Eishockey

Die Eishockey-Woche: Langeweile in Bern, löchrige Abwehr in Zug

Der SC Bern lockt weniger Zuschauer an als üblich.

Der SC Bern lockt weniger Zuschauer an als üblich.

Der SC Bern ist berechenbar geworden, die Ausländer haben eingeschlagen und Melvin Nyffeler könnte einen Generationenwechsel im Tor der Nationalmannschaft erwirken. Fünf Gedanken zur vergangenen Eishockey-Woche von Experte Klaus Zaugg.

1 - Zuschauerschwund

Der SC Bern steht für Langeweile. Nach drei Heimpartien (Lakers, Ambri und das Derby gegen Biel) beträgt der Zuschauerschnitt beim Meister 15 559. Weniger kamen zuletzt in der Saison 2003/04. Auf die Frage, wie denn das Derby war, hat es der jeder Polemik abholde Journalist der Agentur Keystone/SDA auf den Punkt gebracht: «Es ging schnell hin und her – aber eigentlich ist nichts passiert.»

SCB-Trainer Kari Jalonen hat ein unberechenbares Spiel berechenbar gemacht, und Manager und Mitbesitzer Marc Lüthi hat neben dem Eis und in der Stadt alles im Griff – er hat soeben durchgesetzt, dass der Sport-Kolumnist des Gratisanzeigers «Berner Bär» den SCB nicht mehr thematisieren darf.

SCB-Coach Kari Jalonen hat ein unberechenbares Spiel berechenbar gemacht.

SCB-Coach Kari Jalonen hat ein unberechenbares Spiel berechenbar gemacht.

Jalonen und Lüthi haben den SCB zum «Bundesamt für Hockeyerfolge» gemacht – aber wer mag schon einem Bundesamt beim Arbeiten zuzuschauen? Es ist zwar ein Jammern auf allerhöchstem Niveau. Auch mit 15 559 Fans pro Spiel ist der SCB die Nummer eins ausserhalb der NHL. Aber der SCB lebt vom Umsatz, nicht von Mäzenen. Jeder Rappen zählt, der ins Stadion getragen wird. Der Zuschauerschwund in Bern ist hausgemacht und betrifft andere nicht. Der Ligaschnitt liegt bei 7126 pro Spiel (vergangene Saison 6949).

2 - Ausländer-Tore

Das ausländische Personal macht die Differenz. Bei 14 der bisher 23 Partien hat ein ausländischer Stürmer das Siegestor erzielt. Bessere Ausländer sind der wichtigste Grund für den wundersamen Start der Lakers (bei allen drei Siegen erzielte ein solcher das Siegestor). Miserable Ausländer sind der Grund für Ambris und Gottérons Fehlstart – was bei den grossen Namen in Fribourg doch sehr erstaunlich ist: Ryan Gunderson, Daniel Brodin, Viktor Stalberg und David Desharnais haben zusammen erst einen einzigen Treffer erzielt.

Viktor Stalberg (links) hat bei Fribourg-Gottéron noch nicht eingeschlagen.

Viktor Stalberg (links) hat bei Fribourg-Gottéron noch nicht eingeschlagen.

3 - Jalonen-Riegel

Eine gute Verteidigung macht den Torhüter besser: Niklas Schlegel, in Bern Nachfolger von Leonardo Genoni, ist mit 95,19 Prozent Fangquote die Nummer drei der Liga und so gut wie nie. Der «Jalonen Riegel» riegelt. Genoni ist in Zug hinter der löchrigsten Abwehr der Liga mit 87,41 Prozent bloss die Nummer 17 (!) der Liga.

4 - Generationenwechsel

Wer hütet unser Tor bei der Heim-WM im nächsten Frühjahr (8.–24. Mai)? Eigentlich gelten die WM-Silberhelden Leonardo Genoni und Reto Berra, beide 32, als gesetzt. Die neue Saison könnte allerdings einen Generationenwechsel provozieren. Melvin Nyffeler, 24, hat vergangene Saison am meisten Gegentreffer kassiert. Nun hat der Torhüter der Lakers sage und schreibe 139:01 Minuten ohne Gegentreffer überstanden.

Melvin Nyffeler: Mit ein Grund für den überraschend starken Saisonstart der Rapperswil-Jona Lakers.

Melvin Nyffeler: Mit ein Grund für den überraschend starken Saisonstart der Rapperswil-Jona Lakers.

5 - Trendwende

Der SCB hat mit durchstrukturiertem Hockey in vier Jahren dreimal den Titel und dreimal die Qualifikation gewonnen. Aber finnische und schwedische Trainer können auch Spektakel. Auftreten und Hockey des schwedischen ZSC-Trainers Rikard Grönborg mahnen schon fast an Arno Del Curto, und er lässt sein Team ein für nordische Trainer untypisches Spektakel-Hockey spielen. Ein leiser Trend weg vom Schablonen-Hockey und hin zum schnellen Tempospiel, das eigentlich für unsere Liga typisch ist?

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