Eishockey
Der Zusammenprall zwischen Brunner und Bodenmann: Foul oder nicht Foul – Freispruch oder Sperre?

Im vierten Playoff-Finalspiel am Samstag stiessen Luganos Damien Brunner und Berns Simon Bodenmann grob zusammen. Im umstrittenen «Fall Bodenmann» gehen die Meinungen auseinander.

Klaus Zaugg
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Damien Brunner (links) verlässt nach dem Zusammenstoss benommen das Eis.

Damien Brunner (links) verlässt nach dem Zusammenstoss benommen das Eis.

Keystone

Der dramatische Final im Spiel 4 mündet in der Schlussphase auch in das Duell der beiden Coaches. Luganos Doug Shedden (54) und Berns Lars Leuenberger (41). Hier ein sachlicher Langeweiler, der keinen Stoff für eine Polemik hergibt. Dort ein kräftig austeilender verbaler Feuerkopf.

Lars Leuenberger ist kaum anzumerken, ob seine Mannschaft gewonnen oder verloren hat. Kein anderer Coach der Liga argumentiert nach einem Spiel so sachlich. Auf die Frage nach dem 2:1 nach Verlängerung am Samstag, wie es sein könne, dass der SCB in den Playoffs alle Verlängerungen und Penaltyschiessen (total fünf) gewonnen habe, sagt er: «Wir haben das erste Playoffspiel in Zürich nach Penaltyschiessen gewonnen. Da hat es «klick» gemacht. Manchmal genügt so ein Erfolgserlebnis.»

Warten auf Shedden lohnt sich

Da ist der Chronist schon froh um den Unterhaltungswert, den Doug Shedden nach einem Spiel bietet. Luganos Kommunikationsdirektor Luca Righetti lässt am Samstag allerdings ausrichten, der Chef habe nichts zu sagen. Das ist absolut ungewöhnlich und seit der Ankunft des Kanadiers in der Schweiz, in sechs Jahren Zug und in dieser Saison in Lugano noch nie vorgekommen. Leise Enttäuschung macht sich breit. Also harren ein paar Chronisten aus. Das Warten lohnt sich. Nach einer guten halben Stunde taucht Doug Shedden lange nach seinen Jungs aus dem Kabinengang auf. Äusserlich ruhig, fast gefährlich ruhig. Aber im Inneren ein brodelnder und zischender Dampfkochtopf.

Erst geht es um eine sachliche Analyse mit einer Kernaussage: «Wir können nicht gewinnen, wenn unsere besten sechs Stürmer keine Tore erzielen.»

Lugano und die Verschwörungstheorien

Er hat noch nicht getobt und ist politisch korrekt geblieben. Ist das schon alles? Hat sich das Warten doch nicht gelohnt? Und dann bricht der Vulkan doch noch aus. «Wenn ich sehe, was da alles passiert ist, dann muss ich sagen: die Liga soll doch den Pokal gleich Bern übergeben. Wozu die restlichen Partien noch spielen?» Die Aussage verrät, dass in Lugano das gesunde Selbstvertrauen geht und die Verzweiflung kommt. Das alte Muster mit den Verschwörungstheorien: wir armen Tessiner alleine gegen die vom SCB dirigierte Deutschschweizer-Mafia.

Besonders der Zusammenstoss von Damien Brunner und Simon Bodenmann in der 63. Minute erregt seinen Unmut. Damien Brunner fährt buchstäblich in den Ellenbogen des SCB-Stürmers, stürzt, rutscht meterweit übers Eis und bleibt an der Bande hinter dem Tor liegen. Für den Rest der Partie verkriecht er sich auf die hinterste Ecke der Spielerbank und kommt nicht mehr zum Einsatz. Er hat wohl eine Gehirnerschütterung erlitten. Ob er am Dienstag spielen kann, ist offen. Heute Montag erfolgen weitere Untersuchungen.

Verband leitet Untersuchung ein

Foul oder nicht Foul? Die Schiedsrichter haben keine Strafe ausgesprochen. Simon Bodenmann sagt: «Ich habe ihn gar nicht kommen sehen und ihn mit der Hand getroffen. Da ist gar keine Absicht dahinter und die Schiedsrichter haben richtig entschieden.» Das sieht Doug Shedden ein bisschen anders. «In der NHL wäre Bodenmann für dieses Foul für zwanzig Spiele gesperrt worden. 20 Spiele! Ganz klar!» Die Liga hat nun ein Verfahren eröffnet, um den Fall zu überprüfen. SCB-Sportchef Alex Chatelain fordert einen Freispruch. Ein Urteil ist am Montagnachmittag zu erwarten.

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