Langlauf
Der Optimist und der Pessimist - Zwei fünfte Plätze von Cologna und von Siebenthal in Davos

Bei Olympischen Spielen zählen bekanntlich - dem olympischen Gedanken zum Trotz - nur Medaillen. Ob die Schweizer Langläufer in zwei Monaten in Pyeongchang Kandidaten für Edelmetall sind, hängt weitestgehend von der Performance von Dario Cologna und Nathalie von Siebenthal ab.

Rainer Sommerhalder
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Nathalie von Siebenthal erreichte in Davos mit Platz 5 ihr bisher bestes Resultat im Weltcup.

Nathalie von Siebenthal erreichte in Davos mit Platz 5 ihr bisher bestes Resultat im Weltcup.

Keystone

Der Weltcup in Davos bot dem Duo deshalb über die beiden Olympia-Distanzen 10 km und 15 km Freistil mit Einzelstart eine echte Standortbestimmung. Mit je einem fünften Rang behaupteten sich die beiden Teamleader unter den Weltbesten. Knapp neun Sekunden fehlten von Siebenthal, zwölf Cologna fürs Podest. Ziemlich zufrieden mit der Leistung waren beide.

Die junge Garde drängt

Es gibt eine pessimistische und ein optimistische Einordnung dieser Resultate. Der Pessimist wird im Hinblick auf die Winterspiele sagen, Nathalie von Siebenthal ist noch nicht in der Lage, aufs Podest zu laufen, Dario Cologna nicht mehr. Die 24-jährige Berner Oberländerin muss sich gedulden, bis die alte Garde um die Norwegerin Marit Björgen abdankt. Bis zur WM 2019 könnte der Weg frei sein für von Siebenthal, die auch punkto Trainingsumfang das grösste Steigerungspotenzial der Weltbesten aufweist.

Dario Cologna hingegen muss aus Sicht des Pessimisten einsehen, dass ihm genau diese junge Garde den Rang abläuft. Der 21-jährige Weltcup-Leader Johannes Hösflot Klaebo gewann in Davos am Samstag den Sprint überlegen, verzichtete aber zwecks Schonung aufs gestrige Distanzrennen. Die beiden Russen Sergej Ustjugow (25) und Alexander Bolschunow (20) liefen über 15 km auf die Plätze 2 und 3.

Beste Saisonleistung: Dario Cologna lief in Davos auf den 5. Platz.

Beste Saisonleistung: Dario Cologna lief in Davos auf den 5. Platz.

KEYSTONE/EPA KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Der Optimist hingegen wird ausführen, dass Cologna selten bereits in Davos so nah an der Weltspitze dran war wie heuer, dass der 31-Jährige seine beiden Schwachstellen Asthma und Wade im Griff hat und dass die traditionelle Steigerung des Münstertalers im Hinblick auf die Tour de Ski (30. Dezember bis 7. Januar) ihn beim ersten Saisonhöhepunkt schon zum Siegesanwärter macht. Geschweige denn bei Olympia.

Und der Optimist wird sagen, dass Nathalie von Siebenthal in Davos nur 16 Sekunden auf Siegerin Ingvild Flugstad Östberg aus Norwegen verlor, dass sie bei halber Distanz sogar in Führung lag und dass sie im Ziel höher gehandelte Athletinnen wie Charlotte Kalla und Marit Björgen hinter sich liess. Und wem dies gelingt, der gehört auch in Pyeongchang zu den ganz heissen Medaillenkandidaten.

Baumann so gut wie noch nie

Von Siebenthal auf jeden Fall ist optimistisch, dass es eine Frage der Zeit sei, bis sie ihre furiose Anfangspace ganz bis ins Ziel wird durchziehen können. Davos hat aber auch gezeigt, dass sie derzeit die einzige Schweizer Athletin in Tuchfühlung zur absoluten Weltspitze ist.

Anders sieht dies bei den Männern aus. Dort reift neben Cologna mit Jonas Baumann immer deutlicher ein zweiter Teamleader heran. Der ehemalige Klassisch-Spezialist zeigte mit Rang 11, eine gute Minute hinter Sieger Maurice Manificat, seine bisher beste Weltcupleistung in einem Skating-Distanzrennen. Der 27-Jährige bewies damit eindrücklich, dass er die im Frühjahr erlittene Ermüdungsdepression überwunden und die richtigen Schlüsse daraus gezogen hat. «Ich höre jetzt mehr auch auf mich und nicht nur auf den Trainingsplan», sagt Baumann zu seinem Erfolgsrezept.

Jonas Baumann.

Jonas Baumann.

KEYSTONE/EPA COMPIC/KIMMO BRANDT

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