Schweizer Nationalmannschaft

Der Weg von Nati-Trainer Vladimir Petkovic geht weiter

Vladimir Petkovic wird mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung belohnt.Keystone

Vladimir Petkovic wird mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung belohnt.Keystone

Vladimir Petkovic bleibt bis Ende 2019 Nationaltrainer – weil auch er sich entwickelte

Der Chef sitzt ganz entspannt und mit zufriedenem Lächeln auf seinem Stuhl. Dann sagt er: «Es ist wie in einer guten Beziehung. Wenn man davon überzeugt ist, sollte man doch lieber früher als später heiraten.» Der Chef, das ist diesmal nicht Vladimir Petkovic selbst, sondern Claudio Sulser. Er ist als Delegierter des Nationalteams so etwas wie der Oberaufseher von Petkovic.

Es ist eine etwas überraschende Kunde, die Sulser und SFV-Präsident Peter Gilliéron überbringen. Und doch erstaunt sie nicht gänzlich. Denn indem der Schweizer Fussballverband seinen Trainer vorzeitig bindet, ergibt sich gar nicht erst die Gelegenheit, dass die Frage «Vertrag des Nationaltrainers – wie weiter?» zum Thema wird, das vom Wesentlichen ablenkt. Was die Folgen davon sein können, haben Verband und Petkovic Anfang 2016 erlebt, als sich nach der EM-Qualifikation die Vertragsverlängerung unnötig lang hinzog. Und beide Parteien am Ende irgendwie versuchen mussten, das Gesicht zu wahren.

Petkovic ist zufrieden

Das ist diesmal völlig anders. Und darum können sich Petkovic und das Nationalteam nun ganz auf die restlichen Partien in der WM-Qualifikation konzentrieren, wohl bald auf den Showdown gegen Portugal am 10. Oktober in Lissabon.

Vladimir Petkovic ist ein zufriedener Mann an diesem Montagnachmittag in Feusisberg. Am liebsten würde er gar nicht erst über seine Vertragsverlängerung sprechen – sondern nur über die kommenden Aufgaben, die Spiele gegen Andorra und Lettland. Aber auch er weiss, dass sein verlängerter Arbeitsschein diese Partien in den Schatten stellt. Also sagt er: «Alles, was wir gemacht haben in letzter Zeit, war positiv. Unsere Entwicklung ist ziemlich gut. Und ich merke: Es ist das Potenzial da, uns weiter zu verbessern. Darum habe ich für zwei weitere Jahre zugesagt.»

Es war der Verband, der die vorzeitige Vertragsverlängerung angestossen hat. Petkovic war nicht ganz überrascht davon. Indirekt gibt er gar zu, etwas erleichtert zu sein. Denn: «Der Fussball ist ein Geschäft, wo es oftmals keine vorzeitige Bestätigung oder Vertrauensvorschüsse gibt. Manchmal wartet man bis zur letzten Sekunde und schaut genau, ob einer noch einen Schritt nach rechts oder links tut. Darum bin ich heute besonders glücklich.»

Vertrauen zu sich selbst gefunden

Es ist offensichtlich: Petkovic tut dieses Zeichen der Wertschätzung sehr gut. Warum aber ist es so weit gekommen? Vielleicht hat das auch mit ihm selbst zu tun. Er, der vor genau zwei Wochen seinen 54. Geburtstag feierte, hat Vertrauen in sich selbst gefunden. Er spürt, dass sein Weg und sein Fussball ankommen. Und er hat aufgehört, an vielen Orten Zweifel und Hinterlistigkeiten zu vermuten. Einiges ist seit dem Vorbereitungscamp zur EM in Lugano anders. Damals startete Petkovic eine Art Charme-Offensive in der Öffentlichkeit.

