Eigentlich besitzt die Mannschaftsaufstellung - aufgeschrieben auf Papier und aufgeschaltet im Internet - kaum Aussagekraft. Eigentlich. Gestern kündigte sich jedoch bereits vor dem Spiel durch die Auflistung der Gladiatoren die SCB-Auferstehung an: Trainer Kari Jalonen entscheidet sich dafür, doch noch Eishockey spielen zu lassen.

Der Schwede Adam Almquist, der wohl gewöhnlichste ausländische Verteidiger in der SCB-Geschichte (seit 1931) muss auf die Tribune. Zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison (!) kommen beim SCB vier ausländischen Stürmer zum Zuge (Arcobello, Mursak, Ebbett, Boychuk).

Offensive Kehrtwende

Eine nachgerade revolutionäre offensive Kehrtwende des Trainers. Nun ist nämlich schon vom Personal her das unselige Rechenschieber-Minimalisten-Abwarten-Hockey nicht mehr möglich, das dem SCB seit der Weihnachtspause so viel berechtigte Kritik, im Viertelfinale gegen Servette so grosste Schwierigkeiten und in der ersten Halbfinal-Partie am Dienstag gegen Biel eine Niederlage beschert hat (2:4).

Und siehe da: es bleibt nicht beim offensiven Bekenntnis in der Teamaufstellung. Das offensive Versprechen wird spektakulär in die Tat umgesetzt. Der SCB spielt tatsächlich vorwärts. Die Berner stehen auf den Zehen und nicht mehr auf den Fersen.

Die Bieler machen zwar den ersten offensiven Atemzug und erzielen gleich mit dem ersten Angriff das 1:0 (Damien Brunner nach 91 Sekunden). Aber trotz dieses frühen Treffers steht das Spiel im Zeichen der SCB-Auferstehung. Der Ausgleich kommt mit dem ersten SCB-Powerplay (5.) früh und nun sind die Segel des SCB-Selbstvertrauens gesetzt.

Die Intensität, die Wucht und das Tempo des SCB-Spiels nimmt dem Bieler Spektakelspiel den Sauerstoff, entzieht ihnen lange Zeit die Leichtigkeit des Laufens und Passens und die Zeit und den Raum zum Abschluss. Sie laufen, sie rennen, sie versuchen alles. Sie sind mindestens gleich gut wie am Dienstag beim Sieg in der ersten Partie in Bern.

Differenz: Eine Auferstehung

Die Differenz ist – aus Bieler Sicht – eine buchstäblich atemberaubende Auferstehung und eigentlich deutet nach dem 2:1 durch Matthias Bieber (39.) alles auf den Sieg, auf die erfolgreiche Auferstehung des Titanen aus der Hauptstadt. Eigentlich.

Aber der SCB besteht das Examen nicht, bringt den Vorsprung nicht über die Zeit und wird doch noch vom «Fluch des späten Gegentreffers» eingeholt. Der wahre SCB findet im letzten Drittel und in der Verlängerung den Meister im…wahren EHC Biel.

Die Bieler haben schon am Dienstag in Bern sehr gut gespielt. Nun wird ihr Tempospiel bei der drohenden Niederlage von einer Leidenschaft, von einem Willen befeuert, das aus einer guten eine grosse Mannschaft macht.

Und es ist kein Zufall, dass es gerade Damien Brunner am Anfang (mit dem 1:0) und am Schluss der regulären Spielzeit (mit dem 2:2) das Ausrufezeichen setzt und den Sturmlauf seiner Mannschaft belohnt.

Toni Rajala krönt ihn mit dem Siegestreffer in der Verlängerung. Wir haben in diesem Spiel eine eindrückliche SCB-Auferstehung gesehen – aber auch zum ersten Mal das wahre, das grosse Playoff-Biel. Ein Drama bahnt sich in diesem Halbfinal an.