Die «alten »Schwinger halten weiter mit

Der 20-jährige Samuel Giger ist nicht nur der Sieger des Saisonhöhepunkts auf der Schwägalp, er war auch der Beste in der ganzen Schwingsaison 2018, knapp vor dem Sörenberger Joel Wicki (21). Noch halten einige ältere Athleten mit den Jungen mit.

Peter Lerch (SDA) und Claudio Zanini
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Die ausgeklügelte Punktewertung des Fachblatts "Schlussgang" ergibt ein ungeschminktes Spiegelbild der Leistungen der Schwinger an den Kranzfesten. Der Eidgenössische Schwingerverband ESV übernimmt die Wertung als seine offizielle Jahrespunkteliste. Die Bewertung berücksichtigt unter anderem, wie viele Anläufe respektive Festteilnahmen ein Schwinger benötigt, um Festsiege und weitere Spitzenklassierungen herauszuholen.

Der Jahresbeste 2018 bewegte sich am Maximum. Samuel Giger aus Ottoberg startete sechsmal und siegte sechsmal. Weitere geplante Teilnahmen verpasste er von Mitte Juni bis Ende Juli wegen einer Schnittverletzung am Daumen. Ob er auch in dieser Zeit gewonnen hätte, kann man nicht wissen. Man weiss aber, dass der 193 Zentimeter grosse Modellathlet fünf der sechs Siege souverän und aus eigener Kraft errang. Glück benötigte er nur bei seinem Sieg am Nordwestschweizer Teilverbandsfest am 5. August in Basel. Nach gestellten Gängen gegen Mike Müllestein und David Schmid siegte er nur, weil der Schlussgang zwischen Müllestein und Simon Anderegg unentschieden ausging. Er teilte den Festsieg schliesslich mit Müllestein und Schmid. Dennoch der Leistungsausweis beeindruckend. Man darf Giger als designierten Schwingerkönig bezeichnen.

Joel Wicki auf Platz 2, vor Routinier Stucki

In der Jahresrangliste belegen zwei weitere Youngsters die Plätze 2 und 4: der Entlebucher Joel Wicki mit vier Festsiegen als Zweiter, Armon Orlik mit drei Festsiegen als Vierter. Als Dritter mit drei Festsiegen konnte sich Unspunnen-Gewinner Christian Stucki als einziger Routinier unter die Youngsters mischen. Orlik und Stucki fielen ihrerseits längere Zeit wegen Verletzungen aus.

Samuel Giger, weisse Hose, gegen Joel Wicki, braune Hose, im ersten Gang des Schwaegalp Schwinget. (Bild: Maelanie Duchene/Keystone (Urnäsch, 19. August 2018)

Samuel Giger, weisse Hose, gegen Joel Wicki, braune Hose, im ersten Gang des Schwaegalp Schwinget. (Bild: Maelanie Duchene/Keystone (Urnäsch, 19. August 2018)

Am Bergkranzfest auf der Schwägalp, wo von den Bösesten nur Armon Orlik fehlte, hielt nebst Stucki auch Schwingerkönig Kilian Wenger mit den Youngsters mit. Wenger erlitt gegen den von ihm dominierten Marcel Mathis eine unglückliche, schier zufällige Niederlage und schwang im 5. Gang gegen Wicki dennoch um die Schlussgang-Teilnahme. Wicki und Wenger nahmen sich mit einem Remis gegenseitig aus dem Rennen. Stucki brachte ebenfalls im 5. Gang Giger dreimal ins arg ins Wanken, ehe er selbst auf dem Rücken landete. Am Ende der Saison 2018 muss man also festhalten, dass die Schwinger der jungen Generation dominieren, ohne jedoch die Alten bereits abgeschüttelt zu haben.

Schlagen die Jungen beim Eidgenössischen in Zug zu?

In einem Jahr, am Eidgenössischen Fest in Zug, werden Stucki und Wenger noch ein Jahr älter sein, die Jungen noch ein Jahr reifer und erfahrener. Dannzumal wird man abschliessend sagen können, ob der Generationenwechsel stattgefunden hat. Bis Orlik, Giger und Wicki zum grossen Schlag ausholen können, wird noch viel Wasser den Rhein, die Thur und die Waldemme hinunter fliessen. Erfahrungsgemäss hält jede Saison Überraschungen bereit. Im Schwingsport sind es je länger, je mehr auch böse Überraschungen wie Verletzungen, gegen die keiner gefeit ist.

Schuler ist der
zweitbeste Innerschweizer

Innerhalb des Innerschweizer Teilverbands war Joel Wicki die dominierende Figur. Nebst dem Entlebucher schaffte es nur ein Athlet aus der Region unter die ersten Zehn: Der Rothenthurmer Christian Schuler (30) belegt den siebenten Platz mit sechs Kranzgewinnen.
Der Attinghauser Andi Imhof klassiert sich als bester Urner auf dem 21. Platz. Der 33-Jährige gewann sechs Kränze und holte sich in diesem Jahr den Titel am Ob- und Nidwaldner Kantonalen.

Von den Zuger Schwingern schnitt Marcel Bieri (23) am besten ab. Der angehende Lehrer aus Edlibach schaffte es auf fünf Kränze und Rang 28 in der Rangliste. Bieri war am Bergfest auf dem Stoos nahe am Festsieg. Im Schlussgang musste er sich dem Freiburger Überraschungsmann Lario Kramer geschlagen geben.

Auf Rang 34 folgt mit Marcel Mathis der am besten klassierte Nidwaldner. Beim Landwirten aus Büren wechselten sich Hochs und Tiefs ab. Beim Schwyzer Kantonalen im Mai holte er den Sieg, nach dem Luzerner Kantonalen musste er eine verletzungsbedingte Pause einlegen – er kommt auf ein Total von zwei Kränzen. Mit vier Kränzen belegt Stefan Ettlin Platz 52, er ist der beste Obwaldner. Der 21-Jährige gehört zu den Entdeckungen dieser Saison.


Die Jahrespunkteliste des ESV

Hier finden sie die ausführliche Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes.


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