Kolumne

Der Sport ist böse, korrupt und verlogen, oder?

Könnte es nicht so sein, dass der Sport einst rein, gut und unschuldig wie der aufgehende Morgenstern war und erst durch den verderblichen Einfluss der Politik und der Wirtschaft sich derart veränderte?

Der Sport ist böse, verlogen und korrupt. In Paris steht Lamine Diack, der ehemalige Weltpräsident der Leichtathletik, unter Hausarrest und muss in den nächsten Tagen vor Gericht antraben. Die «Süddeutsche» hat einmal süffisant angemerkt, er sei sozusagen «angeklagt wegen allem». Und all die Mauscheleien im Weltfussballverband Fifa und im IOC sind uns ja noch frisch im Gedächtnis. Sogar die Fussball-Lichtgestalt Kaiser Franz hat offenbar die Finger im Kassenschrank eingeklemmt.

Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Das Thema Doping und Russland wollen wir gar nicht erst erwähnen. Und erst die viel zu hohen Saläre der Stars! Die Institutionen des Sportes sind unfähig, für Recht und Ordnung zu sorgen. Immer wieder wird vergeblich angemahnt, der Sport müsse haushalten wie die richtige Wirtschaft und brauche die Aufsicht der Gerichte und der Politik. Jawohl!

So ist es doch, oder? Ich bin nicht mehr so sicher. Wie ist das eigentlich mit unserem Bundesanwalt Michael Lauber? Er ist der oberste Strafverfolger im Land und wenn einer durch und durch integer und unbestechlich zu sein hat, dann wohl er. Oder? Aber nach allem, was so über ihn geschrieben und gesendet worden ist, mahnt er, na ja, fast mehr an Lamine Diack als an Roger Federer oder Tom Lüthi und im Vergleich erscheint mir Sepp Blatter wie ein weisser Rabe der Rechtschaffenheit. Aber die Politik, die ihn eigentlich beaufsichtigen sollte, lässt Lauber weiterhin fuhrwerken.

Ja und erst die Löhne! Im Frühjahr 2013 habe auch ich für die «Abzocker-Initiative» von Thomas Minder ein «Ja» in die Urne gelegt. Das Volk hat diesen «Salary Cap für Manager» mit dem schier überwältigenden Mehr von 64 Prozent gutgeheissen. Mich dünkt es aber, seither sei das Abzocken erst so richtig losgegangen. Kein Schuft wäre also, wer da sagen würde, Wirtschaft und Politik seien korrupt, verlogen und böse. Das sage ich natürlich nicht. Da sei Gott davor! Aber könnte es nicht so sein, dass der Sport einst rein, gut und unschuldig wie der aufgehende Morgenstern und der anbrechende Tag war und erst durch den verderblichen Einfluss der Politik und der Wirtschaft böse, verlogen und korrupt geworden ist? Habe fertig.

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