch die Schweiz in finale Höhen tragen können. So aber bleibt eine bittere wie banale Erkenntnis: Der Sieger hat immer recht. Die Schweizer begannen das Turnier mit dem Klagen über zu harte Betten in der olympischen Herberge.

Hätten sie dann für eine Überraschung gesorgt wie die Deutschen, es wäre als Beweis für ihre Professionalität gewürdigt worden: Sieger kümmern sich eben um jedes Detail.
Doch jetzt, nach dem Scheitern, bleibt der Spott über die, die weicher liegen wollten und hart auf dem Boden der Realität gelandet sind. Wir werden für immer der einmaligen Gelegenheit zum Eishockey-Weltruhm nachtrauern.