Kommentar
Der russische Doping-Witz

Ein Kommentar über das russische Doping-Geständnis - und die darauffolgende Dementierung.

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Russlands Antidoping-Direktorin Anna Anzeljowitsch gesteht, dass Russland systematisch gedopt habe.

Russlands Antidoping-Direktorin Anna Anzeljowitsch gesteht, dass Russland systematisch gedopt habe.

Keystone

Wäre das Thema nicht zum Heulen, man müsste lachen. Da gesteht Russlands Antidoping-Direktorin Anna Anzeljowitsch der «New York Times» in einem Anflug von Selbstkritik, es habe in ihrem Land tatsächlich eine «institutionelle Verschwörung» zur Vertuschung von Dopingpraktiken gegeben. Und im selben Atemzug spricht sie den Staat von jeglicher Schuld frei. Präsident Putin und Sportminister Mutko waren gemäss der Rusada-Chefin ahnungslos und nicht beteiligt.

Welche Institution, wenn nicht der Staat, soll denn sonst den Befehl zum grössten Doping-Beschiss der Geschichte gegeben haben? Notabene in einem Land, in dem der Sport komplett von staatlichen Stellen orchestriert wird. In welchem der Sportminister gleichzeitig Präsident des Fussballverbandes ist und die Leitung der «unabhängigen» Antidoping-Agentur Rusada diktiert.

Kein Wunder beeilt sich das offizielle Russland damit, das halbbatzige Doping-Geständnis zu dementieren. Die Argumentation von Frau Anzeljowitsch ist offensichtlich selbst für russische Verhältnisse zu abenteuerlich. Nicht mehr als ein schlechter Witz.

Zu denken geben muss ganz etwas anderes: Eine Hauptforderung des Internationalen Olympischen Komitees an Russland ist die künftige staatliche Unabhängigkeit der Rusada. Unterstreicht man diese tatsächlich so – mit einer an Lächerlichkeit grenzenden Reinwaschung genau dieses Staates?

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