Leichtathletik

Der Turbo blieb in der Garage: Alex Wilson wird überlegen Schweizer Meister

Der beste Schweizer Sprinter über 100 Meter: Alex Wilson.

Der beste Schweizer Sprinter über 100 Meter: Alex Wilson.

Der Basler Sprinter Alex Wilson wird überlegen Schweizer Meister, geht aber dem Risiko aus dem Weg.

Nationale Meisterschaften dokumentieren das neue Selbstverständnis der besten Schweizer Leichtathleten. Auf die reservierte Goldmedaille wird weitgehend verzichtet. Kurz vor dem Saisonhöhepunkt WM stehen Testläufe über ungewohnte Distanzen auf dem Programm. So startet Hürden-Europameister Kariem Hussein heute über 200 Meter, Steeple-Läuferin Fabienne Schlumpf versucht sich über 800 Meter und Selina Büchel begnügt sich mit einer Bahnrunde.

Die Ausnahme bilden die Sprinter, die mangels Alternative keine Experimente eingehen können. So sind die Rennen über 100 Meter erstens vorzüglich besetzt und bieten sich dank Vorlauf, Halbfinal und Final innerhalb von vier Stunden als eigentliche WM-Simulation an. Wobei die Möglichkeit, auch an einem Grossanlass zu drei Auftritten zu kommen, dank der Leistungsentwicklung von Mujinga Kambundji und Alex Wilson eine relativ neue Perspektive darstellt.

Schon bald unter 10 Sekunden?

Die Bernerin unterstreicht an der Schweizer Meisterschaft im Zürcher Letzigrund ihre starke Form. Bei widerlichsten Bedingungen läuft sie im Halbfinal 11,13 und im Final 11,08. Weltklasse! Dafür gibt es von ihrem männlichen Pendant Alex Wilson Szenenapplaus. Er selber gewinnt zwar seine Goldmedaille ähnlich überlegen, zeitlich kann der 26-Jährige aber im strömenden Regen und bei empfindlich abkühlenden Temperaturen nicht mit Kambundji mithalten. Die Siegerzeit von 10,25 ist für den «neuen» Wilson höchstens Durchschnitt. Viermal ging es in dieser Saison bereits schneller.

«Mein ganzes Training ist auf die WM ausgerichtet. Dort will und werde ich meine schnellsten Zeiten laufen.»

Alex Wilson:

«Mein ganzes Training ist auf die WM ausgerichtet. Dort will und werde ich meine schnellsten Zeiten laufen.»

Doch seit seinem Rekordlauf von 10,11 im deutschen Weinheim sind beinahe zwei Monate vergangen. Der Ankündigung, an der Traummarke von 10 Sekunden zu schnuppern, hat Wilson bisher keinen Nachdruck verliehen. Muss man sich für die WM in London sorgen? «Nein», sagt Wilson und lacht. «Mein ganzes Training ist auf die WM ausgerichtet. Dort will und werde ich meine schnellsten Zeiten laufen.» Für den Feinschliff reiste sein jamaikanischer Trainer Lloyd Cowan extra von London nach Basel und arbeitete diese Woche nochmals intensiv mit Alex Wilson.

Der Athlet selbst setzte sich zwar vor den nationalen Titelkämpfen noch zum Ziel, im Letzigrund seinen eigenen SM-Rekord von 11,18 zu knacken. Doch angesichts der Bedingungen lief er auf der schnellen Zürcher Bahn bewusst dosiert. «Ich wollte kein Risiko eingehen, denn ich war in der Vergangenheit sehr verletzungsanfällig. 30 Meter vor dem Ziel habe ich Tempo rausgenommen», sagte Wilson.

Am Samstag will der in Jamaika geborene Schweizer Meister den Turbo doch noch aus der Garage holen. «Über 200 Meter brauche ich noch eine wirklich schnelle Zeit.» Auch hier peilt er einen neuen Meisterschaftsrekord an. Allerdings muss sich Alex Wilson auch hüten, nicht wieder in jene Rolle zurückzukehren, die er früher inne hatte – jene des Ankündigungsweltmeisters. Diese Sprinterkrankheit hat er zuletzt der Konkurrenz überlassen. Die Wahrheit liegt so oder so erst in London auf der Bahn.

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