Ski Nordisch
Der ungenügende Telemark bleibt Thema Nummer 1

Die Zeichen, dass Simon Ammann die Telemark-Landung endlich in den Griff bekommt, stehen nicht allzu gut. Disziplinenchef Bernie Schödler jedenfalls sagt, man könne nur verhalten optimistisch sein.

Michael Forster
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Problemfall Landung: Hier vergibt Simon Ammann regelmässig wertvolle Punkte.

Problemfall Landung: Hier vergibt Simon Ammann regelmässig wertvolle Punkte.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Der kommende Weltcup-Winter, welcher in gut drei Wochen mit den beiden Konkurrenzen in Klingenthal (D) beginnt, steht bei den Skispringern ganz im Zeichen der grossen Trainerrochade. Auf sämtlichen Stufen wurden die Trainer getauscht; so betreut Martin Künzle, zuletzt während sieben Jahren zuständig für die Weltcuspringer, neu den Springer-Nachwuchs. Den Job Künzles übernimmt Pipo Schödler, assistiert von Ronny Hornschuh, welcher zuletzt für das deutsche Continental-Team verantwortlich war.

Von dieser Rochade erhofft sich Bernie Schödler neue Impulse auf allen Stufen. Das Projekt sei sehr gut angelaufen, so der Disziplinenchef, der früher selbst einmal den Schritt vom National- zum Nachwuchstrainer gegangen war. «Das gibt uns die Möglichkeit, mit den Jungen drei Jahre vor Olympia 2018 konzentriert auf dieses Ziel hin zu arbeiten.» Daneben seien die Veränderungen gerade auch bezüglich des schlimmen Sturzes von Simon Ammann in der letzten Saison zur richtigen Zeit gekommen. Schödler: «Es war eine Änderung nötig.»

Wie stark ist Simon Ammann?

Von einer unbeschwerten Saisonvorbereitung kann bei den Skispringern aber nicht die Rede sein. So fallen Marco Grigoli (Fussverletzung) und Gabriel Karlen (Kreuzbandriss) längere Zeit aus, Gregor Deschwanden ist auf der Suche nach Konstanz. Die grössten Fragezeichen jedoch stehen hinter der Leistungsfähigkeit von Teamleader Simon Ammann. Gelingt es dem Toggenburger endlich, seine Probleme bei der Landung in den Griff zu bekommen?

Bernie Schödler zeigt sich - bestenfalls - verhalten optimistisch. Der Beinwechsel bei der Landung, von links auf rechts, sei noch nicht abgeschlossen: «Simon ist zwar unglaublich motiviert. Doch das bedeutet eine grosse Umstellung für ihn, der schon so lange mit dabei ist.» Den Telemark zwischen blauer und roter Linie zu setzen, das sei kein Problem. «Wenn es aber richtig weit geht - und das muss es, wenn man ganz vorne mitspringen will -, dann beginnen die Probleme.»

Intensive Reize in der Höhe

Hoffnungen setzt Schödler deshalb vor allem in den Nachwuchs. Fünf Athleten streiten sich um vier fixe Startplätze im Weltcup, darunter Killian Peier, welcher mit dem Sieg am FIS-Cup in Einsiedeln aufhorchen liess. Einen Schritt nach vorne machte auch Luca Egloff, welcher in Almaty im Sommer für das Schweizer Highlight besorgt war.

Auf eine problemlose Saisonvorbereitung mit durchwegs gesteigerten Leistungstets können die Langläufer zurückblicken. Im Zwischenjahr ohne grossen Anlass wurden verschiedene Neuerungen getestet. Eine davon betrifft den Bereich Höhentraining im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Pyeongchang 2018. Der Ansatz ist nicht neu, der Zeitpunkt hingegen ideal, den Höhenreiz etwas intensiver in die Trainings- und Wettkampfplanung miteinzubeziehen.

Höhepunkt Tour de Ski

Geplant waren und sind längere Blöcke à 300 Höhenstunden respektive 300 Stunden Expositionszeit in einer Höhe zwischen 2500 und 3000 Meter über Meer. In der Stelvio-Region und auf dem Flüela-Pass konnte dies unter natürlichen Umständen trainiert werden. Zugleich wurde aber auch mit einem sogennanten Höhenzelt eine künstliche Höhe simuliert.

Diese Form des Trainings berge auch Risiken, räumt Disziplinenchef Hippolyt Kempf ein. «Es beeinträchtigt automatisch die Erholung der Athleten, aber ich bin mit den Resultaten zufrieden.» So hätten vier von sechs Läufern eine "positive Response" abgeliefert.

Unbestrittener Höhepunkt dieses Weltcup-Winters für die Langläufer ist die 10. Tour de Ski. Erstmals startet sie in der Schweiz, in Lenzerheide. Kempf spricht bei der Jubiläumsausgabe von einem «Sahnehäubchen»; ähnlich sieht es Dario Cologna. «Die drei Etappen zur Eröffnung in Lenzerheide werden für mich und das gesamte Schweizer Team etwas ganz Besonderes sein.»