Wenn man Arnold Gjergjaj und Angelo Gallina beim Pratzentraining beobachtet, ist es schwierig zu beurteilen, wer von den beiden mehr leidet. «Nach solchen Einheiten bin ich jeweils nudelfertig», sagt Trainer Gallina. Immerhin verfügt die «Kobra» über eine Schlagkraft von 390 Kilogramm. Wladimir Klitschko brachte es in seinen Anfangszeiten auf etwa 400 Kilogramm. Und der Vergleich mit dem Schwergewichts-Weltmeister hält auch auf einer anderen Ebene stand: Gjergjaj misst 1,98 Meter und ist 109 Kilogramm schwer. «Das sind Klitschko-Masse», sagt Gallina.

Noch drei Wochen muss Gjergjaj in der härtesten Vorbereitungsphase leiden. «Es ist schon schwer, neben der Arbeit auf dem Bau noch so viel zu trainieren», sagt Gjergjaj. «Profi» ist im Boxen nicht immer gleichzusetzen mit genug Geld verdienen. Immerhin konnte der Heizungsmonteur sein Pensum auf 60 Prozent senken. Am 18. Dezember wird der Prattler im Rahmen des 18. «Boxeo» in der Kaserne Basel seinen achten Profikampf bestreiten und strebt dabei den achten Erfolg an. Der Gegner wird wohl aus Russland kommen, steht aber noch nicht fest.

Keine Gegner in der Schweiz

Eigentlich spielt der Name auch keine grosse Rolle, denn es soll ein weiterer Aufbaugegner für die «Kobra» werden. «In den nächsten zwei Jahren haben wir nur Aufbaugegner», sagt Gallina. Dennoch wird der letzte Kampf des Jahres ein besonderer für Gjergjaj: sein erster über acht statt der bisherigen sechs Runden. «Ich bin fit wie noch nie.

Das würde wohl sogar für zwölf Runden reichen», meint der 26-Jährige zuversichtlich lächelnd. Sein Trainer aber relativiert. «Es ist ein enormer Aufwand, bis man diese zwei Extrarunden wirklich auf Wettkampfniveau intus hat», sagt Gallina. Gjergjaj hat alles, was es braucht, um ein erfolgreicher Boxer zu werden.

Er bringe die Motivation und die Disziplin mit, die es brauche, um seriös zu arbeiten, meint Gallina. «Dazu ist er ein sympathischer Bursche», sagt der 42-jährige Trainer des Box-Clubs Basel. Das ist auch wichtig, denn die beiden sind oft unterwegs. Da die «Kobra» in der Schweiz keine Gegner mehr hat, werden Sparrings im Ausland durchgeführt.

«Mein Traum ist ein WM-Kampf. Und das schaffen wir auch.»

So stand Gjergjaj in Berlin mit Marco Huck im Ring und in Frankreich mit Greg Tony, der langjährigen Nummer eins in Frankreich. «Um das Niveau zu steigern, brauchen wir entsprechende Sparringpartner», sagt Gallina. Doch nicht nur die Sparringpartner sind rar gesät, auch Sponsoren dürften es mehr sein. «Arnold hätte dieses Jahr zehn bis zwölf Kämpfe bestreiten können», erzählt Gallina.

Der Kampf im Dezember wird der sechste sein. «Es kostet Geld, Kämpfe durchzuführen», so Gallina. Der Box-Coach investiert aber dennoch sehr viel Zeit in die Betreuung von Gjergjaj. Er glaubt an den Schwergewichtler.

Das nächste Ziel auf dem Weg zum Spitzenboxer ist, in die erste Serie zu kommen, was ab zehn Profisiegen der Fall ist. Dann erst kann Gjergjaj gegen Top-Leute boxen. Dann kann er auch anfangen, sich für Meisterschaftskämpfe zu empfehlen, was das Fernziel ist. «Mein Traum ist ein WM-Kampf», sagt Gjergjaj, «und das schaffen wir auch, wenn die Gesundheit stimmt.»

Gallina aber will den neben dem Ring so sanften Riesen behutsam Schritt für Schritt aufbauen. «Er muss wirklich bereit sein dafür, sonst wird er aufgefressen», sagt Gallina. Und eine Kobra beisst schliesslich lieber selbst zu