1 Wer sind die grössten Abstiegskandidaten?

Natürlich, wer auf die Tabelle schaut, kommt zum Schluss: Der Kronfavorit auf den Abstieg aus der Super League ist der FC Sion. Acht Runden vor Schluss liegen die Walliser trotz ihrem 2:0-Erfolg in Lausanne mit 28 Zählern drei Punkte hinter dem rettenden Ufer.

Doch weil die Entwicklung der Mannschaft positiv verläuft, seit Maurizio Jacobacci von Gabri das Traineramt übernommen hat, ist Sion nicht mehr der Hauptabstiegskandidat. Um diese wenig schmeichelhafte «Ehre» balgen sich mit 31 Punkten Lugano und Lausanne. Zwar liegt auch Thun auf der gleichen Höhe, aber die Berner Oberländer sind weit besser drauf als die Waadtländer und die Tessiner.
Letztere beweisen wieder einmal, wie unberechenbar Fussball ist. Nachdem sie mit vier Siegen ohne Gegentor in die Rückrunde gestartet waren und Trainer Pierluigi Tami für die Stabilisierung des Teams in den höchsten Tönen gelobt worden war, hat der Wind nun um 180 Grad gedreht.

Ja, nach schier unglaublichen sechs Niederlagen in Folge muss der Trainer jetzt sogar froh sein, am nächsten Samstag gegen Thun noch auf der Bank sitzen zu dürfen. Präsident Angelo Renzetti hat nicht den Ruf, ein geduldiger Zeitgenosse zu sein.

Janko keine Verstärkung

Obwohl Lugano gegen Basel ab der 23. Minute in Überzahl spielte, setzte es eine 0:1-Niederlage ab. «Wir hatten vier Stürmer auf dem Platz, aber immer hat etwas gefehlt, war die Flanke schlecht oder der Schuss zu schwach», sagte Tami. Der im Winter in Prag aus der Versenkung geholte Marc Janko erweist sich als Rohrkrepierer.

In ebenso schlechter Verfassung wie Lugano präsentiert sich Lausanne. Der äusserst glückhafte Sieg vor einer Woche gegen die Tessiner – der einzige in neun Spielen – hat dem Team von Fabio Celestini keinen Auftrieb verliehen.

Wie die Grasshoppers haben auch die Waadtländer im Winter ihr Kader aus unerfindlichen Gründen durcheinandergewirbelt und erhalten nun die Quittung für diesen Aktionismus. «Wir müssen das Spiel abhaken und nach vorne schauen», sagte Aufbauer Joël Geissmann nach der Niederlage gegen Sion. Die Ratlosigkeit stand ihm im Gesicht geschrieben.

2 Wer muss sonst noch zittern?

Mit GC (32 Punkte), Thun, Lausanne, Lugano (alle 31) und Sion (28) liegen fünf Mannschaften am Tabellenende eng beisammen. Erwischen kann es jede von ihnen. Doch die Substanz von GC und Sion sowie die Mentalität des FC Thun lassen diese drei Klubs weniger abstiegsgefährdet erscheinen.

Nach einer 2:7-Schlappe in Sion vor vier Wochen schien Thun fällig zu sein, am Ende den Schwarzen Peter zu ziehen. Aber Trainer Marc Schneider zog die Reissleine und verabschiedete sich vom «schönen» Fussball.

Überaus ehrlich zog er nach dem 1:0 gegen Luzern, dem ein 0:0 gegen Lausanne und ein 2:0 gegen GC vorausgegangen war, Zwischenbilanz: «Wir spielen jetzt zwar nicht den Fussball, den das Publikum und auch ich gerne sehen würden. Dafür holen wir dank einer stabileren Defensive die nötigen Punkte.»

3 1:1 im Derby – kommt GC damit zur Ruhe?

Nach einer hundsmiserablen Vorstellung in der ersten Halbzeit steigerten sich die Grasshoppers im 270. Derby gegen den FC Zürich nach der Pause zu einem 1:1, hatten dabei aber so viele Chancen, dass ein Unentschieden zu wenig war.

Trainer Murat Yakin hatte das Team während 45 Minuten auffallend passiv gecoacht, mit taktischen Korrekturen in der Pause aber auf einen guten Weg gebracht. Hätte Kodro nicht bloss eine seiner vielen Chancen genützt, wären jetzt zwei Punkte mehr auf dem Konto.

Doch dies hätte auch nicht dazu geführt, dass nun die grosse Ruhe einkehrt. Die Probleme in der Vereinsführung mit den unsäglichen Machtkämpfen sind damit nicht gelöst.
Beim FCZ stellt sich nach den beiden 1:1 in Sion und gegen GC die Frage: Hat er unter Uli Forte auch zweimal in Folge so schlecht gespielt?

4 Wird Suchy für den FCB zur Hypothek?

Nach der Gala vor einer Woche zwischen YB und Basel zeigte die Super League diesmal in St. Gallen ihr schönstes Gesicht. Im vollen Stadion lieferten sich der Dritte und Leader YB einen packenden Fight, in dem die Berner verdient 4:2 siegten und zum elften Mal in Serie ungeschlagen blieben.

Bemerkenswert: Guillaume Hoarau hat nun in acht Ligaeinsätzen in Folge ein Tor und YB zum achten Mal mindestens vier Tore erzielt. Weil auch Basel gewann, liegt YB weiter 16 Punkte voraus.

Der FCB ging in Lugano durch Elyounoussi in Führung (18.), verlor aber wenig später nach einer Notbremse Abwehrchef Marek Suchy durch Platzverweis. Es war in dieser Saison bereits das dritte Mal, dass der Tscheche den Platz frühzeitig verlassen musste. Wird der Captain für den FCB allmählich zur Hypothek ?

5 Alles paletti beim FC Mia san mia?

Auf den ersten Blick ja. Bereits nach 29 Runden hat sich der FC Bayern seinen 28. Titel in der Bundesliga gesichert, den sechsten in Folge. Zwanzig Punkte beträgt der Vorsprung auf «Verfolger» Schalke. Als Jupp Heynckes im Herbst das Team von Carlo Ancelotti übernahm, lag es noch zwei Zähler hinter Dortmund.

Gefeiert wurde in München aber nur dezent. Noch haben die Bayern in der Champions League und im Cup grosse Herausforderungen vor der Brust und Heynckes die Chance, sich mit dem zweiten Triple nach 2013 unsterblich zu machen.

Die Klubführung aber steht unter grossem Druck. Welcher Trainer soll in die riesigen Fussstapfen von Heynckes treten, und was passiert mit den verdienten Oldies Robben und Ribéry? Die Bayern stehen nicht nur sportlich vor grossen Aufgaben.