Rudern

Die Ankündigung in die Tat umgesetzt

Olympiasieger: Lucas Tramèr, Mario Gyr, Simon Schürch und Simon Niepmann präsentieren ihre Goldmedaillen

Olympiasieger: Lucas Tramèr, Mario Gyr, Simon Schürch und Simon Niepmann präsentieren ihre Goldmedaillen

Der Schweizer Leichtgewichts-Vierer ist nach langem Anlauf am Ziel. Lucas Tramèr (26), Simon Schürch (25), Simon Niepmann (31) und Mario Gyr (31) rudern zu Gold.

So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie vergehn.
So ein Tag, auf den man sich so freute,
Und wer weiss, wann wir uns wiedersehn.

Der Text dieser Karnevalshymne passt, als sei er extra für den gestrigen Tag komponiert worden. Sonne, angenehme Temperaturen, ein kühler Wind streicht sanft über die Wasser der Lagune. Ein Panorama für eine Hochzeitsreise. Ein Tag, viel zu schön, um zu verlieren.
Die weltberühmte Christus-Statue oben auf dem Berg des Buckligen kehrt der wunderschönen Naturarena halb den Rücken zu.

Der Pessimist bangt, sie habe sich abgewandt von den «Gringos» aus der Schweiz und interessiere sich nicht für ihr olympisches Schicksal. Der Optimist geht davon aus, dass sie Unheil von unserer «Galeere des Ruhmes» abwenden wird.

Die olympischen Optimisten behalten recht. Lucas Tramèr (26), Simon Schürch (25), Simon Niepmann (31) und Mario Gyr (31) rudern zu Gold. Sie tun es im Stile einer unheimlichen, perfekt getunten Maschine. Eine geballte Ladung aus Dynamik, Präzision, Kraft, Wille und Technik. Anfänglich lagen die Dänen noch vorne. Es ist der verzweifelte Fluchtversuch der Chancenlosen.

Spätestens nach halber Distanz ist klar, dass unser famoses Quartett siegen wird. Mario Gyr wird hinterher sagen, es sei das härteste Rennen seines Lebens gewesen. Gold geplant, Gold gewollt, Gold geholt. So geradlinig, wahr und klar ist der Auftritt der vier Schweizer. Alles hat gepasst.

So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie vergehn.

Ein verhaltener Beginn des olympischen Abenteuers mit einem 3. Platz im Vorlauf. Dann eine Machtdemonstration mit Bestzeit im Halbfinal, und nun die unwiderstehliche Finalfahrt auf den höchsten Gipfel des olympischen Ruhmes.

Hier geht es tatsächlich um Ruhm. Und nicht um Geld. Dieses Boot ist eine Galeere des Ruhmes. Nicht die Aussicht auf Reichtum hat die vier beseelt. Es ist die pure Leidenschaft für den Sport.

Simon Schürch studiert Volkswirtschaft. Er kennt also die Farbe des Goldes und des Geldes und wird nach dem Rennen gefragt, ob er sagen könne, wie viel Geld dieses olympische Gold bringe. Die Frage überrascht ihn. Er schaut seine Medaille an, dann den Fragenden und sagt, Geld sei noch nie ein Thema gewesen. Er wisse nicht einmal, wie hoch die offizielle Prämie sei. «Es geht um die Emotionen, um das Erleben dieses Augenblickes.»

Alle vier konnten dank verschiedener Zuwendungen ihr Studium unterbrechen und sich wie Profis auf Rio vorbereiten. «Wir konnten gut leben», sagt Simon Schürch. Er scheint gar nicht daran gedacht zu haben, dass es mehr als nur zum Leben reichen könnte.

Nun ist die Zeit auf der Galeere des Ruhmes zu Ende gegangen. Die «Fab Four» werden am Tag nach der Schlussfeier heimfliegen und an die Uni zurückkehren. Lucas Tramèr studiert Medizin, Simon Schürch Volkswirtschaft, Simon Niepmann Sport und Mario Gyr Jura. Eine goldene Studentenverbindung.

Alle vier könnten vom Alter her 2020 in Tokio noch einmal antreten. Aber vielleicht haben wir gestern ihren letzten gemeinsamen Auftritt gesehen. Festlegen will sich keiner. Mario Gyr sagt es so: «Jetzt werden wir erst einmal feiern. Wir haben nicht über diesen Tag hinaus geplant.»

…und wer weiss, wann wir uns wiedersehn.

Der Schluss ist, als sei es ein Hollywood-Film. Die internationale Medienkonferenz wird in einem alten, ausgedienten Kinosaal neben dem Wettkampfgelände abgehalten. Die Chronistinnen und Chronisten sitzen in weich gepolsterten Kinosesseln. Vorne, dort wo die Leinwand war, sitzen die Helden des Tages. Sie haben eine Geschichte geschrieben, die besser ist als jeder Film.

Vor vier Jahren, nach der Enttäuschung von London («nur» Platz 5), hatten sich die vier jungen Männer vorübergehend getrennt. Vor zwei Jahren haben sie sich wiedergefunden. Mario Gyr sagt, Rudern sei wie das richtige Leben eine Fahrt auf der Achterbahn. «Mal bist du oben, mal unten. Wichtig ist, im richtigen Augenblick oben zu sein.» So wie gestern.

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