Super League

Die Bilanz der Super-League-Saison: Helden, Versager und Abschleicher

Manuel Akanji bereicherte die Super League.

Manuel Akanji bereicherte die Super League.

«Die Nordwestschweiz» sagt, welche Köpfe die Super-League-Saison 16/17 bereichert haben − oder auch nicht.

Am Freitag geht die Super-League-Saison zu Ende. Eine Saison, die nie prickelnd war. Vor allem deshalb, weil das Titelrennen vollständig ausgeblieben ist und der FC Basel mit erdrückender Überlegenheit zum achten Mal in Folge Meister wurde.

Etwas spannender war immerhin der Abstiegskampf. Eine Weile lang schien es gar, als könnte es dazu kommen, dass die halbe Liga bis zum Ende um den Klassenerhalt zittern muss. Dann aber lief es auf das Duell Lausanne gegen Vaduz hinaus, und schliesslich war auch schon zwei Runden vor Saisonschluss klar, dass die Liechtensteiner in den sauren Apfel beissen müssen.

Wer indes nicht nur auf die Tabelle schaut und etwas tiefer gräbt, entdeckt viele spannende Geschichten und Anekdoten. Und Menschen, die sie geschrieben haben. Die Rede ist nicht von den grossen Storys und Namen wie des Meistertrainers Urs Fischer, des Torschützenkönigs Seydou Doumbia oder des Shootingstars Ezgjan Alioski. Die «Nordwestschweiz» hat nach Köpfen Ausschau gehalten, welche die Saison zwar mitgestaltet, aber nur manchmal für Schlagzeilen gesorgt haben. Und für jeden Klub einen Kopf gefunden.

Urs Siegenthaler: Young Boys

Urs Siegenthaler hat mit seinem Inteview viel Goodwill verspielt.

Urs Siegenthaler hat mit seinem Inteview viel Goodwill verspielt.

Urs Siegenthaler ist Basler. Und arbeitet bei YB. Braucht es viel Fantasie, um auf die Idee des «trojanischen Pferdes» zu kommen? Lassen wir es offen. Denn gutgläubige Menschen braucht die Welt! Vor allem dann, wenn sie wie die Rihs-Brüder ihr Geld gerne im Fussball verschwenden. Siegenthaler also erklärt die Entlassung von Fredy Bickel – mit der Basler Fankurve im Rücken. Sagt, warum YB nicht mal im Traum daran denken sollte, den FCB anzugreifen. Es ist der Höhepunkt eines beispiellosen Chaos. Wieder einmal ist die Saison vorzeitig verloren. Wieder einmal entstehen neue Träume. Wie heisst wohl der nächste Unruhestifter?

Paolo Tramezzani: FC Lugano

Zu Beginn kante kaum jemand Paolo Tramezzani.

Zu Beginn kante kaum jemand Paolo Tramezzani.

Selbst Experten wussten nicht so recht, was sie mit dem Namen Paolo Tramezzani anfangen sollten, als der FC Lugano im Winter den Italiener als neuen Trainer präsentierte. Doch der 46-Jährige, zuvor Assistenztrainer Albaniens, schaffte es im Nu, seinen Vorgänger Andrea Manzo vergessen zu machen. Obwohl dieser bei den Spielern beliebt gewesen war. Tramezzani überzeugt mit fachlichen und menschlichen Qualitäten. Nach einem 2:5 in Thun liess er aufhorchen, als er sein Team am anderen Morgen um sechs Uhr in eine Fabrik aufbot, um zu zeigen, was Arbeit ist. Ein Punkt am Freitag gegen Luzern reicht den Tessinern nun zum dritten Rang.

Moussa Konaté: FC Sion

Moussa Konaté war zu Beginn ein Highlight, mittlerweile eher weinger.

Moussa Konaté war zu Beginn ein Highlight, mittlerweile eher weinger.

