EM 2016
Die brisantesten Fragen an die Schweizer Nati

Am Samstag startet die Schweiz gegen Albanien in die EM 2016 – die «Nordwestschweiz» stellt jedem Spieler der voraussichtlichen Startformation und unserem hoffnungsvollsten Joker eine Frage.

Etienne Wuillemin
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12 Spieler, 12 Fragen, 12 Antworten – die Schweizer Nationalspieler trainieren in Montpellier. Wir haben ihnen vor der EM die brisantesten Fragen gestellt.

12 Spieler, 12 Fragen, 12 Antworten – die Schweizer Nationalspieler trainieren in Montpellier. Wir haben ihnen vor der EM die brisantesten Fragen gestellt.

Keystone
Mönchengladbach-Torwart Yann Sommer ist wegen seines Charismas bei den Medien eine beliebte Auskunftsperson.

Mönchengladbach-Torwart Yann Sommer ist wegen seines Charismas bei den Medien eine beliebte Auskunftsperson.

Keystone

Yann Sommer

Sie sind ein passionierter Hobby-Gitarrist. Welche Songs spielen Sie Ihren Teamkollegen am Abend im Trainingscamp vor?
«Ich habe die Gitarre nicht dabei. Sie fand keinen Platz mehr im Gepäck. Aber das macht nichts. Ich mag verschiedene Songs. In Mönchengladbach gibt es ein kleines Ritual: Jeder neu verpflichtete Spieler muss in der Garderobe einen Song vortragen. Ich habe damals «No Diggity» von Ed Sheeran gewählt, diese Melodie gefällt mir.»

Stephan Lichtsteiner schnürt die Schuhe für bevorstehende Aufgaben, bei welchen er als Captain eine Leaderposition wahrnimmt.

Stephan Lichtsteiner schnürt die Schuhe für bevorstehende Aufgaben, bei welchen er als Captain eine Leaderposition wahrnimmt.

Keystone

Stephan Lichtsteiner

Sollte sich die Schweiz gegenüber Europa mehr öffnen?
«Die Schweiz war immer ein offenes Land. Sie respektiert und integriert andere Kulturen – solange der Wille auch da ist, sich den Schweizer Gepflogenheiten anzupassen. Die Schweiz ist mit ihrem Weg bis anhin sehr gut gefahren. Wir sind ein intelligentes Land, wenn ich das so sagen darf. Die meisten Leute sind mehrsprachig, viele haben eine Top-Ausbildung, es gibt wenig Arbeitslose. Also gibt es für mich keinen Grund, etwas an diesem Weg zu ändern.»

Fabian Schär lernte bei Hoffenheim mit Niederlagen umzugehen und will seine dazu gewonnene Stärke an der EM unter Beweis stellen.

Fabian Schär lernte bei Hoffenheim mit Niederlagen umzugehen und will seine dazu gewonnene Stärke an der EM unter Beweis stellen.

Keystone

Fabian Schär

Haben Sie nach einer schwierigen Saison mit Hoffenheim genügend Selbstvertrauen für eine gute EM?
«Ja, das habe ich. Nicht zuletzt, weil ich viel gelernt habe im vergangenen Jahr. Es war teilweise turbulent und schwierig, auch weil ich das Gefühl von Niederlagen gar nicht richtig kannte aus meiner Zeit beim FC Basel. In der Bundesliga muss ich jede Woche über mich hinauswachsen, um bestehen zu können. Es hat mich weitergebracht. Und ich bin überzeugt davon, dies an der EM bestätigen zu können.»

Am 1. März 2006 gab Johan Djourou beim 3:1-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Schottland sein Nati-Debut. Bis heute ein denkwürdiger Moment für Djourou.

Am 1. März 2006 gab Johan Djourou beim 3:1-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Schottland sein Nati-Debut. Bis heute ein denkwürdiger Moment für Djourou.

