Die Arroganz der Mächtigen, der Gigantismus, die Korruption, das Doping – die fünf heiligen Ringe des Sports und deren Gralshüter des IOC stossen zunehmend auf Kritik und Ablehnung. Medien und Öffentlichkeit begleiten Olympische Spiele mit prägnant skeptischem Blick. Fernsehen und Zeitungen berichten heutzutage mit ebensolcher Passion über Missstände und Verfehlungen wie über die Erfolge der eigenen Athleten.

Es ist unbestritten, dass es diese kritische Begleitung der Allmächtigen im Sport braucht. Geld und Gier führen immer wieder zum Hochmut, sich über die Regeln von Ethik und Fairness zu stellen. Die unzähligen Eindrücke hier in Pyeongchang haben mir jedoch eines vor Augen geführt. Für die knapp 3000 Athletinnen und Athleten bleiben die Olympischen Spiele ungeachtet der Misstöne das wichtigste Ereignis in ihrer kurzen Sportlerkarriere.

Sie sind die Lebensader dieses Monuments und sie brennen dafür. Für einige zählt dabei nur der Sieg, viele träumen von einer Medaille, alle wollen am Tag X das Beste abrufen, was sie zu bieten haben. Und die überwältigende Mehrheit tut dies mit fairen Mitteln.

Die Sportlerinnen und Sportler haben es verdient, dass sie in diesen Tagen des Feuers gewürdigt werden und nicht ein erlauchter Kreis von alten Männern. Ich war hier an Dutzenden von Wettkämpfen und auch an einigen Veranstaltungen mit hochrangigen Funktionären. Ich traf auf zwei verschiedene Welten, auf Energie und Begeisterung sowie auf Eitelkeit und Selbstverliebtheit.

Man kann darüber streiten, ob es richtig ist, dass sich die allermeisten Athleten keinen Deut darum scheren, was die andere Welt im Sportuniversum so treibt. Vielleicht ist es ja gerade ehrlich, sich die Party des Lebens nicht vermiesen zu lassen. Schliesslich haben sie ihr halbes Leben dafür geopfert.