Super League

Der taumelnde Riese – der FC Basel vor dem Duell mit Meister YB

Der FC Basel, hier in Person von Jasper van der Werff, gibt im Moment ein Bild ab, das er lieber selber nicht sehen würde.

Der FC Basel, hier in Person von Jasper van der Werff, gibt im Moment ein Bild ab, das er lieber selber nicht sehen würde.

Vor dem eigentlichen Spitzenspiel gegen YB ist der FC Basel einmal mehr in eine Sinnkrise gerutscht. Sie ist die logische Folge vieler Fehler.

Es ist eine Machtdemonstration. Eine temporäre, 90 Minuten dauernde. Mit 3:0 schiesst der FC Basel die Berner Young Boys aus dem Joggeli. Die Basler verkürzen den Rückstand auf die Spitze und YB auf einen Punkt. Sie holen sich Ehre und ein kleines bisschen Nimbus zurück. Und sie zeigen: Diese Saison reden wir wieder ein Wort mit im Meisterrennen. Es ist der 1. Dezember 2019 und die rotblaue Welt so in Ordnung wie lange nicht mehr.

Sieben Monate sind seither vergangen. Und es ist kein Zufall, dass Marcel Koller an diesem Freitag gerne wiederholt auf diesen 1. Dezember zu sprechen kommt. Daran wolle man anknüpfen, wenn am Samstag erneut die Berner Young Boys zu Gast sein werden. Aber der Basler Trainer weiss selber, dass das mehr Wunschdenken denn Wahrscheinlichkeit sein wird. Zu viel ist passiert im und um den St. Jakob-Park. Zu viel schiefgelaufen. Zu viel kaputtgegangen. Der FC Basel ist kein jagender Riese mehr, er ist ein taumelnder. Einer, der sich auf Platz drei der Tabelle befindet –und damit dort, wo er in seiner Verfassung nun mal hingehört. Er ist zu Recht dort angekommen, und vor allem: Er ist mit Ansage dort angekommen. Die «Schweiz am Wochenende» erklärt, was dazu geführt hat.

Das Kader verliert zunehmend an Substanz und Breite

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: Das Kader, welches Trainer Marcel Koller zur Verfügung hat, ist nicht mehr jenes vom 1. Dezember. Da sind keine Edon Zhegrovas, Noah Okafors oder Kevin Buas mehr. Stattdessen heissen die Hoffnungen Vishi, Isufi und Marchand. Für einen vermeintlichen Meisterkandidaten zu wenig Substanz in der Breite. Insbesondere in intensiven Wochen wie den jetzigen in der Post-Coronaära. Wenn die wenigen Leistungsträger wie Omar Alderete dann Sperren absitzen, zwickende Oberschenkel haben wie Taulant Xhaka oder auf der Suche nach der Form sind wie Fabian Frei, dann reicht dieses Kader nicht. Immer weniger Qualität auf dem Rasen resultiert irgendwann in weniger Quantität bei den Punkten.

Der Kontostand wird immer besorgniserregender

Bis Ende Oktober sei man flüssig beim FC Basel – danach müsse man weiterschauen. Dies kommunizierte der Verein in der Coronapause und im Zusammenhang mit dem Verlust von 19,6 Millionen im letzten Geschäftsjahr. Auch deshalb können Spieler wie Okafor nicht ersetzt und Spieler wie Zhegrova nicht gehalten werden. Der massive Spardruck wirkt sich mehr und mehr aufs Kader aus – und den anderen Kontostand. Jenen der gesammelten Punkte in dieser Meisterschaft. Die nur 49 gesammelten Zähler sind ein Negativrekord für den FCB zu diesem Zeitpunkt der Saison seit Einführung der Super League 2003. Und die zehn Pleiten in 29 Spielen sind die schlechteste Bilanz seit der Saison 1998/1999. Historische Werte, errungen durch historische Pleiten bei Lugano und Sion.

Das Klima wird durchs Band immer frostiger

Dass sich schlechte Leistungen auf das Klima in und um eine Mannschaft auswirken, liegt auf der Hand. Aber dass sich ein frostiges Klima im Club auch auf dem Platz widerspiegelt, demonstriert der FCB momentan. Die grosse Harmonie hat sich mit dem Abgang des Duos Heusler/Heitz verabschiedet. Und doch erstaunt es, dass die Stimmung konstant schlechter wird. So hat sich die Mannschaft zwar menschlich mit Marcel Koller arrangiert. Sportlich aber ist viel Unverständnis da. Fragwürdige Aufstellungen und veraltete Methoden sind in einer jungen Mannschaft nicht zielführend. Dass Führungsspieler Koller nach dem Wechsel-Fauxpas in Lugano nicht schützen, sondern viel mehr anprangern, ist symbolisch. Aber nicht nur das Klima im Team stimmt nicht. CEO Roland Heri ist seit der öffentlichen Diskreditierung der Mannschaft rund um den Lohnzoff in Ungnade gefallen bei den Spielern. Mit Sportchef Ruedi Zbinden wird Heri ebenfalls nicht warm. Und die Entscheide von Bernhard Burgener werden längst auf allen Stufen im Verein mehr als kritisch beäugt.

Der Glaube an sich selber ist verlorengegangen

Es gab Phasen beim FC Basel, da versetzte allein der Glaube an sich Berge, dass sogar 13 Punkte Rückstand wettgemacht und der Titel gefeiert werden konnten. Heute aber sprechen Spieler nach einer Niederlage in Luzern davon, dass man sich auf den dritten Platz fokussieren muss. Seither sind zwei weitere Nuller dazugekommen. Der Glaube an sich und eine Aufholjagd sind weg. Ebenso wie der einstige Nimbus. Der FC Basel ist nicht mehr, was er mal war. Er ist nicht mal mehr, was er noch vor sieben Monaten war.

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