Was wäre wohl, wenn die Spiele nicht in Pyeongchang, sondern in Pjöngjang, in der nordkoreanischen Hauptstadt ausgetragen worden wären?

Die Frage habe ich mir immer wieder gestellt, wenn ich Kims rote Propaganda-Brigade auf den Tribünen gesehen und gehört habe. Der nordkoreanische Machthaber hat die olympische Bühne schlau für seine Zwecke genutzt – oder, je nach Ansicht – missbraucht.

Ausgerechnet dieses Regime zelebriert einen olympischen Auftritt. Ein Regime, das, weil es keinerlei ideologische Ablenkung duldet, den Sport so sehr aus dem Alltag verbannt hat, dass die gewöhnlichen Menschen nicht einmal den Namen von Roger Federer kennen.

Die Vorstellung, wie es wäre, wenn ein ganzes Stadion, ein ganzer Hang beim Schneesport oder womöglich gar eine ganze Eröffnungsfeier von diesen roten, dressierten Paradiesvögeln dominiert würden, von diesem dressierten, martialischen Ballett, hat etwas Unheimliches, Faszinierendes.

Diese Auftritte prägen meine Erinnerungen an die Spiele in Südkorea mindestens so stark wie alle sportlichen Triumphe und Dramen. Sie sind nicht nur eine Mahnung, dass Politik und Sport untrennbar verbunden sind. Es sind beklemmende, melancholische Erinnerungen.

Ich habe kürzlich auch den Norden bereist und dort unter ganz anderen, tragischen Umständen so viel freundliche, herzliche Gastfreundschaft erlebt wie im Süden. Wie viel glücklicher könnte dieses geheimnisvolle Land sein, wie viel mehr noch könnte es leisten, wenn es vereint wäre?

Und wie sehr muss es die Koreanerinnen und Koreaner schmerzen, dass sie nicht einmal für diese Spiele zusammenkommen konnten? Was ist wohl in den Seelen und Herzen der Menschen des Südens beim Anblick dieser roten nordkoreanischen Propaganda-Armee vorgegangen?