Pyeongchang
Der von der Fahndungsliste – Weshalb ich die Wahl des Fotos auf meiner Akkreditierung bereue

Normalerweise schaut niemand auf die Akkreditierungen der Journalisten. In Südkorea aber erscheint das Bild der Redaktoren für alle ersichtlich auf einem Bildschirm. Unglücklicherweise hat unser Sportredaktor ein Bild ausgewählt, das auch auf einer Fahndungsliste erscheinen könnte.

Martin Probst
Martin Probst
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Keystone

Im Rückblick ist man schlauer und meine Olympia-Erkenntnis lautet: Hätte ich doch nur ein schöneres Foto eingereicht! Damit wir Journalisten die olympischen Anlagen betreten können, tragen wir eine Akkreditierung um den Hals. Darauf stehen unser Name und der Arbeitgeber. Zudem erfährt man, in welche Bereiche wir Zutritt haben. Damit die Sicherheitsleute wissen, dass wir auch wir sind, ist ein Foto darauf.

Normalerweise schaut an Sportveranstaltungen eine Person flüchtig auf die Akkreditierung und winkt uns durch. Entsprechend unbedarft habe ich das Foto ausgewählt. Dummerweise ist hier in Südkorea alles anders.

Beim Betreten der Olympia-Anlagen erfasst ein Computer einen Chip, der in unsere Zugangsberechtigung integriert ist – und schon blicke ich von einem riesigen Bildschirm auf die wartenden Journalisten.

Mein Foto sieht aus, als hätte ich eine durchzechte Nacht hinter mir und wäre soeben von den Toten auferstanden. Entsprechend erhalte ich keine spontanen Heiratsanträge. Dafür denken wohl viele in der Warteschlange, kenne ich dieses Gesicht nicht von einer Fahndungsliste?

Immerhin: Verhaftet wurde ich noch nicht. Dafür ist das System wunderbar für frisch Verliebte oder Stalker. Gefällt einem eine Person, hat man sofort einen Namen zum Gesicht. Dieser wird ebenfalls auf dem Bildschirm angezeigt.

Zusammen mit der Information zum Arbeitgeber wäre es leicht, die Person zu kontaktieren. Das ist ideal, wenn der Mut fehlt, die Auserwählte oder den Auserwählten direkt anzusprechen. Eine Nachfrage bei meinem Arbeitgeber hat ergeben, dass für mich noch keine Freundschaftanfragen eingegangen sind.

Immerhin bin ich beim folgenden Sicherheitscheck (wie man ihn vom Flughafen kennt) sehr beliebt. Auf der Röntgenaufnahme meiner Laptop-Tasche sehen die Sicherheitskräfte so allerhand. So wurde ich gefragt, ob ich Handwerker sei?

Auf mein verdutztes «Nein» folgte die Gegenfrage, warum ich dann Nägel mitführe? Dass ich das tue, war mir neu. Gefunden haben sie dann auch nichts. Aber bei meinem Verbrecherfoto würde ich auch genau kontrollieren, dass ich aus meinen Arbeitsgeräten nicht doch eine Nagelbombe baue.