Nationalcoach Vladimir Petkovic hat das Vertrauen in sich selbst gefunden

Nationalcoach Vladimir Petkovic hat das Vertrauen in sich selbst gefunden

Er hat auch begonnen, sich besser zu verkaufen. Das bestätigt auch SFV-Präsident Peter Gilliéron (siehe Interview auf der nachfolgenden Seite). Denn dass er Spiele an der Linie entscheidend prägen kann, hat er bereits in der ersten EM-Qualifikation gezeigt. Während dieser modellierte er zudem den heiklen «Fall Inler». Die Entmachtung des Captains war eine Bewährungsprobe – Petkovic bestand sie mit Bravour.

Als der Nationaltrainer fast schon am Ende ist mit seinen Ausführungen, wird er auch noch zur Weltrangliste befragt. Zu jener Rangliste also, in der die Schweiz derzeit auf Rang 4 auftaucht. «Das ist wohl eher für Wikipedia. Ich glaube, die Realität sieht schon ein bisschen anders aus», sagt er. Ganz der Mahner, der auch einen Gegner wie Andorra nicht unterschätzen mag.
Alles, damit die Reise nach Russland an die WM nicht gefährdet wird. Sie soll so schön werden wie Flitterwochen.

Meilensteine der Schweizer Nationalmannschaft unter Vladimir Petkovic

9. 10. 2014 Nervosität im Wald von Maribor

Der Start missglückt. 0:2 gegen England zum Auftakt. Dann auch noch ein 0:1 in Slowenien. Petkovic ist bereits unter Druck. An einem Trainingsplatz im Wald von Maribor sagt er: «Mein Rucksack ist gross genug, um die nun kommende Kritik unterzubringen.»

Die Nervosität im Wald von Maribor

Die Nervosität im Wald von Maribor

9. 10. 2015 Qualifikation für die EM und Brandrede

Die Reaktion glückt, es folgen einige Siege. Ein 7:0 gegen San Marino besiegelt den zweiten Gruppenrang und die direkte EM-Qualifikation. Trotzdem ist Petkovic verstimmt. Er vermisst die Wertschätzung, gerade nach Spielen gegen kleinere Nationen.$

Geglückte EM-Quali

Geglückte EM-Quali

29. 3. 2016 Tiefpunkt rund um Testspiele

Ende des Jahres 2015 kämpft das Nationalteam mit dem Balkangraben. Es verstreichen viele Wochen bis zur ersten Vertragsverlängerung. Die Tests im März in Irland und gegen Bosnien gehen verloren. Petkovic wirkt ratlos und rätselhaft.

Der Tiefpunkt musste folgen

Der Tiefpunkt musste folgen

25. 6. 2016 Stolz und Hunger nach bitterem EM-Aus

Das Camp vor der EM in Lugano ist die ersehnte Wende. Petkovic formt eine funktionierende Einheit. An der EM ist richtig guter Schweizer Fussball zu sehen. «Unser Hunger wird grösser!», sagt Petkovic nach dem Penalty-Aus im Achtelfinal gegen Polen.

Bitteres Aus gegen Polen

Bitteres Aus gegen Polen

6. 9. 2016 Der Sieg gegen den Europameister

Bei erster Gelegenheit entzückt die Schweiz. Das 2:0 gegen Europameister Portugal zu Beginn der WM-Qualifikation ist Petkovics grösster Sieg als Nationaltrainer. Es ist der Start zur Rekord-Siegesserie. Die Schweiz kann sie diese Woche weiter ausbauen.

Der Sieg gegen Europameister Portugal

Der Sieg gegen Europameister Portugal

28. 8. 2017 Die Vertragsverlängerung als Lohn

Noch steht der Showdown mit Portugal um die direkte WMQualifikation aus. Doch die jüngsten Siege und die Entwicklung des Teams bringen Petkovic den neuen Vertrag bis Ende 2019 ein. Diesmal ohne atmosphärische Störungen rundherum. 

Die Vertragsverlängerung als logische Folge

Die Vertragsverlängerung als logische Folge

Meistgesehen

Artboard 1