Überforderung. Das ist der erste Reflex, wenn man als Fussball-Fan die Enthüllungen der «Football Leaks» durchgelesen und zu verdauen versucht hat. Die Habgier der europäischen Spitzenklubs, die eine eigene Super Liga gründen wollen, alimentiert durch saudische Milliarden. Financial Fairplay, welches ausgehebelt wird – mit Milliarden aus den Emiraten und
aus Katar. Ethik-Codes, die auf höchster Verbandsebene nach Lust und Laune gebogen und ausgereizt werden. Ein Fifa-Präsident, der sich als Saubermann inszeniert, aber dennoch ein Strippenzieher alter Schule ist. Und immer ist es das Geld, welches die primäre Antriebsfeder ist.

Die «Football Leaks» haben es eindrücklich aufgezeigt: Der Spitzenfussball versinkt in der monetären Flut. Und mit ihm Moral und Anstand. Das sind natürlich alles keine neuen Erkenntnisse. «So tickt der Mensch nun mal», denken wir leicht resigniert und achselzuckend.

Wenn dann beispielsweise die Fussball-WM in Katar vor der Türe steht, dann setzen wir uns wieder brav vor die Fernseher und schauen dem Treiben zu. So, als ob nichts geschehen wäre. Wenn ein Neymar für 200 Millionen Euro zu einem Klub wechselt, der eigentlich gar kein Geld mehr ausgeben dürfte, gemäss den existierenden Reglementen, schütteln wir ungläubig den Kopf – und kaufen dann ein neues Neymar-Shirt.

Was, also, tun, um diesen unseligen Kreislauf zu durchbrechen? Nun: Die Konsumenten haben es in der Hand. Erst, wenn die Zuschauer (und die Medien) sich von den aufgeblähten, überdrehten und dekadenten Fussball-Konstrukten abwenden und diese Hype-Maschinerie nicht mehr alimentieren, dann ist die Chance da, dass der Fussball aus diesem Sumpf herausfindet.

Wobei klar ist, dass dies vorderhand ein frommer Wunsch bleiben wird. Der Glanz der grossen Fussball-Bühnen ist so intensiv, dass wir immer noch geblendet werden. Wir bekommen das, was wir verdienen. Und irgendwo im Nahen Osten lachen sich ein paar Scheichs ins Fäustchen.