Olympische Winterspiele 2018

Die Delegation von Swiss Olympic ist nach der letzten Inspektionsreise in Südkorea zufrieden

Die Delegation von Swiss Olympic mit Susanne Böhlen (Dritte von links), zusammen mit Vertretern des OK bei der Inspektionsreise in der Skistation Jeongseon.

Die Delegation von Swiss Olympic mit Susanne Böhlen (Dritte von links), zusammen mit Vertretern des OK bei der Inspektionsreise in der Skistation Jeongseon.

In drei Monaten finden in Südkorea die Olympischen Winterspiele statt. Die «Nordwestschweiz» begleitet vier Schweizer Figuren auf dem Weg nach Pyeongchang, deren Denken und Handeln in diesen Wochen von den olympischen Ringen geprägt ist – je eine Sportlerin und einen Sportler sowie zwei Führungspersonen aus der Schweizer Delegation.

Am 30. Oktober endete das Besuchsfenster für die Nationalen Olympischen Komitees für die Wettkampfstätten und die olympischen Dörfer. In den letzten Wochen vor den Winterspielen in Südkorea will sich das lokale Organisationskomitee ganz auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Denn Besuch von teilnehmenden Delegationen bindet immer auch Personal und Ressourcen.

Swiss Olympic nahm im Oktober die letzte Gelegenheit wahr, um sich noch einmal vor Ort ein Bild zu machen. Eine Wohnung im Athletendorf zu betreten, sei eben etwas ganz anderes, als sie einfach auf einem Grundrissplan zu betrachten, sagt die Schweizer Logistikchefin Susanne Böhlen.

Susanne Böhlen.

Susanne Böhlen.

Sie weilte gemeinsam mit Delegationsleiter Ralph Stöckli, Chefmediziner Patrik Noack sowie Vertretern der beiden «grossen» Verbände Swiss Ski und Schweizer Eishockey während einer knappen Woche in Pyeongchang.

Die Schweizer Gruppe kam mit positiven Eindrücken zurück. «Das OK hat in der ganzen Planung nochmals einen Riesenschritt gemacht. Viele Prozesse wurden durchdacht, die geäusserte Bedenken der Teilnehmer wurden gehört und für fast alle Probleme hat man Lösungen gefunden», lobt Susanne Böhlen die Organisatoren ausdrücklich.

So grosse Delegation wie noch nie

Für das Schweizer Olympiateam, das mit voraussichtlich rund 400 Personen – davon 180 bis 190 Sportlerinnen und Sportler – so gross wie noch nie bei Winterspielen sein wird, ergaben sich zwei Knacknüsse. Ursprünglich war geplant, alle Olympioniken nach ihrer Ankunft am Flughafen von Seoul mit dem Zug auf der Neubaustrecke quer durchs Land zu transportieren.

«Wir waren von Anfang an skeptisch, denn es gab viele offene Fragen wie jene nach dem Gepäck, dem Anschlusstransport vom Bahnhof zu den Unterkünften oder dem Zeitplan der Züge. Nach einem mehr als zehnstündigen Flug ist für die Athleten wichtig, dass danach alles reibungslos und ohne Verzögerungen funktioniert», erklärt Böhlen.

Das OK zeigte sich einsichtig und setzt nun wie gewünscht Busse für den Transport der Sportler ein. Quasi eine Lieferung bis zur Haustür.

Eine geeignete Küche zu finden, war eine Herausforderung

Ein weiteres Fragezeichen lag beim Wunsch, für die abseits der zwei grossen olympischen Dörfer wohnenden Snowboarder und Freestyle-Skifahrer einen eigenen Koch mitzunehmen. Eine geeignete Küche zu finden, war angesichts der knappen Wohngelegenheiten eine echte Herausforderung.

Doch auch diese Aufgabe konnte mithilfe von Kontakten vor Ort nun gelöst werden. Und eine Stippvisite in verschiedenen Supermärkten in der Umgebung brachte die Gewissheit, dass der Einkauf von Fleisch, Gemüse und anderen Frischprodukten auch für eine Schweizer Menükarte mehrheitlich machbar ist.

