Der Start in die Weltmeisterschaft 2019 ist der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft perfekt geglückt. Am Tag nach dem klaren 9:0-Sieg gegen den hoffnungslos überforderten Aufsteiger Italien holte sich die Mannschaft von Nationaltrainer Patrick Fischer nach einem Abnützungskampf gegen Lettland mit einem 3:1 drei weitere, ganz wichtige Punkte im Hinblick auf das Erreichen des Primärziels, die Viertelfinals.

Dass der Kantersieg gegen die Italiener wohl gut fürs Selbstvertrauen, aber letztlich hinsichtlich des weiteren Turnierverlaufs eher ein Muster ohne grossen Wert sein würde, dessen war man sich im Lager der Schweizer durchaus bewusst. Ebenso, dass der zweite Turniergegner aus Lettland eine ungleich schwierigere Prüfung darstellen würde. Und so kam es auch:

Die Eisgenossen trafen in der stimmungsvollen Arena von Bratislava auf einen Kontrahenten, der vor allem eines im Sinn hatte: Das Spiel der schnellen und talentierteren Schweizer möglichst wirkungsvoll zu stören. Die Letten machten die Räume eng, klebten wie Kletten an ihren Gegenspielern. Und sie hatten mit Elvis Merzlikins, der erst Ende der letzten Woche aus Nordamerika zur Auswahl von Ex-ZSC-Lions-Meistercoach Bob Hartley gestossen war, einen Mann zwischen den Pfosten, der gegen die Schweiz traditionell gut spielt.

Immer wieder Merzlikins

Und das tat er auch diesmal. Die Schweizer führten in diesem Spiel die feinere Klinge und schufen sich damit ein Chancenplus. Es gelang ihnen aber lange Zeit nur selten, in wirklich gefährliche Abschlusspositionen zu kommen. Und wenn es dann mal wirklich brenzlig wurde vor dem lettischen Tor, dann war Merzlikins, der seinen letzten Ernstkampf mit Lugano vor knapp zwei Monaten bestritten hatte, auf dem Posten.

Das war besonders in der Phase nötig, als die Schweizer während zweier Minuten in doppelter Überzahl agieren konnten. Dass die Letten diese äusserst heikle Situation am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Drittels überstanden, hatten sie einerseits ihrem Goalie zu verdanken, andererseits aber auch der Fischer-Equipe, die sich mit zwei Mann mehr auf dem Eis reichlich kompliziert und wenig entschlossen präsentierte.

Exzellentes Unterzahlspiel

Wie man ein Powerplay erfolgreich abschliesst, hatten die Letten kurz vorher eindrucksvoll bewiesen. Indrasis traf nach lediglich 13 Sekunden in numerischer Überlegenheit zum 1:1. Er beraubte den Schweizern damit des Momentums, welches sie sich mit dem Führungstreffer durch Grégory Hofmann 31 Sekunden zuvor hart erkämpft hatten.

Aber es ist eine Qualität der Schweizer Auswahl, dass sie sich auch dann nicht aus dem Konzept bringen lässt, wenn es nicht so läuft, wie gewünscht. Die Letten hatten im letzten Drittel dreimal die Gelegenheit, in Überzahl den Führungstreffer zu erzielen. Doch das Unterzahlspiel der Schweiz war in diesem wichtigen Zeitpunkt exzellent. Schliesslich kam der Faktor zum Tragen, der die rotweisse Auswahl mittlerweile von ihren direkten Konkurrenten abhebt.

Sie verfügt mit Nico Hischier und Roman Josi über zwei NHL-Stars. Es erstaunt nicht, dass es genau diese beiden Spieler waren, die letztlich für die Entscheidung sorgten. Hischier gewann das Bully, Josi passte vors Tor, Vincent Praplan sorgte vor Merzlikins für Unruhe, ehe Hischier am richtigen Ort stand und den Abpraller zum 2:1 versorgte. Die besten Spieler waren genau dann die besten Spieler, als das Spiel auf des Messers Schneide stand.

Wer muss auf die Tribüne?

Bleiben noch personelle Fragen, die zu beantworten sind. NHL-Stürmer Sven Andrighetto von den Colorado Avalanche traf am Sonntag in Bratislava ein. Fest steht, dass sich deshalb heute Montag Biel-Stürmer Damien Riat in Richtung Schweiz verabschieden muss. Viel wichtiger ist aber: Welcher der Spieler, die in den ersten beiden WM-Partien zum Einsatz gekommen sind, muss für Andrighetto auf die Tribüne weichen. Nach diesem optimalen Auftakt keine leichter Entscheid für den Schweizer Nationalcoach.

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