Leichtathletik-EM
Der Schweizer Sprinter Alex Wilson nimmt sich für die EM viel vor: «Ich bin schneller geworden»

Optimismus war schon immer sein zweiter Vorname. Der Basler Sprinter Alex Wilson spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Seine Fernseh-Interviews an der WM in London im vergangenen August sind längst Kult.

Rainer Sommerhalder
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Alex Wilson: «Ich freue mich so richtig auf diese Saison.» Keystone

Alex Wilson: «Ich freue mich so richtig auf diese Saison.» Keystone

KEYSTONE

Dabei hat der 27-Jährige die Fähigkeit, selbst negative Fakten gewinnend an den Mann zu bringen. Dass er während seines dreimonatigen Trainingsaufenthalts in Florida zuletzt zwei Wochen grippekrank im Bett lag und dass ihm der Arzt gestern nach der Rückkehr in die Schweiz zuallererst vier Spritzen in seine verhärtete Beinmuskulatur verpassen musste, erzählt er mit einer Fröhlichkeit, als hätte gerade das Christkind vorbeigeschaut.

Bei allem Hang zur Plauderei kann es der gebürtige Jamaikaner durchaus auch ernsthaft. Und vor allem untermauert er seine grossen Worte seit letzter Saison auch mit entsprechenden Taten. Die ziemlich genau vor einem Jahr innerhalb weniger Stunden erzielten Schweizer Rekorde über 100 m (10,11 sec) und 200 m (20,37) haben ihm über die Landesgrenzen hinweg Beachtung beschert.

Wilsons Ziele folgen einem Plan

Gestern lancierte der Schweizer Leichtathletik-Verband in Zofingen die EM-Saison. Aus dem inzwischen beachtlichen Reservoir von Aushängeschildern – man geht von rund 50 Schweizer EM-Startern in Berlin aus – wählte Swiss Athletic als Repräsentant Alex Wilson, weniger als 24 Stunden nach dessen Rückkehr aus Florida. Der 27-Jährige sagte, was alle hören wollten: «Ich will in Berlin eine Medaille gewinnen. Eine ist Pflicht, drei sind das Ziel.» Neu ist diese Ansage nicht. Im Juni 2017 formulierte Lloyd Cowan, zusammen mit Clarence Callender seit 18 Monaten Wilsons Trainer, genau dies als Zielsetzung der mittelfristigen Planung für seinen Schützling.

Jetzt, nach Monaten der Schufterei mit täglich zwei herausfordernden Trainingseinheiten und dem Sonntag als einzigem Ruhetag, brennt Alex Wilson auf die ersten Rennen: «Ich freue mich so richtig auf die Saison», sagt er. Eine Saison, die er im Gegensatz der ursprünglichen Planung nicht auf der grossen Bühne beim Diamond-League-Meeting in Rom, sondern im familiären Rahmen der Schweizer Vereins-Meisterschaften am 2. Juni in Basel lanciert. Wobei sich die Beschaulichkeit nach Wilsons Plänen auf den Rahmen beschränken soll.

Auf der Bahn will er ein Spektakel veranstalten, ganz nach der Vorgabe seiner Trainer. Der Schweizer soll in dieser Saison weniger, dafür besser vorbereitete Rennen bestreiten, um für die EM in Topform zu bleiben. Clarence Callender kommt nächste Woche extra nach Basel, um seinem Zögling den letzten Schliff zu verpassen. «Ich bin schneller geworden», verspricht Wilson. Vor allem beim Start habe er sehr grosse Fortschritte gemacht. Die Koordination seiner Armbewegungen sei auf einem ganz neuen Level.

Tipps von Weltmeister Gatlin

Dabei geholfen hat ihm nicht irgendwer. Seit diesem Jahr trainiert kein Geringerer als 100-m-Weltmeister Justin Gatlin in der Gruppe von Wilson. Eine Gruppe, «bei der es in jedem Training darum geht, der Schnellste zu sein. Der Druck ist riesig, die Konkurrenz grösstmöglich», sagt Wilson. Er schwärmt von der Offenheit Gatlins und dessen Willen, seine einzigartigen Fähigkeiten bei der Beschleunigung an ihn weiterzugeben.

«Gatlin hat keinerlei Starallüren. Er hat sich sehr intensiv um mich gekümmert und mir in den letzten drei Monaten viele Details vermittelt, die mich auf ein neues Level bringen.» Ein Level, das er in diesem Jahr bis zum Höhepunkt halten will. Genauso wie sein neues Kampfgewicht von 74 Kilogramm. An der WM in London waren es noch drei Kilos mehr. Wilson ist wie immer optimistisch, dass ihm dies gelingt – trotz derzeit grosser Lust auf das abwechslungsreiche Schweizer Essen.

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