Egal, mit wem aus seinem Umfeld man spricht. Sie sind sich alle einig: Nevin Galmarini ist Perfektionist. Einer, der planen will. Ein Typ wie Marcel Hirscher. Der Österreicher gilt als der beste Skifahrer der Geschichte. Er sagt: «Ich will den Zufall, so gut es geht, eliminieren.» Es könnte ein Satz von Galmarini sein. Er sagt: «Ich will, so gut es geht, alle Wahrscheinlichkeiten auf meiner Seite haben.»

Seit vier Jahren und der damals eher überraschenden Silbermedaille an den Olympischen Spielen in Sotschi arbeitete Galmarini an einem Ziel: Er wollte den Medaillengewinn wiederholen und damit beweisen, dass dieser kein Zufall war.

In Südkorea gewann er Gold. Es war, auch wenn sich das rückblickend leicht sagen lässt, ein Sieg mit Ansage. Weil Galmarini alles Mögliche dafür getan hat. Er ist quasi ein Prototyp dafür, wie sich Erfolg ein Stück weit planen lässt. Seine Trainer beschreiben ihn als einen, der mehr tut: im Training und beim Drumherum.

So tüftelt der 31-Jährige akribisch an der Abstimmung des Materials. So, wie es Marcel Hirscher tut. Die Meinung des Österreichers zählt bei seinem Ausrüster Atomic ebenso viel wie jene von Galmarini beim führenden Schweizer Alpin-Snowboard-Hersteller Oxess. Der Bündner sagt: «Ich kann sagen, was ich gut finde. Und ich kann beeinflussen, in welche Richtung die Entwicklung gehen soll.»

Nevin Galmarini: "Olympia war für mich immer das Highlight."

Nevin Galmarini: «Olympia war für mich immer das Highlight.»

Für den Snowboarder Nevin Galmarini bedeuten die olympischen Spiele sehr viel und er hat sich über jede Schweizer Medaille gefreut. Am Samstag darf er sich über seine Goldmedaille freuen, die er mit nach Hause nimmt.

Gepaart wird diese Perfektion beim Set-up mit einer hohen Rennintelligenz. Snowboard-Cheftrainer Christian Rufer sagt: «Nevin weiss immer, wo er ist und was er macht. Er kann so auf alles reagieren.» Galmarini sagt: «Ich habe als Junior versucht, meinen Gegner auszublenden. Das mache ich heute anders. Ich nehme ihn wahr und kann so stets reagieren. Ich habe im Rennen immer den Überblick und weiss so, was es jeweils braucht.»

Einst inspiriert, nun Inspiration

Es geht immer um Planung. Mit dieser Akribie lebt Galmarini vor, was möglich ist, wenn man viel investiert. Trainer Rufer sagt: «Er ist Leader mit Akzeptanz. Oft werden Leader akzeptiert, solange sie Erfolg haben. Die wirklichen Leader haben auch Akzeptanz, wenn sie nicht mehr ganz vorne sind, und das hat er bestimmt.»

Für die Zukunft des Schweizer Alpin-Snowboards wird Nevin Galmarini darum so wichtig sein, wie es die Brüder Philipp (Olympiasieger 2002 und 2006) und Simon Schoch (Weltmeister 2007) waren.

Sie standen in der Schweiz am Ursprung der Sportart und ihre Erfolge waren für viele – auch Nevin Galmarini – eine Inspiration. Nun tritt der Bündner in ihre Fussstapfen. Er sagt: «Ich fühle mich wohl in der Rolle des Leaders. Es ist schön, wenn ich andere inspirieren kann.»

Doch nicht nur das. Eine olympische Goldmedaille ist in den Verhandlungen,wie die Schweizer Sportfördergelder verteilt werden, ein wichtiges Argument. Das hilft seiner Sportart in der Schweiz enorm.