Keystone

Johan Djourou

Sie sind seit zehn Jahren Nationalspieler. Welche Highlights bleiben von dieser Zeit?
«An erster Stelle mein Debüt. Wenn du als kleiner Bub den Traum hast, einmal Nationalspieler zu werden, und dieser dann in Erfüllung geht, ist dieses Gefühl grossartig. Das war Anfang März 2006, beim 3:1-Sieg in Schottland durfte ich 45 Minuten spielen. Kurz vor der WM kam dann das Testspiel gegen Italien, mein erstes Spiel über die gesamte Spieldauer. In diesen zehn Jahren gibt es eine weitere Konstante – den Gegner Frankreich an den grossen Turnieren. 2006 hätte ich kurz vor Schluss die Schweiz fast zum Sieg geköpft, leider war die Hand von Alex Frei im Weg. 2014 kam die bittere 2:5-Niederlage. Jetzt ist es Zeit für die Revanche.»

Ricardo Rodriguez im Testspiel gegen Moldawien, das mit 2:1 gewonnen wurde. Trotz einer schwierigen Saison zählt Rodriguez noch immer zu den talentiertesten Aussenverteidigern der Welt.

Ricardo Rodriguez im Testspiel gegen Moldawien, das mit 2:1 gewonnen wurde. Trotz einer schwierigen Saison zählt Rodriguez noch immer zu den talentiertesten Aussenverteidigern der Welt.

Keystone

Ricardo Rodriguez

An der WM 2014 antworteten Sie auf die Frage, welches Land der Welt die besten Aussenverteidiger hat, «die Schweiz». Wie lautet die Antwort heute?
«Ich finde nach wie vor, dass wir auf den Aussenbahnen sehr gut besetzt sind. Die Aussage von den besten der Welt stammt von 2014 und der WM, am Tag nach unserem Auftaktsieg gegen Ecuador. Ich war vielleicht noch etwas euphorisiert in diesem Interview. Es gab aber kaum Widerspruch oder hämische Kommentare. Das sagt doch einiges, oder?»

Granit Xhaka vor der schwierigen Aufgabe, an einem EM-Endrundenspiel gegen den eigenen Bruder antreten zu müssen.

Granit Xhaka vor der schwierigen Aufgabe, an einem EM-Endrundenspiel gegen den eigenen Bruder antreten zu müssen.

Keystone

Granit Xhaka

Wie speziell ist es, an der EM gegen den eigenen Bruder zu spielen?
«Gegeneinander zu spielen ist wohl das Letzte, was wir uns gewünscht haben, sowohl wir Brüder als auch unsere Eltern. Am besten wäre wohl, wir würden beide nach zwei Minuten die rote Karte erhalten. Spass beiseite: Wir haben uns damit abgefunden und werden beide professionell damit umgehen.»

Im Gespräch mit Nationalmannschaftstrainer Vladimir Petkovic: Valon Behramis Tattoos an den Armen sind sein Markenzeichen.

Im Gespräch mit Nationalmannschaftstrainer Vladimir Petkovic: Valon Behramis Tattoos an den Armen sind sein Markenzeichen.

Keystone

Valon Behrami

Haben Sie auch schon einmal gedacht: Mein Gott, hätte ich doch auf das eine oder andere Tattoo verzichtet?
«Das darf ich eigentlich gar nicht sagen (lacht). Ich sah vor einiger Zeit Fotos von früher, als ich noch nicht tätowiert war, da dachte ich: ‹Sieht ja eigentlich ganz gut aus›. Aber nur für zehn Minuten. Dann ist der Gedanke wieder verschwunden. Zum Glück. Ich bin ganz zufrieden mit meinem Erscheinungsbild. Einige Tattoos sind auch eine Erinnerung an die Geschichte meiner Familie. Wir kommen aus einem Land, wo Krieg herrschte. 42 000 Menschen sind gestorben, darunter Mitglieder meiner Familie. Andere meiner Familie nahestehende Menschen haben ihr Zuhause plötzlich verloren.»

Blerim Dzemaili

Wie häufig denken Sie noch an Ihren Kopfball an den Pfosten in der Nachspielzeit des WM-Achtelfinals gegen Argentinien?
«Die Szene geistert mir immer wieder durch den Kopf. Zum Glück nicht mehr so häufig wie in den Wochen nach der WM. Es ist schon so, eine einzige solche Szene kann deine ganze Karriere, und dein ganzes Leben verändern. Aber so ist der Ball eben an den Pfosten gegangen und alles gleich geblieben (lacht). Vielleicht gelingt es in Frankreich ja, die Szene ganz aus dem Kopf zu treiben, wenn ein solcher Ball dann reingeht.»

