Serie A
Geht der Titel an Juventus? Fünf weitere Brennpunkte im Land des Europameisters

Die italienische Fussballliga startet am Wochenende in die Saison. Das sind die sechs drängendsten Fragen in der Serie A.

Lukas Plaschy, Rom
Drucken
Teilen
Auch wenn Cristiano Ronaldo doch noch Juventus verlassen sollte: Die Turiner sind der Meisterfavorit.

Auch wenn Cristiano Ronaldo doch noch Juventus verlassen sollte: Die Turiner sind der Meisterfavorit.

Bild: Freshfocus

Warum muss der Meister die besten Spieler verkaufen?

Dass bei Inter Mailand die fetten Jahre vorbei sind, hatte Antonio Conte als Erster kapiert. Kaum war im Mai der erste «Scudetto» seit 2010 in trockenen Tüchern, löste der heissblütige Coach seinen Vertrag auf. Die chinesische Besitzerfamilie Zhang hatte dem Klub davor einen rigiden Sparkurs verordnet, weil ihre Geschäfte in der Heimat in Schieflage geraten waren. Bereits während der Meistersaison hatten die Spieler monatelang keine Löhne erhalten. Der Spielbetrieb des Traditionsvereins konnte nur durch Aufnahme teurer Kredite aufrechterhalten werden. Allein für die Zinsen muss Inter jährlich 50 Millionen Euro aufwenden. Dazu kommen pro Jahr Verluste von über 100 Millionen Euro.

Manager Marotta muss auf dem Transfermarkt zähneknirschend seine Filetstücke veräussern. 65 Millionen bezahlte PSG für Achraf Hakimi, Chelsea 115 Millionen Euro für Topskorer Romelu Lukaku (64 Tore in 95 Spielen). Der Argentinier Lautaro Martínez und Shootingstar Nicolo Barella könnten die nächsten Abgänge sein. Für Contes Nachfolger Simone Inzaghi dürfte die Titelverteidigung damit eine «Mission impossible» werden.

Ist Juventus Turin der grosse Titelfavorit?

Für die meisten Experten ja. Die «Bianconeri» hatten die Liga neun Jahre lang nach Belieben dominiert, ehe in der letzten Saison nur der vierte Platz resultierte. Trainerneuling Andrea Pirlo musste trotz Triumphs im Cup seinen Hut nehmen. Nach einer zweijährigen Auszeit hat jetzt wieder Massimiliano Allegri das Sagen. Mit einem Jahresgehalt von acht Millionen Euro ist Juves Meistertrainer der Jahre 2014 bis 2019 der Krösus seiner Gilde. Pirlo strebte nach dem «schönen Spiel». Der 54-jährige Allegri hingegen ist ein klassischer «Risultatista», das Resultat geht über alles. Ganz Pragmatiker, stellt der Toskaner auch keine utopischen Transferwünsche.

Neben der EM-Entdeckung Manuel Locatelli von Sassuolo verpflichtete der 36-fache Meister bisher nur vom FC Santos den brasilianischen Rohdiamanten Kaio Jorge. Juves offensive Feuerkraft mit Ronaldo, Dybala, Morata oder Flügelflitzer Chiesa hat in der Serie A niemand etwas Vergleichbares entgegenzusetzen. Dazu kann man in der Defensive weiterhin auf das bewährte Haudegenduo Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci zählen.

Was ist mit der AC Milan?

Milans Zlatan Ibrahimovic ist derzeit verletzt.

Milans Zlatan Ibrahimovic ist derzeit verletzt.

Bild: AP

Die «Rossoneri» träumten letztes Jahr lange vom Titel und beendeten schliesslich die Meisterschaft auf dem zweiten Platz. Vieles wird wohl wieder von Zlatan Ibrahimovic abhängen. Der 40-jährige Schwede ist allerdings verletzungsanfällig geworden und fällt für den Saisonstart ebenso aus wie der ivorische Mittelfeldpuncher Frank Kessié. Mit dem Franzosen Olivier Giroud stiess ein weiterer routinierter Angreifer zur Elf von Stefano Pioli. Ein anderer Franzose, Mike Maignan, soll den Abgang von Goalie Gianluigi Donnarumma kompensieren.

Was verspricht die AS Roma mit Trainer José Mourinho?

Die Rückkehr des 58-jährigen portugiesischen Startrainers war ein Transfercoup. Für Mourinhos erste Pressekonferenz reisten Journalisten aus 70 Ländern an. Der Klub mietete für die einstündige Präsentation gleich einen ganzen Palast auf dem Kapitolshügel mit spektakulärer Aussicht auf die Ewige Stadt. Romas texanischer Besitzer Dan Friedkin will mit Mourinho (Jahressalär 7 Millionen Euro) langfristig ein schlagkräftiges Team aufbauen. Mit Transferausgaben von über 100 Millionen Euro stiessen unter anderen Portugals Nationaltorhüter Rui Patrício sowie der englische Nationalstürmer Tammy Abraham dazu.

Welche Rolle können die Schweizer spielen?

Atalantas Remo Freuler ist der einzige Schweizer in der Serie A, von dem viel zu erwarten ist.

Atalantas Remo Freuler ist der einzige Schweizer in der Serie A, von dem viel zu erwarten ist.

Bild: AP

Die Zeiten, wo sich die Schweizer in den Grossklubs wie Napoli, Juve, Lazio oder Milan tummelten, sind vorbei. Aushängeschild bleibt Remo Freuler von Atalanta Bergamo. Der Mittelfeldrenner ist Vize-Captain und spielt zum dritten Mal hintereinander in der Champions League. Ricardo Rodríguez, letzte Saison bei Torino meist auf der Ersatzbank, hat mit dem Kroaten Ivan Juric einen neuen Übungsleiter und vielleicht auch eine neue Chance. In der Vorbereitung wurde der 86-fache Schweizer Internationale wie an der EM in der Innenverteidigung eingesetzt.

Ex-Nationalspieler Valon Behrami wird mit dem FC Genoa seine ganze Routine brauchen, um nicht in Abstiegsgefahr zu geraten. U21-Nationalspieler Kevin Rüegg will bei Hellas Verona einen Stammplatz ergattern. Nicolas Haas darf nach drei Jahren Serie B endlich ganz oben spielen. Der 25-jährige Ex-Luzerner versucht, mit Empoli nicht abzusteigen, wie dies Simon Sohm (20) mit Parma widerfahren ist. Immerhin kann der Neo-Nationalspieler beim Traditionsverein aus der Emilia Romagna jetzt mit Goalie-Legende Gianluigi Buffon (43) den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen.

Darf der Fan ins Stadion?

Nach zähem Ringen zwischen der Lega Calcio und dem Gesundheitsministerium dürfen die Stadien nach 17 Monaten Unterbruch wieder maximal zu 50 Prozent ausgelastet werden. Einlass erhalten die Tifosi mit Zertifikat oder negativem Test. Es gilt Maskenpflicht.

Aktuelle Nachrichten