Vor zwei Jahren hätte Moussa Konaté eine solche Chance mit verbundenen Augen verwertet. Wie kläglich er aber vor einer Woche im Cupfinal seine «100-Prozentige» vergab, passt bestens zu seinem Absturz. Im Spätsommer 2014 hatte ihn Präsident Christian Constantin im Privatjet aus Brüssel zur Vertragsunterzeichnung nach Sion geflogen. Konaté schlug ein und erzielte in der ersten Saison 16 Tore. Saint-Etienne bot 7 Millionen Franken. Constantin lehnte ab, er rechnete mit weit mehr als 10 Millionen. Doch Konaté wurde immer schlechter, und statt Toren produziert er nun vor allem Schwalben. Der Senegalese ist in der Liga zum Ärgernis geworden.

Marcel Kälin: FC Luzern

Marcel Kälin fuhr den Schneuwly-Brüdern den Lohn herunter.

Marcel Kälin fuhr den Schneuwly-Brüdern den Lohn herunter.

Im Herbst wurde Marcel Kälin zum CEO des FC Luzern ernannt. Nur Insider wussten, dass der 50-Jährige 1988 mit einem Sechsminuteneinsatz dazu beigetragen hatte, den Zentralschweizern den bisher einzigen Meistertitel zu bescheren. Nun aber, nach einem Zusatzstudium in Sportmanagement, kehrte er in den Spitzenfussball zurück. Mit dem Auftrag, das chronische Defizit des FCL auszumerzen. Von Kälin war nicht viel zu hören, bis er es wagte, mit dem neuen Sportchef Remo Meyer für eine Überraschung zu sorgen und den Schneuwly-Brüdern den Lohn herunterzufahren. Seither ist klar, wer die schlechte Rückrunde zu verantworten hat: Kälin

Dejan Sorgic: FC Thun

Thuns Dejan Sorgic schuf sich mit seinen drei Toren gegen Basel das Highlight der Rückrunde.

Thuns Dejan Sorgic schuf sich mit seinen drei Toren gegen Basel das Highlight der Rückrunde.

Es lässt sich nicht sagen, Dejan Sorgic sei in seiner Karriere vom Glück verfolgt worden. Seit er vor über zehn Jahren als 17-Jähriger in der Super League debütierte, war er mehr verletzt, als dass er auf dem Feld stand. Ja, als der Serbe zuletzt beim SC Kriens nur noch in der Promotion League spielte, schien es, er habe mit dem Profifussball abgeschlossen. Doch dann gelangen ihm in einem Testspiel gegen Monaco drei Tore, Thun klopfte an und das Blatt wendete sich zum Guten. Im Oktober schoss er im 20. Spiel sein erstes Tor, ehe er in der Rückrunde gross in Fahrt kam − 17 Partien, 11 Tore. Die Krönung: In Basel traf er dreimal.

Manuel Akanji: FC Basel

Manuel Akanji feierte ein gelungenes Comeback. Jetzt lockt das Nationalteam.

Manuel Akanji feierte ein gelungenes Comeback. Jetzt lockt das Nationalteam.

Als Kind verbringt Manuel Akanji fast jede Minute mit Ball am Fuss. Im grossen Garten steht ein kleines Tor – der Mittelpunkt von Akanjis Welt. Er kennt schon damals nur einen Wunsch: Profi-Fussballer. Als Akanji 19 ist und bei Winterthur spielt, wird der FCB auf ihn aufmerksam. Kurz darauf lädt Paulo Sousa die ganze Familie ein, um sie vom Verein zu überzeugen. Es gelingt. Doch bevor sich Akanji im Team festbeissen kann, bremst ihn ein Kreuzbandriss. Der Rückschlag ist indes schnell überwunden. In dieser Saison gelingt ihm ein bemerkenswertes Comeback. Spielend ergattert er sich den Stammplatz. Und nun lockt das Nationalteam.

Tranquillo Barnetta: FC St. Gallen

Tranquillo Barnettas Befreiung muss gelingen – momentan agiert er noch gehemmt.