Kraftbündel Xherdan Shakiri im Testspiel gegen Moldawien.

Kraftbündel Xherdan Shakiri im Testspiel gegen Moldawien.

Keystone

Xherdan Shaqiri

Sie werden von zwei Fan-Lagern, von Schweizern und Albanern in Beschlag genommen. Mit welchen Reaktionen sind Sie konfrontiert vor dem Spiel am Samstag?
«Mit ziemlich verschiedenen. Es gibt in der Schweiz einige Albaner, die für die Schweiz sind. Aber natürlich auch viele, die für Albanien sind. Ich denke, das Stadion wird mehrheitlich schwarz-rot sein. Die Albaner haben sich erstmals für eine Endrunde qualifiziert, darum wird die Euphorie gross sein. Das ist völlig normal. Natürlich hoffe ich trotzdem, dass uns möglichst viele Schweizer unterstützen werden. Im Team ist die Stimmung vor dem Spiel sehr gut. Die Medien schreiben viel über dieses Duell der Blutsbrüder. Aber wir gehen damit relativ sehr cool um. Wir wollen unbedingt gewinnen und damit die Basis für ein gutes Turnier legen. Alles andere blenden wir aus.»

Im Testspiel gegen Belgien sah Seferovic wegen Schiedsrichterbeleidigung rot und hatte danach Glück, keine Spielsperren für die EM aufgebrummt zu bekommen.

Im Testspiel gegen Belgien sah Seferovic wegen Schiedsrichterbeleidigung rot und hatte danach Glück, keine Spielsperren für die EM aufgebrummt zu bekommen.

Keystone

Haris Seferovic

Was haben Sie gelernt aus der roten Karte im Testspiel gegen Belgien wegen Schiedsrichterbeleidigung?
«Es gibt nur eine Lehre: Das darf einfach nicht passieren. Und sich schon gar nicht wiederholen. Ich will auch gar nicht mehr erklären müssen, dass ich niemanden beleidigen wollte, sondern über mich selber fluchte.»

Mehmedi wendet zum Jubel ab: Gegen Moldawien bewahrte er die Schweiz mit seinem Siegtreffer vor einem Remis.

Mehmedi wendet zum Jubel ab: Gegen Moldawien bewahrte er die Schweiz mit seinem Siegtreffer vor einem Remis.

Keystone

Admir Mehmedi

Wie gut sind die Albaner wirklich?
«Sehr gut. Sie haben sich in einer schwierigen Gruppe qualifiziert, sie haben in Portugal gewonnen, sie haben Dänemark hinter sich gelassen – das sollten wir nicht vergessen. Auch wenn wir von der individuellen Klasse her Vorteile haben. Dazu kommt: Sie haben rein gar nichts zu verlieren. Alles, was sie an der EM erreichen, ist ein Dessert. Wir wissen, was wir zu tun haben. Gut spielen – und nicht reden. Jedes Nebengeräusch spielt ihnen in die Karten.»

Eine grosse Zukunft vor Augen? Breel Embolo wird den FC Basel im Sommer in noch unbekannte Richtung verlassen.

Eine grosse Zukunft vor Augen? Breel Embolo wird den FC Basel im Sommer in noch unbekannte Richtung verlassen.

Keystone

Breel Embolo

Wann realisierten Sie, dass eine Profi-Karriere im Fussball möglich wird?
«Als 12-Jähriger wechselte ich ein erstes Mal zum FC Basel. Damals hat es mir noch nicht so gut gefallen. Es war mir zu streng. Und ich vermisste meine Kollegen. Ich ging nach einem Training zu meiner Mutter und sagte: «Ich glaube, das ist nichts für mich.» Alles war von A bis Z geplant. Damit konnte ich irgendwie nicht so recht umgehen. Zwei Monate später überzeugte mich ein Freund, wieder mit dem Fussballspielen zu beginnen. Zuerst bei den Old Boys Basel. Da stimmte die Mischung zwischen Spass und Ernst wieder. In dieser Zeit lernte ich viel, was das Leben neben dem Platz betrifft. Sei es nur, pünktlich zu sein. Oder, was die Spiel-Vorbereitung im Kopf betrifft.»

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