SC Bern
Der Träger des SCB-Himmels: Torhüter Leonardo Genoni ist in Bern so wichtig wie einst Renato Tosio

Nie mehr seit den grossen Zeiten von Renato Tosio war der Torhüter beim SC Bern so wichtig. Das gesamte Spiel der Berner ist um Leonardo Genoni herum aufgebaut. Ermattet dieser, fällt auch der SCB.

Klaus Zaugg
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Leonardo Genoni ist der bestbezahlte SCB-Spieler.

Leonardo Genoni ist der bestbezahlte SCB-Spieler.

Keystone

SCB-General Marc Lüthi fasste die ganze, komplizierte Wahrheit des Eishockeys am Dienstag in Lugano in einem einfachen Satz zusammen. «Wenn wir den Genoni nicht hätten...»

Torhüter Leonardo Genoni (29), im Sommer von Davos nach Bern gekommen, hatte soeben dem HC Lugano den Triumph gestohlen und dem SCB mit einer Fangquote von mehr als 97 Prozent den Sieg (und damit eine 3:1-Führung im Halbfinal) ermöglicht. Der SCB braucht noch einen Sieg fürs Final.

So stellte sich Genoni anfangs Saison beim SCB vor:

Nie mehr seit den Zeiten von Renato Tosio ist der SCB so von seinem Torhüter abhängig wie in diesen Playoffs. Zweimal hat Leonardo Genoni durchschnittlich gespielt – und beide Male hat der SCB auf eigenem Eis verloren. Im Viertelfinale gegen Biel (3:6, Fangquote 78,26 Prozent) und zum Halbfinal-Auftakt gegen Lugano (2:4, Fangquote 88,46 Prozent). Alle Analysen und Theorien zum SCB sind Makulatur, wenn Genoni nicht hält.

Ohne Genoni wäre Jalonen in Not

Inzwischen trägt der ehemalige ZSC-Junior das SCB-Spiel auf seinen Schultern wie einst in der Antike der Titan Atlas das Himmelsgewölbe. Wer daran glaubte, lebte in ständiger Angst, Atlas könnte ermatten und der Himmel auf die Erde stürzen. Dieses Bild ist durchaus modern: Wenn Leonardo Genoni ermattet, dann stürzt der SCB-Himmel ein.

Der ganze meisterliche Feldzugsplan des grossen Bandengenerals Kari Jalonen ist auf diesem starken Torhüter aufgebaut. Hätte der SCB bloss ein Durchschnittsgoalie mit einer Fangquote von knapp 90 Prozent, dann wäre Marc Lüthi in Bern gerade daran, den noch ein Jahr laufenden Vertrag mit Kari Jalonen aufzulösen. Das defensive Schachspiel des finnischen Trainers mahnt uns zeitweise beängstigend an das Defensiv-Hockey unter Guy Boucher, der schliesslich gefeuert worden ist.

Genonis ist mit seiner hohen Fangquote ein wichtiger Rückhalt für die Berner.

Genonis ist mit seiner hohen Fangquote ein wichtiger Rückhalt für die Berner.

Keystone

Erträglich und erbaulich, rühmenswert und begeisternd ist Kari Jalonens Hockey nur mit dem Parfum des Erfolges. Guy Boucher hatte Pech: Er hatte mit Marco Bührer «nur» einen sehr guten, aber keinen grossen Torhüter wie Leonardo Genoni. Ganz nebenbei: Der SCB-Goalie kann auch Patrick Fischer die WM retten und die Schweiz im Alleingang ins Viertelfinale hexen.

Genoni verdient beim SCB so viel wie niemand zuvor

Inzwischen zeigt sich: Die Züglete des dreifachen Meisters von Davos nach Bern war der wichtigste Transfer der Saison. Ähnlich bedeutungsvoll wie einst Ende der 1980er Jahre der Wechsel von Renato Tosio von Chur nach Bern. Und so wie Renato Tosio damals der bis dahin bestverdienende Schweizer der SCB-Geschichte war, so ist jetzt Leonardo Genoni der bestbezahlte helvetische SCB-Star aller Zeiten und nach Luganos Damien Brunner auch der teuerste Schweizer der Liga.

Marc Lüthi (er ist Mitunterzeichner aller SCB-Spielerverträge) mag diese Analyse weder bestätigen noch dementieren und sagt knurrig: «Selbst wenn es tatsächlich so wäre, so kann ich sagen: Er ist jeden Rappen seines Geldes wert.»

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