Tranquillo Barnettas Befreiung muss gelingen – momentan agiert er noch gehemmt.

Endlich ist der Retter da! Aber irgendwie doch nicht so ganz. Tranquillo Barnetta hat zum FCSG zurückgefunden. So, wie er das immer versprochen hatte. Die Fans verehren ihn noch immer. Aber gibt es tatsächlich einen Barnetta-Effekt? Und hat er eine Euphorie ausgelöst? Eher nicht. Erst spielt Grün-Weiss etwas besser, dann folgt das nächste grosse Loch. Barnetta ist gehemmt unter Ex-Trainer Zinnbauer. Das taktische Korsett ist zu eng für den Kreativgeist. Doch nun sind Zinnbauer und Contini da. Bedeutet: Die Befreiung könnte gelingen. Oder eher: muss gelingen. Denn sonst nehmen Fragen und Unruhe in der Ostschweiz schnell wieder zu.

Kim Källström: GC

Kim Källström reiste plötzlich ab.

Kim Källström reiste plötzlich ab.

Ach Kim, wie sollen wir nur über Sie denken? Sie kamen 2015 zu GC, die Schweiz war begeistert. Sie lenkten das Hoppers-Spiel fast mit aufreizender Selbstverständlichkeit. Sie waren Vorzeigeprofi und Vaterfigur für die Talente des Vereins. GC erlebte wieder einmal einen kleinen Frühling. Aber nun, als die EM mit Schweden vorbei war, war es plötzlich auch vorbei mit Ihrer Motivation. Aus genial ist lustlos geworden. Und plötzlich waren Sie verschwunden. Zwei Tage vor dem Start der Rückrunde. Wir finden das nicht sehr anständig. Aber viel Glück bei Djurgarden Stockholm wünschen wir trotzdem. Denn eines war Ihr Spiel immer: faszinierend.

Fabio Celestini: FC-Lausanne-Sport

Zinédine Zidane sagte über Fabio Celestini (Bild): «Fabio vollbringt ein Wunder.»

Zinédine Zidane sagte über Fabio Celestini (Bild): «Fabio vollbringt ein Wunder.»

Die Würdigung kam von prominentester Stelle. Als Lausanne Mitte Oktober an zweiter Stelle stand, sagte Real-Madrid-Trainer Zinédine Zidane: «Fabio vollbringt ein Wunder.» Es war beeindruckend, was der Aufsteiger unter Celestini zeigte und wie offensiv er auftrumpfte. Dann aber, nach einem 0:1 in Thun, kam der Einbruch mit weiteren 13 Partien ohne Sieg. Vor allem auf der Pontaise lief nichts zusammen. Als Celestini stur blieb und den Gegnern weiter ins Messer lief, kamen Zweifel auf, ob er flexibel genug sei, Korrekturen anzubringen. Doch dann stellte der 41-Jährige das System um, schaffte den Ligaerhalt und wird nun von Saint-Etienne umworben.

Yones Felfel: FC Vaduz

Yones Felfel spielte nur 45 Minuten in dieser Saison.

Yones Felfel spielte nur 45 Minuten in dieser Saison.

45 Minuten in eineinhalb Saisons – das ist das Arbeitszeugnis von Yones Felfel, seit er im Februar 2016 vom FC Vestsjælland ins Fürstentum gekommen ist. Wo vom dänischen U20-Nationalspieler mit ägyptischen Wurzeln das eine oder andere Tor erwartet wurde. Durfte der Stürmer in der Rückrunde der vergangenen Saison nicht spielen, weil die Liechtensteiner das Ausländerkontingent ausgeschöpft hatten, so erging es ihm in der morgen zu Ende gehenden Spielzeit nicht besser. Wegen einer Hüftverletzung brachte es der 21-Jährige lediglich auf einen 45-Minuten-Einsatz gegen Lausanne. Ob er sich dennoch als Absteiger fühlt?

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