Flavio: Eishockeyspieler haben schon ein unfassbar gemütliches Leben.
Pius: Wenn ein Süditaliener über Eishockey zu philosophieren beginnt, ist das per se suspekt. Aber ich befürchte, dass du definitiv einen Knall hast? Oder nur einen temporären Breakdown?
Flavio: Nein, weder noch. Neulich habe ich gehört, wie ein Hockeyspieler erklärte, worauf es während der Playoffs besonders ankommt. Viel schlafen, viel trinken und gut essen. Das ist bei mir ziemlich ähnlich, wenn ich im Sommer in meiner Heimat Ferien mache.
Tobias: Mag sein. Aber nimmst du am Strand auch Spiel für Spiel, Drittel für Drittel, Einsatz für Einsatz?
Flavio: Wir sagen: Zwischen Reden und Tun liegt das Meer.
David: Ja, und im Becher ertrinken mehr als im Meer.
François: Wunderbar! Pünktlich auf die Entscheidung in der Eishockey-Meisterschaft nähert ihr euch der Topform, kippt das Momentum auf eure Seite. Aber denkt dran: Der letzte Sieg ist immer der schwierigste.
Flavio: Momentum hier, Momentum da, Momentum überall! Ich kann es nicht mehr hören!
David: Aber damit es mit dem letzten Sieg klappt, müssen die kleinen Sachen wieder richtig gemacht werden.
Pius: Muss man um jeden Zentimeter Eis kämpfen.
Flavio: Das machen die Klimaaktivisten auch.
Tobias: Und man darf nicht zu viele Strafen nehmen.
Flavio: Das mit dem Strafennehmen ist auch so eine absolut unsinnige Formulierung. Strafen nehmen. Wenn die Kellnerin die nächste Bestellung aufnimmt, sage ich: Ich nehme eine Strafe, aber bitte nicht zu kalt.
Pius: Du musst jetzt einfach wieder dein Spiel spielen. Und nicht lesen, was in den Zeitungen und im Internet steht.
David: Vor allem musst du nach vorne schauen. Dabei darfst du nicht den Kopf hängen lassen.
Flavio: Echt jetzt? Das ist jetzt mal eine erstaunliche Erkenntnis.
Tobias: Klar doch. Und du musst froh sein, wenn du der Mannschaft helfen kannst.
Pius: Dafür musst du immer 110 Prozent geben.
Flavio: Ich habs kapiert. Strafen nehmen. Prozent geben. Nehmen und Geben – wie im richtigen Leben. Aber Leute, es ist schon etwas schwierig diese Eishockey-Weisheiten über Wochen zu ertragen.
David: Wenn Spieler, aber auch die Berichterstatter, für jede Floskel einen Fünflieber bezahlten, müsste niemand mehr auf der Welt hungern.
François: Mag sein! Aber die Fragen der TV-Reporter lassen meist nur die Flucht ins Reich der Floskeln zu. Dabei gibt es auch richtig intelligente Aussagen von Hockeyspielern.
Flavio: Zum Beispiel?
François: Vom grossen Wayne Gretzky. Er sagte: «Geh nicht dahin, wo der Puck ist. Gehe dahin, wo der Puck sein wird.» Dieser Satz hat selbst Steve Jobs inspiriert. Auf Gretzkys Zitate angesprochen, sagte er: «Bei Apple haben wir das immer versucht. Seit der Gründung.» Vielleicht wäre Apple ohne Gretzky nie so gross geworden.
Flavio: Wahrscheinlich hat Gretzky speziell viel geschlafen, speziell viel getrunken und speziell gut gegessen.