Es sollte also definitiv beim Hunger nach Erfolg bleiben. Auch die Rückmeldung, dass der Kaffee vor Ort vorzüglich ist, kann der Stimmung manch eines Olympioniken durchaus zuträglich sein.

Gefordert ist Susanne Böhlen aber auch in heimischen Gefilden. In der letzten Woche fand das letzte Teamchefmeeting mit den fünf bei Olympia vertretenen nationalen Wintersportverbänden statt.

Und am 23. November gilt es, bei der sogenannten «Pre-Delegation-Registration» nochmals die Daten jedes angemeldeten Schweizer Olympia-Teilnehmers zu überprüfen.

Organisatorische Herkulesaufgabe

Eine organisatorische Herkulesaufgabe, denn weil die definitive Selektion der Sportler teilweise erst Ende Januar erfolgt, gab Swiss Olympic am Stichtag für die Anmeldung Anfang Oktober eine Liste von rund 700 möglichen Teilnehmern ab – jeweils mit aktuellem Passfoto und Informationen zur Identität. Und da sind fehlerlose Angaben ziemlich entscheidend. Es wäre ärgerlich, wenn etwa Simon Ammann der Zutritt ins olympische Dorf verweigert würde.

Apropos Zutritt. 65 Prozent der akkreditierten Personen haben nur zu einem Wettkampfgelände Zutritt, 25 Prozent zu deren drei und nur 10 Prozent bei allen Venues. Dieser Check dient also auch dazu, dass letztlich nicht ausgerechnet der Chefarzt bei einem Einsatz vor verschlossenen Türen steht. Auch hier schaut Susanne Böhlen genau hin.

Acht Jahre später, ein paar Kilo schwerer und weiser

Sabina Hafner fährt bereits ab Freitag um die Olympia-Qualifikation.

von der «Nordwestschweiz»

Nur fünf Rennen hat Bobpilotin Sabina Hafner (33) Zeit, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Zwei Mal muss sie im Weltcup in die Top 8 fahren, um die Selektionskriterien von Swiss Olympic zu schaffen.

Ein Scheitern ist nicht einkalkuliert, doch der Rechenschieber fährt immer mit. Deswegen setzt die Baselbieterin, die im Zweierbob antritt, mit den Schwestern Rahel und Eveline Rebsamen und Jasmin Näf gleich auf drei Anschieberinnen und erhofft sich so frische Beine.

Sabina Hafner (r.).

Sabina Hafner (r.).

Anfangs November ist Hafner nach Lake Placid geflogen, wo heute die letzten Trainings auf dem Programm stehen und am Donnerstag das erste Weltcup-Rennen ausgetragen wird. Für Hafner ist es die Rückkehr an den Ort ihres grössten sportlichen Erfolgs. Vor acht Jahren holte sie im Mannschaftswettbewerb mit der Schweiz WM-Silber. «Ein schönes Gefühl. Es kamen viele Erinnerungen hoch.»

Weil in Lake Placid Anfang des Monats warme Temperaturen herrschten, konnte Hafner zwar weniger Fahrten absolvieren als erhofft. Sie hofft aber, dieses Manko mit Erfahrung wettmachen zu können. «Ich habe mit 18 Jahren angefangen, Bob zu fahren und über 1000 Fahrten absolviert.»

Sabina Hafner rast den Eiskanal hinunter.

Sabina Hafner rast den Eiskanal hinunter.

Im Vergleich zu ihrer ersten Karriere bringt Sabina Hafner sieben Kilogramm mehr auf die Waage und verspricht sich davon Vorteile beim Start, den sie im letzten Winter als Schwachpunkt ausgemacht hatte. Noch offen ist, wer ihre Anschieberin ist. Die Wahl fällt zwischen Rahel und Eveline Rebsamen.

