Eishockey

Der Zorn trifft die Falschen

Fehlentscheid: Luganos Fredrik Pettersson verwandelt den Penalty gegen Zugs Torhüter Tobias Stephan, doch der Treffer war regelwidrig.

Fehlentscheid: Luganos Fredrik Pettersson verwandelt den Penalty gegen Zugs Torhüter Tobias Stephan, doch der Treffer war regelwidrig.

Die Schiedsrichter stehen oftmals unfreiwillig im Mittelpunkt. Falsche Entscheidungen manövrieren sie zum Feindbild der Trainer, Spieler und Fans. Ist das gerechtfertigt? Eine Analyse zur Kritik an den Schiedsrichtern in den Eishockey-Playoffs.

Der Zorn des Trainers richtet sich gegen die Schiedsrichter. Marc Crawford sagt in die laufende TV-Kamera, in jeder anderen Liga der Welt wäre der Treffer zum 2:2 gegeben worden. Nur hier nicht. Andreas Fischer hatte den Ausgleich der ZSC Lions zum 2:2 in Bern annulliert. Die Zürcher verlieren 1:2 und liegen nun im Viertelfinal 0:2 zurück.

In Zug verhält sich Luganos Frederik Pettersson beim entscheidenden Penalty nicht regelkonform, Zug verliert das erste Spiel und liegt inzwischen ebenfalls mit 0:2 hinten. Die Annullierung des ZSC-Treffers in Bern steht im Einklang mit dem Regelbuch und ist daher kein Fehlentscheid. In Zug war es hingegen ein Fehlentscheid.

In jeder Liga richtet sich der Zorn gegen die Refs

In jeder Liga der Welt richtet sich der Zorn des Publikums gegen die Refs. Und geschickt lenken Trainer, Spieler, Sportchefs und oft genug auch Chronisten diesen Zorn in diese Richtung. Was der harte Frankenkurs dem Manager, das sind die Unparteiischen den Trainern, Spielern und Sportchefs.

Der Penalty von Pettersson

Schweizer Schiedsrichter gehören zu den Besten der Welt. Das wird jedem klar, der sich die Mühe nimmt, hin und wieder im Ausland Spiele vor Ort zu sehen. Aber sie machen Fehler. Manchmal führen diese Fehler sogar dazu, dass eine Mannschaft verliert – wie in Zug. Es gehört indes zu den Ungerechtigkeiten des Eishockeys, dass Sportchefs, Trainern und Spielern Fehler verziehen werden. Aber nicht den Schiedsrichtern. Wenn die Sportchefs ihre eigenen Spieler so kritisch beurteilen würden wie die Schiedsrichter, dann hätten sie stets genug Argumente, um das Salär zu drücken.

Es wäre kein Problem, die aktuellen Löhne zu halbieren. Der Zorn von ZSC-Sportchef Edgar Salis hätte sich in Bern auch gegen die Fehlschüsse seiner Stars statt gegen die Schiris wenden können. Aber bei Vertragsverhandlungen mit den Spielern sind nur die Qualitäten und nie die Schwächen ein Thema. Bei der Beurteilung der Schiedsrichter werden hingegen die Qualitäten ausgeblendet. Dann sind nur die Fehler und nie die Stärken ein Thema. Und Ausreden, warum es nicht so gelaufen ist wie erwartet, gibt es keine. Weil die Schiedsrichter im grossen Hockeytheater keine Stimme haben.

Auch dieser Fan ist nicht ganz zufrieden mit der Entscheidung des Schiedsrichters.

Die Vorwürfe sind in allen Ligen der Welt die gleichen: zu wenig Konstanz, kein Fingerspitzengefühl. Diese Kritik ist durchaus berechtigt: Jedes Spiel ist anders, erfährt eine eigene Dynamik. Es wird zwar immer nach dem gleichen Regelbuch gepfiffen, aber die Regeln erlauben einen grossen Ermessensspielraum – wie soeben beim annullierten 2:2 der ZSC Lions in Bern.

Fehlender Respekt vor dem Schweizer Eishockey

Gute Schiedsrichter sind im Interesse des «Produkts Eishockey». Das haben die Nordamerikaner sehr gut verstanden. Wer öffentlich über die «Zebras» herzieht, schadet seinem eigenen Produkt. Deshalb wird Schiedsrichterkritik von Offiziellen (Spieler, Trainer, Manager, Teambesitzer) in der NHL konsequent hart bestraft. Das weiss auch Marc Crawford. Er hätte es in der NHL nie gewagt, die Schiris so vor laufender TV-Kamera zu kritisieren wie am Samstag in Bern. Es fehlt ihm der Respekt vor dem Schweizer Eishockey. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum er jetzt mit seinen ZSC Lions 0:2 zurückliegt.

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