Etwas Besseres hätte dem Schweizer Unihockey kaum passieren können. Wenn Kim Nilsson auftaucht, drehen die Teenies im roten Bereich. Dann holen sie die Smartphones aus den Taschen und schiessen ein Selfie mit ihrem Idol.

Der Vergleich hinkt nicht: Kim Nilsson bei GC, das ist, als wenn Sidney Crosby für den SC Bern, Nikola Karabatic für Kadetten Schaffhausen oder Lionel Messi für den FC Basel auflaufen würde. Der Schwede gehört zu den Besten seines Fachs und geniesst längst Kultstatus.

Topskorer Nilsson

Seit dieser Saison verzaubert der Schwede die helvetischen Hallen. Wenn er am Ball ist, wird Unihockey nicht gearbeitet, sondern zelebriert und wie es sich für einen Ausnahmekönner gehört, mit der entsprechenden Effizienz.

MyMove: Kim Nilsson #70

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Nilsson führt die Skorerwertung mit 36 Punkten überlegen an und sein neuer Arbeitgeber steht an der Spitze der Tabelle. «Der Verein hat es mir auch sehr einfach gemacht», gibt Nilsson, der mit seiner Frau Josefine und dem vier Monate alten Töchterchen Peny am Stadtrand von Zürich wohnt, das Kompliment an seinen neuen Arbeitgeber weiter.

Zwei Jahre verhandelt

Gelungen ist der Königstransfer dem Grasshopper Club. Federführend in den Verhandlungen war ihr Präsident Dario Pasquariello. «Nach der WM 2008 sagten wir: Irgendwann spielt Kim bei uns», erinnert er sich. Die Gespräche zogen sich danach in die Länge. Zwei Jahre dauerte es, bis die Zürcher und Nilssons Verein AIK Stockholm sich geeinigt hatten.

Nilssons Auftrag ist klar: Er soll die Grasshoppers endlich zum langersehnten Titel führen. «Doch nicht nur das», sagt Dario Pasquariello. Nilsson soll dem Schweizer Unihockey neuen Schwung verleihen und obendrauf den Glamour-Faktor steigern.

Dass die Sportart dringend neue Impulse benötigt, darin sind sich die Szenenkenner einig, nachdem die WM im eigenen Land vor zwei Jahren nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Das Zuschauerwachstum blieb aus und international hat sich die Lücke zu den führenden Schweden und Finnen wieder vergrössert.

Lotto-Sechers fürs Schweizer Unihockey

«Dass Kim in der Schweiz spielt, ist wie ein Lotto-Sechser», findet auch Daniel Bollinger, der Geschäftsführer von Swiss Unihockey. Nilssons Präsenz fügt sich nahtlos in die Vorwärtsstrategie des Verbandes. «Wir brauchen für unsere Sportart Leuchttürme, um im harten Konkurrenzkampf wahrgenommen zu werden.»

Damit das gelingt, hat Swiss Unihockey mit dem neuen Meisterschaftsmodus eine wichtige Weiche gestellt: Der Final wird sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen nicht mehr als Serie, sondern als jeweils einzelnes Spiel ausgetragen. Diese sogenannten Superfinals werden am 18. April 2015 in der ausverkauften Klotener Kolping-Arena ausgetragen, inklusive Live-Übertragung im Schweizer Fernsehen.

Finanzieller Hochseilakt

Zurück zu Kim Nilsson: Umsonst sind die Künste und Dienste des 1,93 Meter grossen Stürmers freilich nicht. Nilsson ist der teuerste Spieler in der Geschichte des Unihockeys, weltweit versteht sich. Rund 100'000 Franken lassen sich die Zürcher das Gastspiel pro Saison des grossen Blonden kosten.

Unterschrieben hat Nilsson einen Vertrag über zwei Jahre. Im Vergleich zu einem Messi (geschätztes Jahresgehalt 41 Millionen Dollar, Quelle: Forbes) ein Pappenstiel. Für den Amateursport Unihockey aber der Schritt in eine neue Dimension. Über das normale Klubbudget hätte sich der Transfer nicht realisieren lassen, gibt Dario Pasquariello zu. Nilsson wird von Personen aus dem Umfeld des Vereins fremdfinanziert.

Schweizer müssen auf WM-Sensation hoffen

Auf fremde Hilfe sind auch die Schweizer angewiesen, wollen sie Nilsson und dem schwedischen Team an der WM aus dem Weg gehen. Läuft alles nach Plan, treffen die Mannschaften am Samstag im Halbfinal im Göteborger Scandinavium vor 12'000 Zuschauer aufeinander.

Ein Sieg gegen den amtierenden Weltmeister käme einer Sensation gleich: Gegen die Schweden mit ihrem Messi haben die Schweizer an Titelkämpfen noch nie gewonnen.