Ski nordisch
Deshalb sagte Simon Ammann Nein zu einem privaten Trainer

Die Schweizer Skispringer enttäuschen beim ersten Weltcup in Engelberg. Dem neuen Nationaltrainer Ronny Hornschuh gelang es in dieser Saison bisher nicht, sein Team auf die Erfolgsspur zu lotsen.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Teilen
Ronny Hornschuh bereitet seinen Athleten Gabriel Karlen aufs Springen vor.

Ronny Hornschuh bereitet seinen Athleten Gabriel Karlen aufs Springen vor.

Keystone

Wären wir im Fussball, Ronny Hornschuh müsste um seinen Job bangen. Der auf diese Saison hin zum Cheftrainer beförderte Thüringer hat mit seinem Team nicht gerade einen Lauf. Zum zweiten Mal in Serie qualifizierte sich kein Schweizer für den Finaldurchgang der besten 30. Und dies ausgerechnet beim Heim-Weltcup in Engelberg. Ronnys Truppe als Partykiller im Klosterdorf.

Ronny Hornschuh

Ronny Hornschuh

Keystone

Doch wir sind beim Skispringen. Da haben Trainer eine längere Haltbarkeit als im Fussball. Hier diskutiert man nach einem missglückten Sprung viel eher über die perfekte Mischung zwischen Energie und Kontrolle beim Absprung, über den schlecht angewinkelten linken Ski in der ersten Flugphase, über die fehlende Rückmeldung in der Luft oder über einen nicht gesetzten Telemark bei der Landung. Über hochkomplexe technische Details eben.

Nichts ausser der Rangliste zählt

So in Engelberg auch Hornschuh und sein Aushängeschild Simon Ammann. Über diesen sagte der 1975 in der DDR geborene, 76-fache Weltcupspringer bei seinem Amtsantritt: «Einen Sportler wie Simon Ammann trainieren zu können, ist eine Herausforderung, die kommt nicht oft.» Der 41-Jährige trat seinen Job mit der eigenen Erwartung an, regelmässig drei Athleten in den Final und «Simi» zurück an die Weltspitze zu bringen.

Aufwärmen vor dem Weltcupspringen in Engelberg.

Aufwärmen vor dem Weltcupspringen in Engelberg.

Keystone

Auch wenn alle Beteiligten solidarisch betonen, die Schweizer Skispringer seien näher an den Besten dran, als die nackten Resultate suggerieren. Am Ende des Tages zählt nichts anderes als die Rangliste. Und die spricht nicht für Ronny Hornschuh. Muss man also auch darüber diskutieren, ob er der richtige Trainer fürs Team ist?

Diese Debatte hat tatsächlich stattgefunden. Aber nicht am Samstag in Engelberg, sondern im Frühjahr in den Büroräumen von Swiss Ski. Nach dem Rücktritt von Pipo Schödler stellte sich am Ende der letzten Saison die Frage, ob dessen Co-Trainer Hornschuh als alleiniger Chef nachrücken solle.

«Wir haben verschiedene Varianten sehr intensiv und tiefgründig analysiert», verrät Disziplinenchef Berni Schödler. Dazu gehörte auch die Frage, ob man das Portemonnaie öffnen und einen Trainer mit Renommee verpflichten wolle. Namen wie jene des Österreichers Alexander Pointner oder des Finnen Mika Kojonkoski machten die Runde.

Ammann lobt seinen Coach

Es kam auch ein ganz revolutionärer Ansatz zur Sprache: Das Loslösen von Doppel-Doppelolympiasieger Simon Ammann aus dem Nationalkader und das Engagement eines Privattrainers für den Toggenburger. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Routinier Ammann hat ganz andere Bedürfnisse ans Training und das Feedback als seine zumeist jugendlichen Teamkollegen.

Simon Ammann lief es in Engelberg alles andere als nach Plan.

Simon Ammann lief es in Engelberg alles andere als nach Plan.

Keystone

Es war «Simi» selber, der mit seinem entschiedenen Nein einen Schlusspunkt hinter diese Idee setzte. Und letztlich waren es auch die Athleten, die sich geschlossen für Ronny Hornschuh aussprachen, obwohl dieser als Trainer auf Weltcupniveau noch keine Stricke zerrissen hat. «Die Gespräche mit ihm haben eine ausgezeichnete Qualität», lobt Ammann. Berni Schödler sagt, Hornschuhs Arbeit sei von sehr guter Qualität.

«Er bringt viel Verständnis für die Sache mit, hat einen guten Zugang zu den Athleten und er hat hervorragende Kenntnisse von der Materie Skispringen – und zwar punkto Material, Technik und Psyche.» Schödler glaubt auch nach den jüngsten Rückschlägen an «seinen Mann». Und Hornschuh selber? «Im Skispringen kann es sehr schnell gehen. Ich bin überzeugt, dass Simon wieder aufs Podest fliegt.»

Aktuelle Nachrichten