Spitzensport-Förderung
Die Armee beschäftigt 18 Athletinnen und Athleten als Teilzeitprofis

Sechs olympische Goldmedaillen hat die Schweizer Armee seit 2010 eingeheimst. Sie ist damit die effektivste Sportförderin der Nation. Das Erfolgsmodell heisst «Zeitmilitär Spitzensportstellen».

Rainer Sommerhalder
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Armeechef André Blattmann (Mitte) und die vier Zeitmilitär (v.l.) Luca Aerni (Ski alpin), Patrizia Kummer (Snowboard), Jolanda Neff (Mountainbike) und Mario Gyr (Rudern) an der Podiumsdiskussion.

Armeechef André Blattmann (Mitte) und die vier Zeitmilitär (v.l.) Luca Aerni (Ski alpin), Patrizia Kummer (Snowboard), Jolanda Neff (Mountainbike) und Mario Gyr (Rudern) an der Podiumsdiskussion.

BASPO/KÄNZIG

18 Athletinnen und Athleten – je neun aus Sommer- und Wintersportarten – profitieren von einer Anstellung in der Armee. Als Gegenleistung für ihren Erfolg und einige Repräsentationspflichten erhalten sie zwischen 2500 und 3000 Franken Lohn, freie Kost und Logis in Magglingen sowie militärische Versicherungsleistungen.

Cologna und Schurter in Uniform

Langläufer Dario Cologna, Skicrosser Mike Schmid, Mountainbiker Nino Schurter oder Snowboarderin Patrizia Kummer hiessen die militärischen Erfolgsgaranten bei den letzten olympischen Rendezvous.

Mit den Ruderern Mario Gyr und Simon Schürch, der Mountainbikerin Jolanda Neff sowie den Fechtern Max Heinzer und Fabian Kauter drücken wir auch bei den kommenden Sommerspielen in Rio de Janeiro Schweizer Hoffnungsträgern im Tarnanzug die Daumen.
Die exklusiven Plätze als Zeitmilitär sind gerade in finanzschwachen Randsportarten ein grosser Renner. Für die letzte frei gewordene Stelle gab es 30 Bewerbungen. Dabei sind die Kriterien happig. Neben Potenzial für eine olympische Medaille müssen die Athletinnen – derzeit sind es immerhin 7 Frauen – und Athleten die Spitzensport-RS absolviert haben. Roger Federer zum Beispiel käme dafür nicht infrage. Er ist dienstuntauglich.

Alex Wilson in der RS für die Spitzensportler.

Alex Wilson in der RS für die Spitzensportler.

Zur Verfügung gestellt

Vom Kommunismus gelernt

Der Ruf nach «Staatssportlern» begleitet den Schweizer Sport schon seit Jahrzehnten. Waren es bis in die Achtzigerjahre vorwiegend die Athleten aus kommunistischen Nationen, welche als Staatsangestellte Erfolge im Serienfeuer-Modus feierten, so nahm die Diskussion vor gut 25 Jahren durch das Aufkommen von Ländern wie Deutschland (Behle, Mühlegg), Österreich (Stadlober, Hoffmann) oder Italien (De Zolt, Albarello) im nordischen Skisport an Intensität zu. Praktisch alle Erfolgsgaranten der Nachbarn waren im Grunde Militärsportler.
Wie immer in der Schweiz dauerte es etwas länger, bis auch hierzulande die politische Rückendeckung und die Strukturen für eine Einbindung des Spitzensports in die Armee erarbeitet waren. Sportler als Berufsmilitär gibt es erst seit sechs Jahren. Insgesamt leisteten Schweizer Athleten im letzten Jahr 20'300 Diensttage unter dem Befehl «Sicherstellen des sportlichen Erfolgs».

Im Gegensatz etwa zu Deutschland, wo die Armee derzeit 744 Leistungssportler unter Vertrag hat, zwar ein Klecks, «dafür von höchster Qualität», wie Oberst René Ahlmann, der Chef Spitzensport in der Armee, ausführt.

Sparwut soll Sport verschonen

Tatsächlich erhält das System von allen Beteiligten Bestnoten. Trotzdem muss man angesichts der derzeitigen Sparwut bei staatlichen Ausgaben befürchten, dass selbst eine eindrückliche Erfolgsbilanz kein Garant für eine sorgenfreie Zukunft ist. Geschweige denn für den von den Sportverbänden geforderten Ausbau.
Diese nahmen beim Besuch von Armeechef André Blattmann bei den Zeitmilitärs mit Wohlwollen zumindest das Versprechen zur Kenntnis, dass der Sport beim Sparauftrag, 400 Vollzeitstellen in der Armee abzubauen, vollumfänglich verschont bleiben soll. Offen bleibt nur die Frage, ob dies der zukünftige Armeechef und dessen Boss, Bundesrat Parmelin, auch so sehen?
Denn derzeit läuft hinter den Kulissen ein politischer Kampf, der für die internationale Konkurrenzfähigkeit des Schweizer Spitzensports matchentscheidend sein kann. Eine Studie hat vor wenigen Jahren eruiert, dass die Schweiz in jüngster Zeit an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat, weil vergleichbare Nationen wie Norwegen, Österreich oder Holland ihre staatliche Unterstützung teilweise kräftig ausgebaut haben.

Sind Sportler die besseren Bauern?

Deshalb fordert das Leistungssportkonzept eine schrittweise Erhöhung der jährlichen Staatsausgaben von derzeit 48 Millionen Franken auf 70 Millionen bis ins Jahr 2028. Gleichzeitig haben die Bundesämter den Sparauftrag erhalten, zehn Prozent ihrer Kosten zu senken. Mehr Geld sprach das Parlament jüngst einzig für die Bauern.

Verständlich, ist die Nervosität in den Schaltzentralen des Schweizer Sportes derzeit an allen Ecken und Enden spürbar. Da ist ein derart verlässlicher Partner wie die Armee ein gern gesehener Zaungast bei olympischen Höhenflügen.

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