Schweizer Skiakrobaten um Isler bejubeln Wetterglück

Dimitri Isler trainierte in der ersten Woche auf Schnee mehr denn je.

von der «Nordwestschweiz»

Vorbei sind die warmen Monate mit den Sprüngen auf der Wasserschanze in Mettmenstetten. Und die entspannten Abende mit Freunden am Ufer des Hallwilersees. Aber auch die Plackerei im Konditionstraining. Bereits seit Mitte Oktober trainiert der Aargauer Skiakrobat Dimitri Isler (24) wieder auf Schnee. Erst auf dem Gletscher in Saas-Fee, und bald in Finnland.

Dimitri Isler.

Dimitri Isler.

Dabei spielte auch das Wetter mit. «Unglaublich! Ich konnte so viele Sprünge wie noch nie im Oktober machen! Ich bin sehr zufrieden», meldet Isler. Weil der Gletscher an exponierter Lage liegt, ist der Wind oft unberechenbar und der Schnee knapp.

Nicht so in diesem Jahr. «Ich freue mich, dass ich mich an die schwierigeren Sprünge heranwagen kann», sagt Isler. Seit seinem Sturz im Dezember 2015, bei dem er einen Bruches am Sprunggelenk des linken Fusses erlitten hat, trainiert er «weniger, dafür besser».

Der Skiakrobat Dimitri Isler aus Fahrwangen.

Der Skiakrobat Dimitri Isler aus Fahrwangen.

Bei der Einschätzung, wie viel Isler seinem Körper zumuten darf, hilft ein Physiotherapeut, der die Schweizer im Olympia-Winter begleitet. Möglich wurde dies dank einer Sammelaktion über die Crowdfunding-Plattform «I believe in you». Bereits nach wenigen Tagen war das Ziel von 8500 Franken erreicht.

Ohne Geldsorgen können sich die Schweizer Skiakrobaten auf ihr grosses Ziel konzentrieren: die Olympia-Qualifikation. Isler erfüllt die A-Limite, wenn er im Weltcup noch einmal in die Top 8 springt. Der erste Wettkampf findet im Dezember in Peking statt. Mit bestens vorbereiteten Schweizer Skiakrobaten.

45 Tonnen Material auf dem Weg nach Südkorea

Rund 160 Personen sind für die SRG in Pyeongchang vor Ort.

von Rainer Sommerhalder

Vier Container werden Ende November im Auftrag der SRG nach Südkorea verschifft. Darin befinden sich rund 45 Tonnen Material, welches sowohl SRF als auch die übrigen SRG-Sender während der Olympischen Winterspiele vor Ort benötigen.

Kameras, Mikrofone, Stative, Bildschirme, Kabel und vieles mehr für die Studios im House of Switzerland, für die verschiedenen Mixed Zones im Wettkampfgelände, für die Ausrüstung der Radiostudios oder die Schaltzentrale im internationalen Sendezentrum (IBC).

Sven Sarbach.

Sven Sarbach.

Für Sven Sarbach, den Leiter der Sport-Grossprojekte bei der SRG, sind diese Zahlen erfreulich. Denn noch in Sotschi vor vier Jahren waren es sieben Container und die SRG schickte 240 anstatt 160 Mitarbeiter an den Olympiaort.

Dank neuer Technologien bei der Signalübertragung kann bei der sogenannten «Remote Production» die Regie vom Reporterwagen im Wettkampfgelände ins Studio in der Schweiz verlegt werden, was Geld und Personal spart.

«Eine Delegation von 160 Personen mag noch immer gross erscheinen. Aber man darf nicht vergessen, dass wir vier Sprachregionen mit TV, Radio und Multimedia versorgen», sagt Sarbach.

Die ersten zehn Personen der SRG-Crew werden am 21. Januar in Südkorea erwartet. Sie nehmen das Material in Empfang und kümmern sich darum, dass die Ausrüstung am richtigen Einsatzort ankommt. Weitere zehn Personen folgen Ende Januar. Ihr Auftrag lautet: Aufbau der Infrastruktur. 

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