Paralympics

Die Behindertensportler lassen sich ihre Spiele nicht verbieten

Krieg droht zwischen Russland und der Ukraine. Dennoch starten die besten Behindertensportler am Freitag in Russland zu ihren Wettkämpfen, den Paralympics.

Die Behindertensportler lassen sich ihre Spiele nicht verbieten. Trotz drohender Eskalation im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beginnen am Freitag, knapp zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele, in Sotschi die Paralympics.

Da spielt es auch keine Rolle, dass Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Halbinsel Krim seine Truppen aufmarschieren lässt. Sotschi liegt nur rund 475 Kilometer südöstlich der Krisenregion.

Ungefähr 750 Sportler aus 45 Nationen werden 10 Tage lang, vom 7. bis 16. März um Medaillen in 5 Sportarten kämpfen: Ski alpin inklusive Para-Snowboarden, Ski Nordisch, Biathlon, Sledge-Eishockey und Rollstuhl-Curling.

Die Schweizer Delegation mit acht Skifahrern ist gestern in Sotschi eingetroffen. Drei Medaillen sind das Ziel. Schon 38 Delegationen sind inzwischen in Sotschi angekommen.

In Deutschland sind inzwischen Stimmen laut geworden, dass nicht nur Politiker die Spiele in Russland boykottieren sollen, sondern auch die Sportler selbst.

Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck hatte ebenso wie US-Präsident Barack Obama schon auf einen Besuch der Olympischen Spiele verzichtet.

Die Schweizer Bundesräte Ueli Maurer und Didier Burkhalter dagegen gaben Putin die Ehre, was SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr ebenso heftig kritisiert hatte, wie die geplante Reise von Bundesrat Alain Berset.

«Er hat vor, die Paralympics und die Schweizer Athleten zu besuchen»", sagt sein Sprecher Peter Lauener. Je nach Lage der Dinge, könne sich das allerdings ändern.

«Was aber den Ausschlag für eine Absage geben könnte, kann ich nicht sagen, das muss Herr Berset entscheiden», erklärte Lauener.

Andere Länder boykottieren die Spiele

Dass die Regierungen der USA und von Grossbritannien die Paralympics boykottierten sei für Berset aber kein Grund, sich anzuschliessen. «Wir entscheiden eigenständig», betonte Lauener.

Weil die britische Regierung keinen Minister schickt, verzichtet auch Prinz Edward, jüngster Sohn von Queen Elizabeth II. und Schirmherr der britischen paralympischen Vereinigung auf seinen Besuch. Deutschland sendet immerhin den parlamentarischen Staatssekretär Ole Schröder nach Sotschi.

Christof Baer, Missionschef der Schweizer Paralympics-Delegation, versteht Forderungen nach einem Boykott, erklärt aber gegenüber «blick.ch»: «Wir haben eine Verantwortung für Athleten, die sich vier Jahre lang vorbereitet haben.» Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er zu Hause bleibe.

Auch die elf Athleten des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) sind inzwischen nach Sotschi geflogen.

«Aktuell besteht für die Räume Moskau und Sotschi keine Gefahr», sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher vor der Abreise und appellierte an Putin, die Lage nicht eskalieren zu lassen: «Ein Militärschlag während der friedlichen Paralympics würde weltweit ernsthafte Reaktionen hervorrufen.»

Von einem Boykott wollte Beucher nicht sprechen. Sollte sich die Situation in den nächsten Tagen jedoch zuspitzen und zu gefährlich werden, behält sich der Politiker alle Reaktionen vor. «Sicherheit steht über allem», sagte Beucher, der in ständigem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesinnenministerium steht.

Für den Präsidenten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) bleibt die Politik aussen vor, er erwartet grossartige Winterspiele.

«Wir sind uns voll und ganz bewusst, was andernorts passiert und werden die globale Politik den Politikern überlassen», sagte Sir Philip Craven nach seiner Ankunft in Sotschi:

«Wir beobachten die Situation genau, und die Sicherheit und das Wohlbefinden der Athleten und Offiziellen geniessen unsere oberste Priorität.»

Der 63-jährige Brite freut sich: «Die letzten Vorbereitungen vor der Eröffnungsfeier am Freitag laufen, und wir sind zuversichtlich, grossartige Spiele hier in Sotschi zu erleben.»

Craven erwartet gar Wunderdinge von den Paralympics - ein Umdenken in Russland in Bezug auf den Umgang mit behinderten Menschen.

«Die Paralympics können Barrieren und Klischees beseitigen wie kein anderes Event und ich glaube, diese Spiele werden umgestalterisch für Russland sein», sagte der frühere Rollstuhl-Basketballer. (nch)

Das Schweizer Paralympics-Team:

Christophe Brodard (Arconciel)

Michael Brügger (Plasselb)

Robin Cuche (Saules)

Christoph Kunz (Reichenbach)

Maurizio Nicoli (Wetzikon)

Thomas Pfyl (Schwyz)

Joachim Röthlisberger (Unterseen)

Hugo Thomas (Lausanne).

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