Triathlon

Der unkonventionelle Weg der Nicola Spirig

Nicola Spirig will an ihrer Heim-EM Gold.

Nicola Spirig will an ihrer Heim-EM Gold.

Die Olympiasiegerin sucht Optimierungspotenzial für die Titelverteidigung in Rio – und startet am Samstag an der EM in Genf

Nicola Spirig kommt direkt aus der Höhe. In St. Moritz hat sich die Olympiasiegerin auf die Europameisterschaften in Genf vorbereitet. Mehr noch: Die 33-jährige Zürcherin ist zur Zeit praktisch im Engadin zuhause. Mit ihrem Mann und dem zweijährigen Sohn hat sie eine eigene Wohnung an ihrer Trainingsbasis, wo sie zwischen Mai und August den grössten Teil ihrer Zeit verbringt. Nur für die Wettkämpfe reist Spirig zwischendurch immer wieder mal ins Unter- oder ins Ausland.

Damit erwischt die Triathletin mehrere Fliegen auf einen Streich. Sie steigert mit dem Höhentraining ihre Leistungsfähigkeit, weil ihr Körper danach in den Wettkämpfen leichter Sauerstoff aufnehmen kann. Gleichzeitig hat sie ihre Trainingsgruppe um Coach Brett Sutton um sich, der sich für die Sommermonate ebenfalls in St. Moritz installiert hat. Und auch das klimatische Umfeld stimmt: «Während im Unterland ein Hitzetag dem nächsten folgte, hatten wir im Engadin ideale Bedingungen», sagt sie.

Der Erfolg kommt aus der Höhe

Dass Spirig den Höheneffekt zur Formsteigerung nutzt, ist nicht neu. So lang wie in diesem Jahr trainierte sie aber noch nie in der Höhe. Die Absicht hinter diesem Vorgehen ist klar: Im Hinblick auf die Olympischen Spiele vom nächsten Jahr in Rio sucht die Titelverteidigerin nach Optimierungspotenzial. «Das Höhentraining habe ich bisher noch nicht ausgereizt», sagt Spirig.

Seit der Eröffnung des neuen Schwimmbades in St. Moritz Bad haben sich die Trainingsbedingungen im Engadin nochmals verbessert, was auch andere Nationen zu ihren Gunsten nutzen: Auch die Nationalteams aus Deutschland, England und Italien bestritten ihre EM-Vorbereitung im Bündner Hochtal.

Die Olympiaselektion hat Nicola Spirig dank ihrem Sieg bei den Europaspielen in Baku von Mitte Juni bereits auf sicher. «Das gibt mir viel Freiheit bei der Trainings- und Wettkampfplanung», sagt sie. Im Wissen darum, dass sich im Spitzensport nur von der Konkurrenz abheben kann, wer nicht alles gleich macht wie die andern, wird sie dabei mit Coach Sutton erneut unkonventionelle Wege beschreiten.

Wie vor den Spielen in London, als sie zehn Tage vor ihrem Olympiasieg entgegen aller guten Ratschläge einen Wettkampf über die halbe Ironman-Distanz bestritt. Oder wie im letzten Jahr, als sie als Marathonläuferin an der EM in Zürich startete.

Und was macht sie diesmal? «Es ist gut möglich, dass ich auf dem Weg nach Rio wieder einen oder zwei Marathons laufe», sagt sie. Die Abstecher in die Läuferszene sollen ihr dazu dienen, zu einer noch besseren Triathletin zu werden – gerade auch, weil die Wettkämpfe meistens erst auf dem Laufabschnitt entschieden werden. Einen kompletten Wechsel zum Marathon schliesst die Athletin aber aus. «Es wäre zwar spannend zu sehen, wie schnell ich werden kann, aber letztlich mache ich das im Hinblick auf den Triathlon an den Olympischen Spielen.»

Als Favoritin in die Heim-EM

Mit der EM in Genf steht heute aber zuerst noch ein anderes Titelrennen an, das ihr am Herzen liegt. «Eine Meisterschaft ist immer speziell, und eine im eigenen Land erst recht», sagt Spirig, die bei Europameisterschaften bereits vier Goldmedaillen gewonnen hat und nun erneut als Favoritin ins Rennen geht. «Ein fünfter Titel wäre genial», sagt sie. «Aber es gehen noch andere starke Athletinnen an den Start. Es wird nicht einfach, zu gewinnen.»

Der Hitze wird sie nun nicht mehr ausweichen können: In Genf werden heute deutlich über 30 Grad erwartet. Doch Spirig, die nicht zum ersten Mal bei hohen Temperaturen startet, bleibt cool: «Ich mache mir keine Sorgen wegen Dingen, die ich nicht beeinflussen kann.» Die Kühlweste hat sie zuhause gelassen. «Es reicht, wenn ich einen zweiten, eisgekühlten Bidon auf die Radstrecke mitnehme.»

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