Wenn es denn stimmt, dass die Torhüter mindestens 50 Prozent eines Teams ausmachen, dann ist die Statistik vor dem Meisterschaftsschlussspurt aufschlussreich – und für Ambri hoffnungsvoll. Ambri hat von den vier Teams, die unter sich die zwei letzten Playoffplätze ausmachen, den jüngsten und statistisch, nach Fangquote, besten Goalie.

Der 25-jährige Zurkirchen ist der einzige Held der beiden Länderspiele in der Slowakei: 1:3 Weissrussland, 0:4 Slowakei. Er kam in der zweiten Partie gegen die Slowaken zum Einsatz, wehrte mehr als 90 Prozent der Schüsse ab und zeigte eine der besten Partien seiner Karriere. Seine beste Leistung auf internationalem Niveau wird sein Selbstvertrauen weiter stärken. So gesehen ist er wohl der Einzige, für den Zilina wirklich eine Reise wert war.

Er konnte in der Mittelslowakei den «Strichkampf-Stress» simulieren. Die Schweizer waren gegen die Slowaken, die neun Spieler aus dem letzten WM-Kader einsetzten - bei der Schweiz waren es drei - ähnlich unterlegen wie Ambri gegen die Titanen der Schweizer Liga. Mit einem Unterschied: In Zilina waren die Schweizer taktisch ein wilder Haufen. Ambri hingegen ist taktisch eines der besten Teams der Liga.

Kein Mann der Polemik

Zurkirchen ist kein Mann der Polemik. Er wurde in der Slowakei von einem Chronisten gefragt, wo denn mehr Ordnung in der eigenen Zone sei. Bei der «Nati» oder bei Ambri. Er ging auf diese Provokation nicht ein: «Diese Frage kann ich nicht beantworten.» Aber er weiss sehr wohl um die Wichtigkeit der Ordnung im Spiel. «Wir sind unter Hans Kossmann taktisch immer besser geworden, und deshalb ist es uns gelungen, den Anschluss an die Playoffplätze zu finden.»

Mit den Leistungen in dieser Saison, die er nun auch international bestätigte, hat sich der ehemalige Zuger Elite-Junior in der helvetischen Goalie-Hierarchie weit oben eingereiht. Er dürfte nach der «Ersten Klasse» mit Jonas Hiller (Calgary) und Reto Berra (Colorado), Tobias Stephan (Zug) und Leonardo Genoni (Davos) der Beste der «Business-Klasse» sein, zu der auch Robert Mayer (Servette), Daniel Manzato (Lugano), Lukas Flüeler (ZSC) und Benjamin Conz (Gottéron) gehören. Kein charismatischer Stilist zwar. Aber ein ruhiger, mental robuster «Blocker» und mit exzellenten Reflexen, wenig Abprallern und hoher Spielintelligenz.

Wer kontrafaktische Geschichtsschreibung mag («was wäre gewesen, wenn...») findet die Frage reizvoll: Was wäre aus Ambri geworden, wenn Zug 2013 auf Zurkirchen gesetzt hätte? Der «verlorene Sohn» der Zuger Hockeykultur ist im Schlussspurt um die letzten zwei Playoff-Plätze Ambris wichtigster Einzelspieler – und ein Glücksfall.