Eishockey
Der SC Bern und das Schweigen der Männer

Spielt Martin Plüss trotz offiziell verkündeter Scheidung nächste Saison doch wieder beim SC Bern? Das ist gut möglich.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Martin Plüss (mit der Nummer 28) will seinen Vertrag mit dem SC Bern nicht verlängern.

Martin Plüss (mit der Nummer 28) will seinen Vertrag mit dem SC Bern nicht verlängern.

Keystone

Die grösste Leistung von Martin Plüss (39)? Die WM-Silbermedaille von Stockholm? Nein. Seine grösste Tat: Er hat den SCB zum Schweigen gebracht. Letzte Woche wurde vom «Bayern München des Hockeys» folgende Medienmitteilung verbreitet:

«Die Wege von Martin Plüss und dem SCB werden sich Ende der Saison trennen.Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung haben zu keiner Einigung geführt. Beide Parteien bedauern sehr, dass keine Lösung für ihn gefunden werden konnte. Die beiden Parteien haben sich daraufhin geeinigt, über die Gründe keine Auskünfte zu geben.»

Gewährsleute sagen, die seit Oktober laufenden Verhandlungen seien nicht am Geld gescheitert. Martin Plüss habe beim SCB nicht jene Wertschätzung gespürt, die für ihn wichtig sei. Aber nicht nur Sportchef Alex Chatelain schweigt. Stumm bleibt auch SCB-General Marc Lüthi. Ein Hexenmeister der Kommunikation, der sich in den klubinternen Medien sogar über das Nati-Aufgebot auslässt.

«Es würde nichts bringen, wenn wir uns zur Sache äussern», sagt Chatelain. «Dann entsteht ein Hin und Her, und das wollen wir in den Playoffs nicht.» Marc Lüthi quittiert die Bemerkung, Martin Plüss habe sogar ihn zum Schweigen gebracht mit einem süsssauren Lächeln und der Feststellung, es sei eben so, wie es sei.

Langnau, Biel, Kloten oder Bern?

Aber das Schweigen der SCB-Männer funktioniert im schwatzhaften Hockey-Milieu nicht. Es wäre einfacher, den Wind an die Wand zu nageln als rund um den auslaufenden Vertrag von Martin Plüss mediale Windstille zu befehlen.

Die Spekulationen schiessen ins Kraut. Langnaus Sportchef Jörg Reber bestätigt: «Ja, ich war in letzter Zeit in losem Kontakt mit Martin Plüss und ich werde das Gespräch mit ihm noch einmal suchen.» Biels Sportchef Martin Steinegger sagt: «Ich habe nicht damit gerechnet, dass seine Zeit in Bern zu Ende geht. Aber nun werde ich ihn wohl anrufen ...»

Naheliegend wäre eine Rückkehr zu Kloten. Dort, wo Martin Plüss einst aufgebrochen ist, um die Hockeywelt zu erobern. Aber Sportchef Pascal Müller winkt ab. «Wir sind nicht interessiert. Er würde sowieso nicht in unser Budget passen ...»

Die grosse Frage ist also: Spielt Martin Plüss auch nächste Saison? Und wenn, wo? Nach der Partie gegen Kloten (3:2) stellt er sich erstmals seit der verkündeten «Scheidung» den Chronisten. Es sind Aussagen ohne Brisanz. «Ich freue mich auf die wichtigste Phase der Saison und möchte mich darauf konzentrieren.»

Das sei der Grund, warum man nicht weiter über die ganze Angelegenheit reden möchte. Ob und wo er nächste Saison spielen werde, wisse er noch nicht. Er schiebe diese Entscheidung erst einmal hinaus und es sei nach wie vor offen, ob er sich für die WM noch einmal zur Verfügung stelle.

Dann aber kommt eine Frage, ob sein Entschluss, den SCB zu verlassen, endgültig sei? Wäre alles klar, hiesse die Antwort «Ja!». Aber er zögert und sagt, er wolle dazu nichts sagen. Er verzichtet darauf, klar und unmissverständlich zu bestätigen, dass die Trennung vom SCB endgültig sei. Eine letzte Frage macht klar, dass der «Fall Plüss» noch lange nicht gelöst ist.

Der SCB-Captain wird gefragt, ob Bern der Lebensmittelpunkt für seine Familie geworden sei. Oder ob er eine Rückkehr ins Zürcher Unterland plane. Er antwortet, Bern sei der Lebensmittelpunkt geworden. Schlussfolgerung: wenn weiterhin Hockey, dann also im Bernbiet.

Der SCB ist ein grosses Hockeyunternehmen. Wir können sagen: Martin Plüss geht – na und? Aber Plüss ist eine grosse Spielerpersönlichkeit. Wir können auch sagen: Plüss bleibt doch eine weitere Saison – gut für den SCB. Gut für unser Hockey. Wer wettet, dass er seine Karriere doch in Bern fortsetzt, hat gute Chancen auf einen fetten Gewinn.

Aktuelle Nachrichten