Tennis
Die Briten bitten die Sportler zur Kasse

Ärger um die Steuerpraxis: «Die Situation ist immer noch nicht ideal für uns, aber es ist besser als noch vor ein paar Jahren», sagt beispielsweise Rafael Nadal.

Ralf Sotscheck
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Auch Stan Wawrinka ist in Queen's von der Steuerregelung betroffen.

Auch Stan Wawrinka ist in Queen's von der Steuerregelung betroffen.

Keystone

Vier Jahre war er nicht im Londoner Queen’s Club gewesen, jetzt schied er bereits in der ersten Runde aus. Rafael Nadal unterlag Alex Dolgopolov aus der Ukraine, in der Tennis-Rangliste auf Platz 79, in drei Sätzen. Queen’s ist das traditionelle Aufwärmturnier für Wimbledon, das Ende des Monats beginnt. Dass Nadal überhaupt nach Queen’s zurückgekehrt war, lag an einer Lockerung der britischen Steuergesetze.

Früher mussten ausländische Sportler Steuern auf sämtliche Einnahmen zahlen – auch auf Werbeeinnahmen. Das hatte die britische Finanzbehörde durch einen Gerichtsprozess gegen André Agassi 2006 durchgesetzt. Schliesslich habe Agassi ja für die Produkte seines Sponsors in Grossbritannien geworben, argumentierte man. Seitdem wurden für das zwei Wochen dauernde Turnier in Wimbledon zwei Zweiundfünfzigstel, also 3,85 Prozent des Jahreseinkommens zugrunde gelegt.

Neue Regel im Jahr 2010

Im Zuge der Finanzkrise änderte man 2010 diese Regel. Fortan mussten Sportler, Musiker und Schauspieler sogar 50 Prozent Steuern zahlen, und zwar nicht mehr nur für den reinen Aufenthalt in Grossbritannien, sondern im Verhältnis zu der Gesamtzahl ihrer Wettkampftage im Jahr. Konnte zum Beispiel ein Wimbledon-Teilnehmer in dem Jahr nur zwei weitere Turniere von jeweils zwei Wochen spielen, weil er sich verletzt hatte, musste er ein Drittel seines Gesamteinkommens in Grossbritannien versteuern.

Das war nicht nur für Nadal ein Grund, dem Turnier in Queen’s fernzubleiben. Im ungünstigsten Fall hätten die Spieler nämlich sogar einen Verlust gemacht, wenn sie nach Abzug ihrer Ausgaben weniger Preisgeld eingestrichen hätten, als ihnen das britische Finanzamt von ihren Werbeeinnahmen abgenommen hätte.

Das Argument von Kritikern, dass schwerreiche Spitzensportler durchaus angemessene Steuern zahlen sollten, lässt Wimbledons Geschäftsführer Ian Ritchie nicht gelten. «Diese Leute kommen dann einfach nicht mehr, und die Öffentlichkeit verpasst die Gelegenheit, sie in Aktion zu erleben», sagte er. Darüber hinaus nehme man nur rund sieben Millionen in Steuern ein, während ausländische Investitionen in solche Turniere bei 100 Millionen liegen.

Sportler bleiben weg

Weil auch andere Sportler wie Usain Bolt Grossbritannien fernblieben, gab Tory-Schatzkanzler George Osborne vor drei Jahren ein wenig nach. Seitdem müssen ausländische Stars nur noch für die Tage Steuern zahlen, an denen sie spielen oder trainieren. «Die Situation ist immer noch nicht ideal für uns, aber es ist besser als noch vor ein paar Jahren», sagte Nadal. «Deshalb hatte ich seit einiger Zeit nicht mehr in Queen’s gespielt.» Es war diesmal nur ein kurzer Auftritt.

Stan Wawrinka, der als Nummer zwei gesetzt war, kam auch nicht viel weiter. Er durfte in Queen’s aber seine bunten Shorts tragen. In Wimbledon muss er ganz in Weiss antreten, da verstehen die Club-Bosse keinen Spass. Bei den Buchmachern liegt er auf dem fünften Platz hinter den grossen vier: Novak Djokovic, Roger Federer, Andy Murray und Nadal. Es ist Wawrinkas elfter Versuch, Wimbledon zu gewinnen. Sollte ihm das gelingen, wird er vermutlich keinen Gedanken an die Steuern verschwenden.