Eigentlich hätte ich Meteorologe, also Wetterfrosch, werden sollen. Ich habe im Lauf der letzten 20 Jahre im Mai die langfristige Wetterentwicklung für den Sommer präziser vorausgesagt als die Muotathaler Wetterschmöcker. So akkurat, dass ich inzwischen in meinem engeren Bekanntenkreis auch die Ehrenbezeichnung «Wetterwolf» geniesse.

Was wohl mit einem wegen der Alltagssorgen des Lohnschreibens ergrauten Haupthaar in Zusammenhang steht. Meine traditionelle Sommer- Wetterprognose war jedenfalls im Quadrat verlässlicher als meine herbstlichen Einschätzungen der anstehenden Hockey-Saison.

Doch in welchem Zusammenhang stehen nun meine Kenntnisse über Blitz, Donner, Hagel, Sonne und Regen mit einer WM? In einem direkten. Meine meteorologischen Weisheiten beziehe ich nämlich nicht aus Beobachtungen der Natur – wie der Höhe der Ameisenhaufen, dem Haarkleid der Hauskatze oder der Flugbahn der Raubvögel.

Auch nicht aus dem Studium von Wetterkarten. Sondern ganz einfach aus der Eishockey-WM. Die beginnt ja seit Menschengedenken zur gleichen Zeit. Früher Ende April, jetzt Anfang Mai. Ich weiss nicht, ob es eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt. Aber es ist, wie es ist: Das Wetter während einer Eishockey-WM steht in einem direkten Zusammenhang mit den klimatischen Verhältnissen des anschliessenden Sommers.

Ist das Wetter während einer WM meistens kühl, nass, windig und garstig, dann gibt es einen freundlichen Sommer mit einer ausgedehnten Schönwetterperiode ab Ende Juni. Ist es hingegen während einer WM so warm und freundlich, dass ich die meiste Zeit in den Gartenbeizen essen kann, dann kommt im Sommer der Monsun und das Wetter klart erst ab August auf.

Wie wird also der Sommer 2017? Ich weiss es nicht. Paris hat mir einen dicken Strich durch die meteorologische Rechnung gemacht. Zum ersten Mal seit Menschengedenken haben wir während der WM einen extremen Wetterumschwung erlebt. In der ersten Woche war es windig, garstig und meistens nass. Ich musste mir sogar einen Schirm ausleihen.

Und nun ist es freundlich, ja sommerlich warm und ich frühstücke im Strassencafé. Fast so, als habe sich das Wetter den Leistungen der Schweizer angepasst. Was nun? Ein schöner oder ein nasser Sommer? Mir bleibt für 2017 nur eine Sommer-Prognose nach einer alten Bauernregel: Kräht der Hahn auf dem Mist, dann ändert das Wetter oder es bleibt, wie es ist.