Eishockey NLA

Der SCB-Trainer Kari Jalonen hat im Viertelfinal gegen Biel alles im Griff, aber…

Duell der Goalies: SCB-Torwart Leonardo Genoni (nah) gegen den Bieler Jonas Hiller.

Duell der Goalies: SCB-Torwart Leonardo Genoni (nah) gegen den Bieler Jonas Hiller.

Der Qualifikationssieger SC Bern trifft im Playoff-Viertelfinal auf den achtplatzierten Kantonsrivalen Biel. Das Glück des Titanen SC Bern hängt an zwei HC Davos-Meistergoalies: Leonardo Genoni und Jonas Hiller.

Kari Jalonen (57) ist ein grosser Hockey-Feldherr. SCB-General Marc Lüthi bezeichnet seinen Trainer gar als «den Grössten Europas». Der «Arno Del Curto des Nordens» wirkt vor der grossen Bewährungsprobe ruhig und gelassen.

Er weiss, dass er alles getan hat, was getan werden kann. Kein anderer SCB-Trainer der «Ära Lüthi», die 1998 begann, hatte alles, auch die Medien, so im Griff. Wie ist diese Ruhe vor dem Playoff-Sturm möglich?

Kari Jalonen lächelt: «Es ist die tägliche Detailarbeit. Nur wenn wir jeden Tag auf jedes Detail achten, entwickeln wir eine Siegermentalität.» Zu diesen Details gehöre auch, dass der SCB mit einer Stimme spreche. «Es kann nicht sein, dass ich in einem Interview etwas anderes sage als in der Kabine. Das würde das Vertrauensverhältnis beeinträchtigen.»

Kari Jalonen: «Eishockey muss ein Spiel bleiben.»

Kari Jalonen: «Eishockey muss ein Spiel bleiben.»

In seiner Detailbesessenheit mahnt Kari Jalonen an seinen gescheiterten Vorgänger Guy Boucher. Mit einem Unterschied. Er sagt: «Eishockey darf nie nur Arbeit sein. Eishockey muss ein Spiel bleiben.»

Ungewissheit bleibt

Ein Spiel auf einer rutschigen Unterlage bleibt unberechenbar. Auch für einen, der an alles gedacht hat. Deshalb sagt Kari Jalonen auch: «Manchmal sind alle Konzepte Makulatur, wenn der Puck eingeworfen wird.»

Die Ungewissheit über den Ausgang hat Namen. Kari Jalonens Glück hängt erst einmal ausgerechnet an zwei ehemaligen Meistergoalies des HC Davos. An Leonardo Genoni (29) und Jonas Hiller (35). Niemand weiss besser als die Berner, dass auch ein himmelhoher Favorit scheitern kann.

Sie sind selber als Qualifikationssieger dreimal im Viertelfinale gescheitert (2006, 2008, 2009) und letzte Saison haben sie vom 8. Platz aus den Titel geholt. Wenn das nicht als Warnung reicht, so sei das Unglück erwähnt, das sich diese Woche auf der anderen Strassenseite in Bern zugetragen hat: YB ist im Cup gegen Winterthur sensationell gescheitert.

Weltstar Jonas Hiller im überschaubaren Biel

Nun ist der Unterschied zwischen den Leistungskulturen der beiden Berner Sportunternehmen YB und SCB eher noch grösser als die Differenz in der Unternehmensphilosophie zwischen dem Erotikmarkt Lyssach und dem Vatikan.

Hiller spielte neun Jahre lang in der NHL, zwei davon bei den Calgary Flames.

Hiller spielte neun Jahre lang in der NHL, zwei davon bei den Calgary Flames.

Aber Kari Jalonen kann gegen Biel scheitern. Biels ehemaliger Trainer Kevin Schläpfer sagt: «Wenn Jonas Hiller sein bestes Hockey spielt, Biel den ersten Ansturm der Berner übersteht und die Torchancen bei schnellen Kontern ausnützt, dann ist alles möglich.» Er geht davon aus, dass Jonas Hiller überragend sein wird. «In den Playoffs wird sich seine immense Erfahrung auszahlen.»

Der ehemalige HCD-Meistergoalie (Titel 2007 und 200) hat sich neun Jahre lang in der NHL bewährt. Auch wenn er den Stanley Cup nicht geholt hat – er ist noch eine Nummer grösser als David Aebischer und Martin Gerber.

Der SCB wird über Biel hinwegfegen, als sei der Leibhaftige vom Gurten herabgefahren. Aber Jonas Hiller kann den SCB aufhalten wie Josua den Lauf der Sonne. Und dann hängt das SCB-Schicksal an Leonardo Genoni, dem HCD-Meistergoalie von 2009, 2011 und 2015.

Schwierige Aufgabe für Genoni

Nach menschlichem Ermessen wird der SCB auch gegen einen überragenden Jonas Hiller ein oder zwei Tore erzielen. Dann wird es einfach eine knappe, mühsame Angelegenheit. Aber nur eine siegreiche, wenn Leonardo Genoni dichthält.

Genonis Leistung wird für den Ausgang des Playoff-Viertelfinals entscheidend sein.

Genonis Leistung wird für den Ausgang des Playoff-Viertelfinals entscheidend sein.

Auf Jonas Hiller werden die Pucks hereinprasseln. Er wird schnell warm werden. Die Aufgabe für Leonardo Genoni ist eine schwierigere: Bei wenig Arbeit cool und konzentriert bleiben. Die wenigen zu erwartenden Bieler Chancen zunichtemachen. Nichts wäre fataler als ein Kontertreffer in eine SCB-Überlegenheit hinein.

Ein Tor, das den Bielern Energie gibt und die SCB-Selbstsicherheit erschüttert. Nicht nur Jonas Hiller, auch Leonardo Genoni muss sein bestes Hockey spielen. Wozu er eigentlich in der Lage sein sollte. Er sagt: «Die Umstellung auf eine neue Mannschaft, auf neue Verteidiger und ein anderes Spielsystem war für mich nicht ganz einfach.»

Kenner sagen, er habe nicht nur diese Umstellung geschafft, er sei jetzt sogar noch besser als in Davos. Leonardo Genoni ist statistisch der beste Torhüter der Qualifikation (Fangquote 93,61 Prozent). Besser als Jonas Hiller (91,55 Prozent).

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